Lokales

Beim Klimaschutz sind Wirtschaft und Gesellschaft auch lokal gefordert

Global denken und lokal handeln Schlagworte, die dieser Tage vor dem Hintergrund des Weltklimagipfels in Bali in den Medien kursieren und die Klimakrise ins Bewusstsein rücken. In Dettingen stellte die SPD-Bundestagsfraktion nun gemeinsam mit ihrem Ortsverein die Frage, welchen Anforderungen der Klimaschutz genügen muss, um den Klimawandel zu stoppen.

DANIELA HAUSSMANN

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DETTINGEN In seiner Eröffnungsrede rückte Rainer Arnold Konflikte ins Bewusstsein, die erst noch kommen werden. Für den verteidigungspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion bestehen nicht von der Hand zu weisende Gemeinsamkeiten zwischen der Klima- und Verteidigungspolitik. Der oscarprämierte Film des ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten Al Gore "Eine unbequeme Wahrheit" zeigte anschaulich auf, was Arnold meinte.

Im Zuge des Klimawandels wird es nicht einfach wärmer, hier und da feuchter, die Welt Schritt für Schritt unwirtlicher. Wenn die Bewirtschaftung der Ressourcen auf dem eingeschlagenen Weg, mit dem eingeschlagenen Tempo weitergeht, wird nicht nur die Natur verheizt werden. Es wird zu einer Knappheit beispielsweise an Wasser oder Nahrungsmitteln kommen. Ob die daraus entstehenden Konflikte um Eigentumsrechte und Wohlstandsverteilung kriegerisch oder friedlich definiert werden, ist eine Herausforderung, der sich die Politik, laut Arnold, stellen muss. Denn ein Krieg käme weltweit die Menschen und die Volkswirtschaften teuer zu stehen.

Bali ist aus Sicht des sozialdemokratischen Politikers die letzte Chance nach Kyoto, eine Lösung zu finden, der sich die Industriestaaten verpflichtet fühlen. Maßnahmen gegen den Klimaschutz dürften dabei nicht allein auf dem Rücken der Schwellen- und Entwicklungsländer ausgetragen werden. Für den Abgeordneten tagt in Bali nicht allein der Klimarat, sondern auch ein Weltwirtschaftsgipfel.

Im Klimawandel steckt für Rainer Arnold auch enormes wirtschaftliches Potenzial. "Die Bundesrepublik hat mehr als 200 000 neue Arbeitsplätze geschaffen, allein durch das energetische Gebäudesanierungsprogramm. Dazu kommen rund 80 000 neue Jobs im Bereich Windenergie", machte Arnold deutlich. Hinzu kommen weitere etwa 40 000 neu geschaffene Stellen in den damit zusammenhängenden peripheren Bereichen wie dem Anlagenbau.

Dass ein Prozess des Umdenkens stattgefunden hat, bestätigte bei der Podiumsdiskussion auch Bernd Söllner von der lokalen Agenda 21 in Kirchheim. "Der Mainstream geht weg von Öl und Gas. Grund sind nicht allein der CO2-Ausstoß und die Klimaproblematik, sondern auch die steigenden Energiepreise", so der Versorgungsingenieur, für den beim Klimaschutz oft die Gewohnheit eine Hürde hin zur klimaschutzorientierten Handlungsweise darstellte.

"Weshalb soll man ein kleines Auto fahren, wenn man sich ein großes leisten kann", fragte er. "Das kann übertragen werden auf die Wärmedämmung beim Haus, das gilt bei der Standby-Schaltung beim Fernseher und in vielen anderen Bereichen. Daneben existiert aber auch die Aufbruchstimmung, die ich bei meiner Arbeit wahrnehme." Gesetzliche Regelungen als Steuerungsmechanismus haben laut Söllner vor allem im Bereich Photovoltaik eine Initialzündung bei den Menschen ausgelöst. Auch das baden-württembergische Wärmegesetz, nach dem bei Neubauten 20 Prozent regenerative Energien eingesetzt werden sollten, und das vorsehe, dass ab 2011 auch für Altbauten bei Heizungssanierungen der Anteil der erneuerbaren Energien mindestens zehn Prozent ausmachen solle, stellte für Söllner einen wichtigen Schritt dar. Bedauerlich fand er, dass in Baden-Württemberg diesem Gesetz alle Parteien außer der SPD ihre Zustimmung gaben. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass steuernde Eingriffe der Politik das eine seien, sich aber momentan mit den steigenden Energiepreisen beim Verbraucher vieles von selbst regele. Ein Hemmnis sah Söllner vor allem in den wechselnden Höhen von Förderungen für den klimaschutz-engagierten Bürger, der sein Haus dämmen, eine moderne Heizung einbauen oder Ökostrom nutzen soll.

Für Mirko Krück von der EnBW Karlsruhe stand fest, dass Deutschland die gesetzten Klimaziele, eine Minderung der Klimagase bis 2020 um 40 Prozent, nicht erreichen werde, ohne über die Kernenergie nachzudenken. Würde die Diskussion um die Kernenergie so weitergeführt, wie politisch gewollt, dann spreche man deutschlandweit von zusätzlich 142 Millionen Tonnen CO2.

Der viertgrößte Energiekonzern der BRD unternehme angesichts der klimapolitischen Zielsetzungen viel. "Wir sind dabei, eine Gesellschaft zu gründen, die sich um den Be- und Vertrieb erneuerbarer Energien kümmern wird", so der Konzernbevollmächtigte. "Wir haben den Aufbau dezentraler Energieversorgungssysteme anvisiert. Darüber hinaus sind wir dabei, ein Kompetenzzentrum für Energieeffizienz zu gründen, das sich damit befasst, Energieeffizienz im Industrie- und Haushaltskundenbereich, aber auch im kommunalen Bereich zu vermarkten." Ein Geschäftsfeld, in das der Konzern nachhaltig vorstoßen wolle. "Dabei wird es auch darum gehen, Betrieben mit einem Wissensmanagementkonzept im Feld der Energieeffizienz zu beraten", sagte Krück.

Noch am selben Abend wurde in den Reihen der Anwesenden die Forderung laut, auch auf dem Dach der Schlossberghalle eine Solaranlage zu installieren und so zum Klimaschutz beizutragen. Ein Vorschlag, den die Dettinger SPD im Gemeinderat aufgreifen möchte.