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Bei einer Wanderung auf der Alb hat es gefunkt

Morgen sind Eugen und Ruth Kromer aus Schlierbach genau 60 Jahre verheiratet. Sie können im Kreise ihrer großen Familie die diamantene Hochzeit feiern. Kennen und lieben gelernt haben sie sich bei einer Wanderung auf der Schwäbischen Alb.

JOACHIM KRUG

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SCHLIERBACH Kurz vor Weihnachten im letzten Kriegswinter, am 23. Dezember 1944, schlossen die Eheleute Eugen und Ruth Kromer im Weilheimer Rathaus den Bund fürs Leben, am darauffolgenden Stefanstag fand die kirchliche Trauung, ebenfalls in Weilheim, statt. Der dafür notwenige Urlaub vom Fronteinsatz auf der Krim rettete möglicherweise dem 1922 in Schlierbach geborenen Eugen Kromer das Leben, denn er musste danach nicht wieder an die Ostfront zurück. In seinem Schlierbacher Geburtshaus, das inzwischen mehrfach modernisiert wurde, leben die Kromers heute noch.

Eugen Kromer war der jüngste Sohn des Schreinermeister Kromer und lernte ebenfalls dieses Handwerk. Bis zu seinem Einsatz im Februar 1941 beim Reichsarbeitsdienst und kurze Zeit später bei der Wehrmacht arbeitete er als Möbelschreiner. 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Zurück kehrte er in das Haus seiner Schwiegereltern in Weilheim. Bis 1971 war er in einer Kirchheimer Möbelschreinerei tätig, die letzten zehn Berufsjahre bis 1981 arbeitete er in einer Firma für Segelflugzeugbau, ebenfalls in Kirchheim. Zwei der drei Geschwister von Ruth Kromer, geborene Falkenstein, leben noch und werden auch mit ihrer Schwester, die 1925 in Weilheim das Licht der Welt erblickte, das runde Ehejubiläum feiern.

Als sie 1938 aus der Schule kam, wurde sie dienstverpflichtet, zunächst in der Landwirtschaft, später in einer Papierfabrik und schließlich in einem Haushalt. Durch den Freund ihres Mannes hatte sie diesen in der Fabrik kennen gelernt. Bei einer Wanderung auf der Schwäbischen Alb 1941 kamen sich die beiden näher, doch kurze Zeit später wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Der Weihnachten 1944 geschlossenen Ehe entstammen ein Sohn (der 1998 verstarb) und eine Tochter. Drei Enkelkinder gehören inzwischen zur Familie.

Ruth Kromer wohnt heute gerne in Schlierbach und kann sich einen schöneren Wohnort gar nicht vorstellen. Über zwanzig Jahre lang leitete sie die Seniorengruppe des Schwäbischen Albvereins in Schlierbach und organisierte alle 14 Tage eine Wanderung, erst am dritten Adventssonntag dieses Jahres hat sie das Amt, in dem sie von ihrem Mann tatkräftig unterstützt wurde, aufgegeben. Für sie war der Albverein "ihr Leben", wie sie betont, trotz schwerer Krankheiten, die sie immer wieder durchzustehen hatte. Den 60. Hochzeitstag wollen die Kromers mit rund 35 Verwandten begehen.