Lokales

Bei der Post hapert es noch immer

Vor einem halben Jahr hat die Deutsche Post die Briefzustellung im Raum Kirchheim neu organisiert. Ziel war, die Kunden noch schneller und zuverlässiger zu bedienen. Das allerdings hat bislang nicht so ganz funktioniert: Immer wieder klagen Bewohner der Teckstadt darüber, dass Briefe falsch, zu spät oder gar nicht zugestellt werden.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM Ulrich Kugel kann sich nur wundern. Da hatte die Deutsche Post im vergangenen Sommer angekündigt, die Briefzustellung im Raum Kirchheim neu zu organisieren, um die Kunden künftig noch besser und pünktlicher zu versorgen und jetzt gibt es mehr Probleme als zuvor: "Zwei Mal haben wir in letzter Zeit Briefe am Sonntag zugestellt bekommen", berichtet der Ortschaftsrat aus Jesingen. Zudem habe er kürzlich einen falsch adressierten Brief gefunden, der einfach auf seinem Fahrradschuppen abgelegt worden war. Weil der Jesinger die benachbarte Familie kennt, warf er ihn an der richtigen Adresse ein. "Auch bei den Nachbarn ist es vorgekommen, dass Briefe nur noch nach der Anschrift und nicht mehr nach dem Namen zugestellt werden", hat Ulrich Kugel in Erfahrung gebracht.

Nicht nur er, auch andere Kirchheimer ärgern sich über Probleme bei der Briefzustellung. Jörn Ziegler beispielsweise klagt: "Allein in unserem Fall fehlen seit Mitte Dezember nachweislich mindestens zehn Briefe, und offenbar kommt insgesamt in Kirchheim noch viel mehr Post abhanden." Er habe Suchanträge bei der Nachforschungsstelle gestellt und das Verschwinden beim Kundentelefon der Post reklamiert. Trotzdem ist kein Brief wieder aufgetaucht. Dass Post ganz verschwindet, will Ulrich Kugel aus Jesingen nicht beschwören eine Vermutung hat er aber schon: "Persönlich habe ich auch den Eindruck, dass etwas verloren geht", so Kugel.

Dass es seit der Umstrukturierung im vergangenen Sommer in Kirchheim bei der Briefzustellung hapert, will Gerold Beck, Pressesprecher der Deutschen Post, gar nicht leugnen: "Wir sind da auch noch nicht ganz glücklich", gesteht er. Die Post sei sich bewusst, dass es in "dem einen oder anderen Fall zu Verzögerungen kommt", so Beck. Das Unternehmen arbeite aber mit Hochdruck daran, die Fehler auszumerzen. Erste Erfolge seien bereits zu verzeichnen: "Die Reklamationen sind schon ziemlich weit zurückgegangen."

Die Anschuldigung jedoch, dass in Kirchheim Briefe in größerer Zahl verloren gehen, will der Postsprecher nicht einfach so stehen lassen. Zumal der vorliegende Fall eher ungewöhnlich sei, weil sich nicht der Absender, sondern der Empfänger gemeldet habe. So sei es schwierig, den Weg der Briefe nachzuvollziehen und herauszufinden, ob sie überhaupt mit der Deutschen Post oder durch einen ganz anderen Anbieter versandt worden seien.

Dass es gerade in der Teckstadt Probleme gibt, hat dem Postsprecher zufolge einen Grund: Kirchheim sei eine der ersten Städte, in denen die Zustellung neu organisiert wurde. Was den zeitlichen Ablauf angeht, hat sich das Unternehmen da offenbar verschätzt: "Das hat alles länger gedauert, als gedacht", so Beck.

Mittlerweile ist es schon über ein halbes Jahr her, dass die Post in Kirchheim ihre Mannschaft ausgetauscht und 22 neue Halbtagskräfte eingestellt hat. Das Ziel war, noch schneller zu werden und sämtliche Post vor 13 Uhr zuzustellen. "Das funktioniert nur mit Halbtagskräften", so Beck. Diese stellen die Post jetzt nur noch zu, vorsortiert wird im Briefzentrum in Salach.

Genau da, so ist aus Postkreisen zu erfahren, liegt ein Problem. "In Salach wird so viel falsch sortiert", klagt eine Kirchheimer Briefträgerin. Damit gingen die Zusteller unterschiedlich um: Manche würden umkehren, um die falsch eingeordneten Briefe an die richtige Adresse zu tragen mit enormen Zeitverlust, der auch mal freiwillige Nachmittags- oder gar Sonntagsschichten nach sich ziehe. Andere Zusteller dagegen machen sich diese Mühe nicht: Sie stecken die Irrläufer einfach bei der falschen Adresse ein. Wiederum andere wählen den offiziellen Weg: Sie senden die falsch sortierte Post mit einer Fehlermeldung zurück, damit sie neu sortiert und zugestellt werden kann. Verzögerungen sind aber auch da vorprogrammiert. Der kurze Dienstweg dagegen sei jetzt passe: "Früher haben wir falsch adressierte Briefe einfach untereinander ausgetauscht. Wir wussten ja, wer wo wohnt oder wer umgezogen ist."

Dass Probleme durch die ausgelagerte Sortierung entstehen, glaubt auch Elmar Müller, der nicht nur dem Kirchheimer Gemeinderat angehört, sondern auch Vorsitzender des in Berlin ansässigen Verbrauchervereins Postkundenforum ist. In Salach seien Kräfte eingestellt, die mit den örtlichen Gegebenheiten nicht vertraut seien und für die Sortierung teilweise sehr lange bräuchten. "Statt um 8 Uhr bekommen die Zusteller deshalb machmal erst um 9 oder 10 Uhr ihre Briefsäcke", so Elmar Müller.

Zudem werden die neuen Zusteller Müllers Ansicht nach nicht gut genug eingearbeitet: "Sie bekommen lediglich eine Kurzausbildung", kritisiert er. Dass außerdem wie von Kunden bemängelt die Austräger in den Bezirken häufiger als früher wechseln, dafür hat wiederum die Kirchheimer Briefträgerin eine Erklärung parat: Seit dem Sommer gelte die Vier-Tage-Woche da könne nicht jeden Tag der gleiche kommen.

In einem Punkt sind sich jedoch alle Beteiligten einig: In Kirchheim muss sich bei der Briefzustellung etwas ändern: "Das ist ein Zustand, mit dem wir uns nicht abfinden wollen", sagt Postsprecher Gerold Beck. Er bittet die Kunden, noch etwas Geduld zu haben, und fordert sie auf, sich bei Problemen an die Kundenberatung zu wenden. "Die Anfragen werden alle bearbeitet", verspricht er. Aber auch jeder Einzelne könne den neuen Zustellern die Arbeit erleichtern, so Beck: "Es wäre schön, wenn die Postkunden überprüfen könnten, ob die Namensschilder an ihren Briefkästen noch stimmen und gut lesbar sind."

Das Kundentelefon der Post ist erreichbar unter der Numer 0 18 02 /33 33. Hilfe im Internet gibt es unter der Rubrik "Kontakt & Hilfe" auf der Homepage www.deutschepost.de .