Lokales

"Bei der Arbeit kommt etwas zurück"

Mehr Ehrenamtler ins Pflegeheim zu locken war das Ziel des landesweiten Projektes BELA Bürgerschaftliches Engagement fürs Leben im Alter. Auf einer Tagung in Beuren wurde nun Fazit gezogen.

GESA VON LEESEN

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BEUREN Ehrenamtlich im Pflegeheim zu arbeiten das gehört nicht zum populärsten bürgerschaftlichen Engagement. Doch angesichts der stetig wachsenden Zahl der Älteren, verbunden mit begrenzten Ausgaben für die Pflege, braucht die Gesellschaft derartiges Engagement. Vor allem diejenigen, die in den Pflegheimen leben, benötigen die zusätzliche Zuwendung.

Bei der Tagung in Beuren waren alle begeistert von der großen Resonanz des BELA-Projekts. Inge Hafner, im Landkreis Esslingen zuständig für die Altenhilfe, zählte auf: "Wir haben 300 neue Freiwillige dazu bewegen können, sich in der Pflege zu engagieren. Das ist ein großer Erfolg."

Alleine im Landkreis hat sich die Zahl der Betten in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Derzeit verfügen mehr als 50 Pflegeheime über 3 700 Betten. Hafner: "Zwei Drittel der Pflegebedürftigen sind verwirrte Menschen, teilweise schwerstpflegebedürftig. Es ist einfach, sich im Museum zu engagieren, aber im Pflegeheim das ist schon schwieriger." Im Rahmen des dreijährigen BELA-Projektes entstanden 45 Projekte in 19 Einrichtungen, sieben davon kamen aus dem Landkreis Esslingen. So entwickelte das Pflegeheim Esslingen-Berkheim Frühstücksgruppen mit Demenzkranken unter dem Motto "Was macht die Butter in meinem Kaffee?". Heimleiter Rainer Wirth erklärt: "Wir haben uns gedacht, unsere Bewohner können mehr als wir sie machen lassen und haben einfach mal angefangen, den Tisch nicht fertig zu decken, sondern alles nur hingestellt. Und siehe da: Es ging." Allerdings nur, weil die Gruppen relativ klein sind und von professionellen Pflegekräften gemeinsam mit geschulten Ehrenamtlern betreut werden. Welche Rolle hat BELA dabei gespielt? "Ehrenamtliche hatten wir schon vorher. Aber durch BELA konnten wir uns landesweit mit anderen Heimen austauschen, Impulse bekommen über den Tellerrand sehen."

In Sankt Vinzenz in Plattenhardt läuft erfolgreich das Projekt "Auf den Hund gekommen". Hundehalter, die eine zweijährige Schulung für sich und ihre Hunde absolviert haben, besuchen regelmäßig Demenzkranke. Christina Kuhn vom Sankt Vinzenz: "Die Hunde fungieren als Medium, um mit den Erkrankten in Kontakt zu kommen, was bei Demenzkranken ja sehr schwierig sein kann. Unsere Beobachtungen zeigen, dass die Betroffenen dadurch mehr Lebensfreude haben und das ist das Ziel."

Was es bringt, sich ausgerechnet mit Demenzkranken zu beschäftigen, schilderte eine der ehrenamtlich Engagierten: "Ich habe im Heim Kuchen ausgeteilt und eine Demenzkranke strahlte mich so sehr an das war unglaublich beeindruckend. Vielleicht ist es das: Bei dieser Arbeit kommt etwas zurück, Anerkennung, Wahrnehmung, was wir bei der täglichen Arbeit nicht mehr erleben."

BELA wurde von der Robert-Bosch-Stiftung mit 350 000 Euro finanziert. Das Geld ging an die sich beteiligenden Pflegeheime und Kommunen, es floss in Schulungen der Ehrenamtlichen, Netzwerktreffen, eine internationale Konferenz und in die Koordinationsstelle von Iren Steiner. Neben dem Austausch untereinander, den alle Beteiligten als sehr fruchtbar bezeichneten, sieht Inge Hafner einen weiteren Pluspunkt in dem Projekt: "Heime öffnen sich nach außen, die Abläufe werden transparent. Dadurch werden Hemmungen gegenüber Pflegeheimen abgebaut und die Einrichtungen verbessern ihr Image."

Auch wenn das BELA-Projekt nun ausgelaufen ist, hoffen die Beteiligten, weitermachen zu können, um noch mehr Pflegeeinrichtungen einzubinden. Ein entsprechender Antrag wurde bei der Bosch-Stiftung bereits eingereicht.