Lokales

Beim Kauf einer Unterhose Gesundheitstipp gratis

KIRCHHEIM

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Jeden ersten Montag im Monat treffen sich Händler aus der Umgebung und "marktschreien" um die Wette. Gestern war

ALEXANDRA BOGER

es wieder so weit. Pailletten auf rosa bauchfreien Tops neben geblümten Kittelschürzen, dazwischen ein kleiner Karton, in dem Miniatur-Smarts ihre Runden drehen und hupend jedesmal die Türen öffnen, sobald sie an die Bande stoßen der Monatsmarkt im Kirchheims Stadtzentrum ist nicht nur Einkauf, sondern Erlebnis.

Wo sonst bekommt man zur Unterhose noch Gesundheitstipps wie: "nicht Rauchen, nicht Saufen Unterhosen kaufen". So wirbt der "Schlüpferkönig" für seine Ware und hat als Blickfang eine überdimensionale Unterhose an seinem Verkaufszelt.

Auch der Nachbar verkauft Unterwäsche, doch eher für die jüngere Generation. Die Ursache für den lauen Umsatz an diesem Tag sieht Cemal Alpaslan darin, dass die Leute nicht mehr so viel Geld haben, aber "Tangas braucht man immer", so der Geschäftsmann.

Neben Multifunktionsreiben gibt es auch viel Multikulturelles: Da steht Spielzeug aus Fernost neben Jesus-Wechselbildern, während gegenüber "niederbayrisches Schwoazgseichts" verkauft wird und bei "Wollust" noch immer die gestrickte Version der Deutschlandfahne hängt. Es gibt Schuhe und Süßigkeiten, Make-up, Schmuck und Selbstgemachtes.

Neben Marktklassikern wie Instant-Suppe, Backfolie und Wunderwaschpaste gibt es auch immer wieder Neuheiten wie "indische Waschnüsse", die wohl nicht nur sauber machen, sondern auch Pflanzen düngen und Schädlinge vertreiben. Lautstarke Werbung gibt es auch für das "kleinste ferngesteuerte Auto der Welt", das seine Garage in einem Kugelschreiber hat, der gleichzeitig Bedienung ist.

Auch wenn das Klientel im Alter ab 50 ist, gibt es Angebote für die Kleinen wie T-Shirts mit Aufdrucken wie: "Was es auch ist, ich war's nicht" und "wenn Mama und Papa 'Nein' sagen, frag ich Oma und Opa". Für die Großen darf es auch eine Flasche "Papst-Bier" sein, deren Hals das Konterfei von Benedikt XVI. ziert in blau-weißen Rauten gerahmt.

Typisch für den Markt sind auch Kurzwarenstände wie den unter dem Namen "Xaver Regele", nach seinem blinden Gründer benannt, der schon vor 40 Jahren mit Bürsten und Besen von Stuttgart zum Kirchheimer Markt kam. Heute gibt es dort auch Hosenträger, Nadeln, Gürtel und "Tubenausdrückhilfen".

Auf keinem Markt fehlen darf der Gemüsehobel mit Schneidaufsätzen für jede Rohkostdicke, -breite und -form. Emma Richard kommt mit ihrem Küchenwerkzeug seit 34 Jahren nach Kirchheim, das 1956 als Holzbrett mit ein paar Klingen konzipiert wurde. "In dera Zeit hen mr scho zentnerweis Gmias ghobelt", meint die Marktfrau. Heute gibt es den Hobel in 18 Ausführungen. An Kirchheim schätzt "Emma von dr Alb ra", wie sie sich nennt, die Bürger. Sie kennt ihre Kundschaft und ist mit vielen per Du.

Guiseppe Angeletti aus Balingen verkauft seit 35 Jahren Pfannen und Töpfe. Er selbst kocht sehr gern: Dampfnudeln und Spaghetti, aber am liebsten Fisch und das auch nur in seinen Pfannen. "Ich weiß, dass es nichts Besseres gibt", meint der Italiener.