Lokales

Bei Umbau des Kapuzinerhauses glückliche Hand bewiesen

Hepsisaus Ortskern soll erhalten bleiben. Und die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht. Einstimmig begrüßte der Ortschaftsrat in jüngster Sitzung das Interesse eines Plieninger Architekten. Er beabsichtigt, das denkmalgeschützte Gebäude, Hauptstraße 35, zu erwerben.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM "Dass Architekt Schell das Haus kaufen möchte, ist ein echter Glücksfall", sagte Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer in jüngster Sitzung des Hepsisauer Ortschaftsrates. "Schell hat bewiesen, dass er es kann." Vorzeigeobjekt des Planers ist die Bücherei im Herzen der Limburgstadt. Der Plieninger Architekt leitete die Sanierung und den Umbau des einst maroden Kapuzinerhauses und putzte das 1565 gebaute Haus zu einem wahren Kleinod heraus.

Seit einem Jahr nun versucht die Stadt das im Privateigentum befindliche Gebäude aus dem 17. Jahrhundert an der Hauptstraße im Ortsteil Hepsisau an den Mann zu bringen. "Oft hat das Telefon nicht geklingelt", sagte Hermann Bauer. Auch Ortsvorsteher Hartmut Hummel appellierte an die Räte, die Chance für den Ort zu sehen. Stark gemacht hatte sich die Verwaltung für den Erhalt und den Verkauf des seit Jahren leer stehenden Hauses insbesondere aufgrund seiner Lage. In direkter Nachbarschaft zur Kirche und unweit von Backhaus sowie ehemaligem Rathaus bildet es an der Straße eine Art Verschluss des Bereichs Ortsmitte.

In der Liste der Kulturdenkmale taucht das "Haus Simon" benannt nach dem Besitzer schon seit längerem auf. Vor gut einem Jahr wurde das ehemalige Bauernhaus unter Denkmalschutz gestellt. Unter dem bröckelnden Putz des quer geteilten Einhauses schlummert weitestgehend Substanz aus der Bauzeit, wie ein Fachwerk mit Vorstößen und Knaggen. "Bei Schell wäre eine fachmännische Restaurierung gewährleistet", betonte Hermann Bauer. "Das Gebäude wird ein Schmuckstück." Auf die Stadt kämen keinerlei Folgekosten zu. Gemäß den Entwürfen des Planers ist der Einbau von zwei Wohnungen mit 94 beziehungsweise 190 Quadratmetern Nutzfläche vorgesehen. Zudem ist eine gewerbliche Fläche mit rund 137 Quadratmetern in Sockel- und Obergeschoss geplant. "Wir wollen eine verträgliche Nutzung, die ins Dorf passt", so der Verwaltungschef. Notwendig wäre für den vorgestellten Entwurf der Anbau eines Treppenhauses an der Außenseite des Hauses. Sonst soll das Gebäude auch zur Kirche hin weitgehend unverändert bleiben. Wie die Frage der Parkplätze genau geregelt wird und ob der Erwerber einen Teil der städtischen Fläche hinter dem Haus zukaufen kann, gilt es im Detail noch zu klären.

Genau dies trieb einige Ortschaftsräte jedoch um: Gerda Schumann machte hinter die Ortsverträglichkeit der vorgestellten Lösung aufgrund mangelnder Stellplätze ein dickes Fragezeichen. Auch Manfred Liebler bezeichnete die drei vorhandenen Plätze als "mager". Während der Bürgerfragerunde hatte ein Einwohner moniert, dass die Stadt im Vorfeld nicht das Gespräch mit der Kirchengemeinde gesucht habe, "um für den Ort das Optimale herauszuholen". Da ein Abbruch des Gebäudes nicht zur Diskussion steht, hatte Hermann Bauer dazu eigenem Bekunden nach jedoch keinen Anlass gesehen.

Welches Kleingewerbe in das Haus einziehen könnte, steht derzeit noch nicht fest. Damit würde allerdings an eine Tradition angeknüpft: Ältere Einwohner des Orts am Zipfelbach erinnern sich noch an Zeiten, in denen in dem ehemaligen Bauernhaus sonntagmorgens ein Friseur sein Handwerk ausübte.