Lokales

Bei weltlichen Themen nicht schweigen

Der neue Arbeitsplatz hat es Oliver Schütz im doppelten Sinn angetan: Nicht nur die Tätigkeit als Geschäftsführer des katholischen Dekanatsverbandes Esslingen-Nürtingen reizt ihn, auch von seinem Büro im Salemer Pfleghof in Esslingen ist Schütz begeistert.

KORNELIUS FRITZ

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ESSLINGEN Der Nachfolger von Centa Schmid ist schließlich nicht nur promovierter Theologe, sondern auch Historiker und fühlt sich in dem alten Gemäuer deswegen besonders wohl. Allzu oft will sich der 36-Jährige dort aber gar nicht aufhalten: "Ich möchte nicht zum Bürohengst werden", sagt Schütz. So oft es geht, will er sich in den Kirchengemeinden zwischen Schurwald, Fildern und Schwäbischer Alb persönlich blicken lassen. Denn als Dekanatsreferent sieht er seine Rolle als Vermittler zwischen den Gemeinden und der Diözese.

Zugleich ist Schütz auch Außenminister der katholischen Kirche in der Region. Und als solcher will er sich auch bei weltlichen Themen zu Wort melden. "Es ist Aufgabe der Kirche, sich einzumischen", sagt der zweifache Vater. Zum Beispiel bei den Sozialreformen: "Man muss aufpassen, dass Menschen nicht nur als Wirtschaftsfaktor gesehen werden", warnt er.

Auch das Leitbild der Familie ist ihm wichtig: "Wenn man sich davon entfernt, verliert die Gesellschaft ihr Zentrum", lautet seine Überzeugung. Ein fortschrittsfeindlicher Traditionalist ist Schütz aber nicht. "Tradition ist ein Schatz, den man immer wieder neu anpassen muss", sagt er. Und so hat der gebürtige Ravensburger, der zuletzt als Programmleiter des Deutschen Katholikentages in Ulm tätig war, in manchen Punkten durchaus moderne Ansichten. Zum Beispiel beim Thema Zölibat, bei dem er sich angesichts des Priestermangels eine Lockerung vorstellen könnte. Auch mit der evangelischen Kirche hat Schütz keinerlei Berührungsängste. "Wir können es uns überhaupt nicht mehr leisten, gegeneinander zu arbeiten", sagt er. In einer Zeit, in der auch die Kirche durch Austritte und Steuerrückgänge knapp bei Kasse ist, sei eine noch engere Zusammenarbeit notwendig: "Künftig wird nicht mehr jeder alles anbieten können", ist er überzeugt. Das gilt auch für die 32 Kirchengemeinden in seinem Dekanatsbezirk. Die Kassenlage sieht er als Chance, das bestehende Angebot zu überdenken und die Kräfte, wo es möglich ist, zu bündeln.

So möchte er auch die Zusammenarbeit mit in Deutschland lebenden Katholiken aus Italien oder Kroatien intensivieren. Bisher kochten die ihr eigenes Süppchen. Aus San Francisco, wo er drei Jahre studiert und als Lehrer gearbeitet hat, kennt Schütz das ganz anders: "Da haben Vietnamesen, Mexikaner und Afrikaner gemeinsam Gottesdienst gefeiert."

Eine ähnliche kulturelle Vielfalt wird es im kommenden Jahr zumindest für einige Tage auch im Kreis Esslingen geben, wenn vor dem katholischen Weltjugendtag, der im August in Köln stattfindet, 2 000 junge Leute aus aller Welt in der Region zu Gast sind. Für sie eine Unterkunft zu finden und ein Programm auf die Beine zu stellen, wird eines der großen Projekte sein, die Schütz im kommenden Jahr beschäftigen.

Zuvor muss er allerdings noch eine Bleibe für sich selbst und seine Familie finden, denn bislang pendelt der Dekanatsreferent noch täglich von Ulm nach Esslingen.