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"Bei uns kommen die Eltern an erster Stelle"

Vieles hat sich in diesem Jahr für den Treffpunkt alleinerziehender Menschen (TRAM) verändert. Zum einen greift die Teckboten-Weihnachtsaktion der Einrichtung finanziell unter die Arme und verhindet somit das Ende der Institution und zum andern hat TRAM in der Zionskirche in Kirchheim eine neue Heimat gefunden.

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM "Wir fühlen uns wirklich willkommen in dem Haus auch das ist eine gute Erfahrung für die Alleinerziehenden, die sich oft

O:STERN.TI_ausgegrenzt fühlen", beschreibt Projektleiterin Susanne Kurz die neue Situation. Sowohl die Eltern als auch die Kinder fühlten sich offen und freundlich beherbergt. "Besser können wir es nicht haben", ist sie begeistert.

Im Vogthaus unter dem Dach Familienbildungsstätte ist es im Laufe der Zeit einfach zu eng geworden. "Der Umzug hat viel Positives bewirkt", sagt Susanne Kurz. Statt eines großen Raumes gibt es nun drei. Die Erwachsenen können sich in Ruhe unterhalten, während die Kleinkindergruppe und die größeren Kinder in zwei verschiedenen Räumen betreut werden. "Wir sind ein größeres Team geworden mit festen Mitarbeitern", beschreibt die Sozialpädagogin. Durch den Kontakt zu den Methodisten habe TRAM noch mehr Unterstützung. Das Mädchen, das zurzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Zionskirche leistet, betreut die Schüler und stellt für sie ein Programm zusammen. Zudem gibt es einen 13-jährigen Schüler von der Teckrealschule, der bei TRAM ein Sozialpraktikum absolviert. "Die Kinder sind total begeistert von ihm. Er ist wie ein großer Bruder für sie", schwärmt Susanne Kurz.

Außerdem gibt es auch zwei Mitarbeiter, die sich als 1 Euro-Jobber am Pilotprojekt bei der Diakonie beteiligen. "Ein Mann als Bezugsperson ist absolut wichtig. Es tut den Kindern richtig gut, Männer bei der Kinderbetreuung und in der Küche zu erleben, denn die meisten von ihnen wohnen allein mit der Mutter", zählt die Sozialpädagogin die Vorteile auf.

Die optimale Kinderbetreuung schafft Raum für die Eltern. "Bei TRAM stehen ganz klar die Erwachsenen im Vordergrund. Die Kinder haben zwar ihre Angebote, aber an diesem Nachmittag kommen an erster Stelle die Mütter oder Väter. Um sie kümmert sich sonst niemand und sie verzichten auf vieles", verdeutlicht Susanne Kurz die Prioritäten. In ungezwungener Atmosphäre können sich die Alleinerziehenden austauschen, gegenseitig unterstützen und Solidarität erleben. Der Treffpunkt, der jeden Donnerstag von 16 bis 19 Uhr stattfindet, ist eine wirkliche Entlastung für die Eltern, der zudem auch noch Abwechslung in den Alltag bringt. Es gibt Kreativangebote und Entspannungsübungen. "Freude und Vergnügen ist wichtig", hebt Susanne Kurz hervor. So gab es vor kurzem beispielsweise den Film "About a boy", auf einer großen Leinwand zu sehen. Erzählt wird darin die Geschichte eines charmanten Faulenzers, der, um Frauen kennenzulernen, eine Selbsthilfegruppe für alleinerziehende Mütter besucht.

"Welcher Alleinerziehende kann es sich leisten, ins Kino zu gehen? Es fehlt nicht nur das Geld für den Film, sondern auch für den Babysitter", zeigt die Sozialpädagogin die Probleme auf. Bei TRAM konnten sich die Eltern bei Glühwein und Gebäck ohne schlechtes Gewissen köstlich amüsieren und anschließend auch noch an den gedeckten Tisch sitzen. Letzteres ist eine feste Größe bei TRAM. "Die Alleinerziehenden können bei uns das Essen genießen und müssen sich auch keine Gedanken über den Abwasch machen ein Luxus, den es für sie sonst nicht gibt", verdeutlicht Susanne Kurz.

Doch auch für die Kinder ist der Treffpunkt wichtig. Sie lernen Gleichaltrige kennen, die mit denselben Problemen zu kämpfen haben, beispielsweise wenn sie traurig darüber sind, dass ein Elternteil plötzlich nicht mehr da ist. "Sie spüren, dass sie nicht alleine betroffen sind", so die Leiterin.

Herz und Motor von TRAM ist Susanne Kurz. Mit Leib und Seele setzt sie sich für die Ein-Eltern-Familien ein schließlich weiß sie aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, alleinerziehend zu sein. Für eingehende Beratung hat sie bei TRAM keine Zeit, auch wenn Sätze wie "I sot di no was froga. Hosch zehn Minuta Zeit für mi" regelmäßig fallen. "Ich nehme meistens Hausaufgaben mit nach Hause, die bis zum nächsten Mal zu klären sind. So muss ich beispielsweise Kontakte mit Behörden herstellen oder klären, wo welche Hilfe zu bekommen ist", gibt sie Einglick in ihre Arbeit. Für indiviuelle Beratungen bietet sie jeden Donnerstag von 13.30 bis 15.30 Uhr im Bürgerbüro in Kirchheim, Alleenstraße 96, Sprechstunden an. Dort ist sie persönlich oder telefonisch unter der Nummer 0 70 21/97 19 45 zu erreichen. "Man kann zwar auch spontan vorbeikommen, es ist jedoch sinnvoll, vorher einen Termin zu vereinbaren", sagt die Sozialpädagogin.

In die Sprechstunde kommen meist diejenigen, die akut in die Situation des Alleinerziehenden gekommen sind. Ein großes Thema dabei ist neben der wirtschaftlichen Problematik viele Alleinerziehende sind Hartz IV-Empfänger vor allem auch der Umgang mit dem anderen Elternteil. Die Schwierigkeit besteht darin, die Beziehungsprobleme nicht auf das Kind zu übertragen. "Für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes sind beide Eltern wichtig. Wenn der Vater nicht da ist, fehlt etwas er ist ein Teil der Identität des Kindes", verdeutlicht Susanne Kurz. Dies der soeben verlassenen Ehefrau klar zu machen, ist oft keine leichte Aufgabe.

Eingebunden ist TRAM in das Netzwerk Alleinerziehend. Dies wurde 1998 von Kirchheimer Sozialarbeiterinnen gegründet mit dem Ziel, Angebote und Informationen für Alleinerziehende zu bündeln und zu erweitern. Im Netzwerk arbeiten Sozialarbeiterinnen zusammen von Diakonischer Bezirksstelle, Familien-Bildungsstätte, Pro Familia, Sozialer Dienst und Tagesmüttervermittlung im Bürgerbüro. Die beteiligten Institutionen stützen TRAM im Rahmen ihrer Möglichkeiten, doch ein großer Teil der Finanzierung ist von Spenden abhängig. Noch im Sommer drohte das Ende für den Treffpunkt.