Lokales

Beifallsstürme für Südtiroler "Musikantenkönig"

Mit dem Südtiroler Volksmusiksänger Rudy Giovannini war ein Großer der volkstümlichen Musikszene zu Gast in Jesingen. Sein Auftritt war vom Fanclub Neckar-Alb organisiert worden. Mit den Aufführungen des Musikvereins Jesingen und des bayerischen Alleinunterhalters "Erhard" bekamen die zahlreichen Gäste ein buntes musikalisches Programm geboten.

RAINER STEPHAN

Anzeige

KIRCHHEIM Die Fanclub-Vorsitzende Marietta Reiß begrüßte die vielen Gäste in der Gemeindehalle und freute sich, mit dem Alleinunterhalter und der Blaskapelle ein qualitativ gutes Vorprogramm zur Mittagszeit anbieten zu können. Der Kapelle war die frische Lust am Spielen nach der langen Sommerpause besonders bei den Polkas anzumerken. Thomas Allmendinger moderierte vortrefflich und stellte die Musikstücke vor. Zu Beifallsstürmen kam es bei der Löffelpolka, als Solist "Mario" sein Können mit den Löffeln eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Gegen 15 Uhr betrat der Star des Nachmittags die Bühne. Mit dem Lied "Lasst uns die Feste feiern wie sie fallen" zog Rudy Giovannini die Zuhörer in seinen Bann. Bei seinem zweiten Lied "Ein Herz voll Liebe", das ihm beim Wettbewerb um die Hymne Südtirols den ersten Platz einbrachte, schwärmte er vom "schönsten Land der Welt".

Professionalität gepaart mit Natürlichkeit kennzeichneten seinen Umgang mit dem Publikum. Singend spazierte er zwischen den Tischreihen hin und her und animierte die Fans zum Mitmachen und das ohne jedes gestelzte Gebaren. Bei "Napolitella" durfte sogar mit ihm auf der Bühne getanzt werden.

Dass Rudy Giovannini aktuell zur ersten Garnitur in der Volksmusik zählt, konnte er durch seine Wahl zum Musikantenkönig beim Mitteldeutschen Rundfunk im August 2005 mit der Melodie "Spiel noch einmal unser Lied" beweisen.

Die nicht ganz optimale Gesangsanlage in der Halle war sicher nicht der Grund für den Tenor, hin und wieder "a cappella" zu singen. Mit "Santa Lucia" übte er auch ohne Begleitung die "Lufthoheit" in der Jesinger Halle aus und erntete dieselben Beifallsstürme, wie kürzlich vor 8000 Zuhörern auf der Loreley.

In der Pause gab der Sänger gerne Autogramme und bereitwillig Auskünfte. Der aus Leifers im Südtiroler Unterland stammende Tenor wurde von "Maestro" Arrigo Pola in Modena unterrichtet, bei dem schon Luciano Pavarotti seine Stimme perfektionierte. Bis zu seinem Durchbruch im Jahr 2000, wo er beim Grand Prix der Volkmusik auf Anhieb den dritten Platz belegte, sang er auch im Kirchenchor, bei einer Rockband sowie bei Operetten und in Musicals mit.

Frauen und Müttern beide sicherlich mit die treuesten Fangruppen galt stets seine besondere Aufmerksamkeit. Ihnen widmete er die Lieder "Mama Rosa" und "Mia bella Schwiegermama". Parallel zum Singen wagte er sogar ein Tète-a-tète mit der Schwiegermutter und suchte eine junge Mutter auf, deren vier Wochen alte Tochter als jüngster Fan in der Halle dabei war.

Die Halle war bunt dekoriert mit Fahnen und Tischflaggen verschiedener Fanclubs. Selbst aus Friedrichshafen und Thüringen hatten sich Anhänger eingefunden, die ihrem Idol Rosen und Blumensträuße überreichten.

Interessant war die Bandbreite des vorgetragenen Liedguts. Neben klassischer Volkmusik intonierte Giovannini gekonnt Liedklassiker wie "Spanish Eyes", den Gefangenen-Chor aus "Nabucco" und "Ach ich hab in meinem Herzen". Auch ein ihm vom Duo "Judith und Mel" vermachtes Stück zeugte von seiner Vielfältigkeit und den guten Kontakten zu anderen Volksmusikern. Mit dem "Gesundheitslied" so vom Sänger selber apostrophiert setzte er gar die Besucher zu einer Polonaise durch die Halle in Marsch.

Mit seinem Können hat der Interpret bereits "höhere Instanzen" beeindruckt: Als Vertreter Südtirols durfte er im Dezember 2002 bei der weltweit im Fernsehen übertragenen Weihnachtsaudienz des Papstes in Rom "Oh du Fröhliche" singen.

Dass Rudy Giovannini sich in die Herzen des Publikums gesungen hat, belegten die stürmischen Beifallsrufe nach Zugaben. Der Sänger zeigte sich dankbar und entgegenkommend zugleich. Die insgesamt sieben zusätzlichen Lieder sprechen eine Sprache für sich. Bei so viel Begeisterung ist es verständlich, dass der Rudy Giovannini Fanclub Neckar-Alb im nächsten Jahr ein weiteres Konzert veranstalten möchte. Die rundum gelungene Veranstaltung in Jesingen untermauert dieses Ansinnen.