Lokales

Bei den "sieben Zwergen" oder: Wehe, wenn der Film reißt . . .

KIRCHHEIM Wir, das ist die Klasse 4b der Grund- und Hauptschule aus Bissingen, durften im Rahmen des Projekts "Zeitung in der Grundschule" gemeinsam mit unserem

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(O:21070320.JP_Lehrer Martin Wetzel und seiner Frau das Tyroler-Kino von Eberhard Frech besuchen. Zunächst machten wir aber noch einen Abstecher zum Teckboten. Dort empfing uns Andreas Volz, ein Redakteur, der über Lokales beim Teckboten schreibt. Er zeigte uns die Arbeitsplätze und erzählte uns von seinem Beruf. Das war sehr interessant, auch wenn um diese Zeit in der Redaktion noch nicht viel los war.

Nach diesem kurzen Umweg erreichten wir das Tyroler-Kino am Postplatz. Eberhard Frech, der Kinobesitzer, begrüßte uns freundlich und führte uns in sein "Reich". Er erzählte uns, dass das mit nur 57 Sitzplätzen kleinste Kirchheimer Kino seit 1980 betrieben wird und dass seine Eltern schon im Besitz dieses Kinos waren.

Unsere Klasse war in vier Gruppen aufgeteilt. Während sich die anderen Notizen zu ihren Beobachtungen machten, nahm Eberhard Frech nun immer eine Gruppe mit in den Vorführraum. Dort zeigte er uns, wie die Filme aus verschiedenen Teilen zusammengeklebt und eingelegt werden und auch, wie die Kinomaschine funktioniert: Eine Filmrolle kann so lang sein, dass sie von Kirchheim bis nach Bissingen reichen würde.

Wir haben außerdem erfahren, dass diese Maschine eine 1 000 Watt starke Glühbirne hat und dass die Filme ruckartig durch die Maschine laufen. Das Licht geht dabei durch eine Linse und wird über verschiedene Spiegel auf die Leinwand geworfen. Außerdem erklärte uns Eberhard Frech noch, dass die Filme bei Film-Verleihern in München und Frankfurt nur ausgeliehen sind. Man kann sie drei Monate lang behalten, dann muss man sie wieder zurückgeben. Bald soll eine neue Vorführmaschine angeschafft werden. Sie wird aber ungefähr 80 000 Euro kosten.

Das alles war sehr interessant und wir haben viel Neues gelernt. Als Eberhard Frech mit dem Erklären fertig war, durften wir ihn noch mit unseren zahlreichen Fragen "löchern":

Fevzi: Was passiert, wenn ein Film reißt?

Eberhard Frech: Zuerst muss man die Maschine anhalten und abdunkeln, damit dem Film nichts passiert. Dann kann man den Film wieder zusammenkleben. Das dauert ungefähr ein bis zwei Minuten, und dann geht es wieder weiter. Das passiert bei neueren Filmen aber nicht mehr oft.

Friedrich: Wie viele Filme laufen bei ihnen im Jahr?

Eberhard Frech: Pro Woche sind es zwei bis vier verschiedene Filme, im Jahr also 100 bis 200 Filme.

Fabio: Wie viele Leute besuchen das Kino etwa im Jahr?

Eberhard Frech: In beiden Kinos zusammen Tyroler und Central haben wir etwa 20 000 Besucher im Jahr.

Katharina: Schaut sich der Film-Vorführer den Film immer auch selbst an?

Eberhard Frech: Jedesmal natürlich nicht. Bei der ersten Vorstellung schaut man sich den Film auf jeden Fall ganz an, um beurteilen zu können, ob er irgendwelche Schäden hat.

Samuel: Seit wann hat ihre Familie Kinos betrieben?

Eberhard Frech: Das "Central" wurde 1955 eröffnet. Vorher schon ist mein Vater mit seinem Wanderkino über die Dörfer gereist und hat zum Beispiel in Wirtschaften Filme gezeigt.

Marcel: Welches war der erste Film, der in ihren Kinos gezeigt wurde?

Eberhard Frech: Das war 1955, also vor meiner Zeit. Ich vermute aber, dass es sich dabei um einen Heimatfilm handelte.

Johannes: Seit wann gibt es das Tyroler-Kino?

Eberhard Frech: Früher war in diesem Haus einmal ein Modegeschäft, danach war in den Räumen ein Tanz-Cafe. Etwa im Jahr 1980 wurde es zum Kino umgebaut.

Janine: Seit wann sind sie Kinobesitzer?

Eberhard Frech: Mein Vater hat die Kinos bis 1991 betrieben, danach übernahm mein Bruder diese Aufgabe. Im Jahr 2001 hat er die Leitung an mich übergeben.

Sascha: Warum darf man die Filme nicht abfilmen?

Eberhard Frech: Die Filme herzustellen kostet sehr viel Geld. Schauspieler und alle anderen, die an einem Film beteiligt sind, müssen bezahlt werden. Auch die Filmverleiher und natürlich wir Kinobesitzer wollen etwas verdienen. Von einem großen Film gibt es in Deutschland ungefähr 700 Kopien. Jede Kopie kostet zwischen 3 000 und 4 000 Euro. Das muss alles bezahlt werden. Wenn nun viele "Raubkopien" im Umlauf sind, dann haben wir weniger Besucher und das Ganze rechnet sich für die Kinos nicht mehr.

Tina: Was gefällt ihnen an diesem Beruf?

Eberhard Frech: Seit ich mich erinnern kann, bin ich mit dem Kino in der einen oder anderen Form verbunden. Kino ist für mich eine tolle Sache, auch weil ich hier in Kirchheim ein kulturelles Angebot machen kann. Wir zeigen weniger "Mainstream"-Filme, mit denen man mehr Geld verdienen kann, sondern in der Regel eher spezielle Filme, die auch künstlerisch wertvoll sind: Das nennt man "Programmkino".

Nach dieser Fragerunde durften wir auch noch den aktuellen Kinofilm "Sieben Zwerge der Wald ist nicht genug" anschauen, eine witzige Mischung aus verschiedenen Märchen. Es war sehr lustig, aber auch spannend. Als der Film zu Ende war, bedankten wir uns bei Eberhard Frech, weil er sich an diesem Vormittag extra für uns so viel Zeit genommen hatte. Er arbeitet nämlich bei der Firma Bosch und betreibt das Kino nur "nebenher". Draußen warteten schon unsere Eltern, die uns dann nach Hause brachten. Wenn das nicht einmal ein toller Schulvormittag war. Einige fragten sich: Warum kann Schule nicht immer so sein?

Klasse 4b

Grund- und Hauptschule Bissingen