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Beim Formationsflug hapert es gewaltig

Es hört sich an wie die Geschichte der zwei Königskinder, die zueinander nicht finden können. Die Kluft scheint zu groß zu sein. Dabei wollen beide das Gleiche: den "Status quo" auf der Hahnweide erhalten. Doch die Wege dorthin unterscheiden sich sehr.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Sowohl die Flieger auf der Hahnweide als auch die Interessengemeinschaft Fluglärm Hahnweide wollen den "Status quo" erhalten. Doch genau hier steckt der Teufel im Detail, beißt sich die Katze in den Schwanz, drehen sich Segelflieger und Sonderlandeplatzgegner im Kreis und kommen nicht zusammen. Für die Bürgerinitiative bedeutet "Status quo" eine verbindliche öffentlich-rechtliche Festschreibung der Flugbewegungen und der absoluten Zahl der auf der Hahnweide zugelassenen motorgetriebenen Flugzeuge mit Stand 2005. Die Interessengemeinschaft stellt klar, dass sie mit dem "Status quo" nicht den Zustand meint, der in der Vergangenheit geherrscht und der die Zunahme des Motorflugbetriebs zugelassen habe. "Eine weitere Zunahme des Motorflugbetriebs auf der Hahnweide über den Stand von 2005 hinaus darf es nicht geben".

Dieses Ziel will die Interessengemeinschaft aber nicht über die Umwidmung zum Sonderlandeplatz erreichen, sondern sie will vom Regierungspräsidium eine verbindliche Aussage, "unter welchen konkreten Rahmenbedingungen für den Motorflugsport der Status als Segelfluggelände erhalten bleiben kann". Das heißt, wie viele Motorflugzeuge sind für die Luftfahrtbehörde auf einem Segelflugplatz tragbar? Die Bürgerinitiative möchte auch diese mögliche Variante kennen, "statt nur einseitig auf die Genehmigung als Sonderlandeplatz abzuzielen", wie ihr Sprecher Helmut Marksteiner aus Reudern sagte.

Seine Vision am Vortag des Heiligen Abends ist deshalb ein gemeinsamer runder Tisch mit Vertretern der Hahnweidnutzergruppen, der Interessengemeinschaft "und, wenn machbar, der Städte Kirchheim und Nürtingen" mit der Stoßrichtung, das Regierungspräsidium in einem gemeinsamen Schreiben eben zur Beantwortung obiger Frage zu bewegen. "Wenn die uns genannten Bedingungen akzeptabel für alle Seiten sind und somit ein fairer Interessenausgleich möglich ist, wären wir alle Gewinner des Verfahrens", so Helmut Marksteiner.

Sowohl der Baden-Württembergische Luftfahrtverband (BWLV), der den Antrag auf Umwidmung stellte, als auch die Hahnweidflieger verweisen einmal mehr auf den Vertrag zwischen der Stadt Kirchheim als Eigentümerin und dem BWLV als dem Pächter des Segelfluggeländes. Er beinhaltet Anzahl und Kennung der Segelflugzeuge mit Flautenschieber, Motorsegler, Ultraleichte und Motorflugzeuge, die auf der Hahnweide starten und landen dürfen.

Luftfahrtverband und Stadt gehen davon aus, dass diese Vereinbarung in die Genehmigung des Sonderlandeplatzes aufgenommen wird und somit öffentlich-rechtliche Gültigkeit erlangt. "Damit wird die Nutzung durch Motorflieger klar definiert und eingeschränkt", ist sich Hans Puskeiler, Vorsitzender der Fliegergruppe Wolf Hirth und der Hahnweidnutzergruppen, sicher, den richtigen Weg beschritten zu haben.

Puskeiler bedauert, dass "die Zielsetzung bei den Sonderlandeplatzgegnern inzwischen leider eine andere ist". Dabei verweist er auf ein Gespräch mit Helmut Marksteiner. Der habe ihm die Position der Interessengemeinschaft kommentierend mitgeteilt, dass er mit der "Status quo"-Regelung nicht einverstanden sei: "Mir ist da einfach zu viel Motorflugbetrieb". Der Sprecher der Sonderlandeplatzgegner wollte, dass die Stadt Kirchheim, Schempp-Hirth, die Fliegergruppe Wolf Hirth und der BWLV gemeinsam mit der Initiativgruppe in einem Brief an das Regierungspräsidium "die rechtswidrige Praxis der Landesluftfahrtbehörde in den letzten zwanzig Jahren" angehe mit dem Ziel, die Hahnweide als Segelfluggelände zu erhalten und die Motorflugbewegungen einzuschränken. Sollten die Flieger hierbei nicht mitmachen, so habe Helmut Marksteiner mit einer "Feststellungsklage" gedroht.

"Unter diesen Voraussetzungen gibt es bei uns keinen Gesprächsbedarf", stellt Hans Puskeiler fest. Und Siegmund Maier, der vom BWLV beauftragte "Moderator" der Umwidmung ergänzt: "Das ist keine Ebene, auf der wir uns unterhalten können." Dennoch will BWLV-Geschäftsführer Klaus Michael Hallmayer die Türen nicht ganz zuschlagen. "Wir reden mit allen, die mit uns den "Status quo" erhalten wollen. Unser Antrag zur Umwidmung des Segelfluggeländes dient genau diesem Ziel, nicht mehr Motorflug auf die Hahnweide zu bringen".