Lokales

Beim Pikieren zeigt sich die Belastbarkeit

Das Christliche Jugenddorf (CJD) Hohenreisach bietet jungen Menschen mit Lernbehinderung Chancen, schulische Defizite nachzuholen und auf dem Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsmarkt unterzukommen. Darüber informierte das CJD am Samstag umfassend, im Rahmen eines Tags der offenen Tür.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) absolvieren derzeit 23 Jugendliche im Hohenreisach, die auch im CJD wohnen. Hinzu kommen 18 Jugendliche, die die Sonderberufsfachschule besuchen und täglich pendeln wie andere Schüler eben auch. Unter bestimmten Voraussetzungen können sie sogar den Hauptschul-Abschluss nachholen. Außerdem bietet das CJD auch Ausbildungsmöglichkeiten für Gartenbaufachwerker im Zierpflanzenbau sowie für Bau- und Metallmaler. In den beiden Schulungsmaßnahmen, die der eigentlichen Ausbildung vorgeschaltet sind, können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusätzlich noch die Berufsfelder Hauswirtschaft und Metallbearbeitung kennenlernen.

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Zu jeder Maßnahme, die das CJD Hohenreisach in Kirchheim anbietet, gehören auch Praktika. Die Jugendlichen sollen dadurch sehen, "wie es draußen abläuft", erläutert der örtliche Leiter Werner Scheufele. Im CJD dagegen laufen manche Dinge auch bewusst anders ab. Ein Beispiel dafür sind die Gewächshäuser, in denen nicht automatisch bewässert wird. Vielmehr ist es die Aufgabe der Auszubildenden, die Pflanzen ausreichend mit Wasser zuversorgen. Dadurch lernen sie, Verantwortung zu übernehmen vor allem auch beim Wochenenddienst im Gewächshaus.

Um Grundfertigkeiten, die völlig unabhängig vom jeweiligen Berufszweig beherrscht werden sollten, geht es auch bei anderen gärtnerischen Tätigkeiten, etwa beim Pikieren. "Ein Kistchen bringen alle hin", erzählt Werner Scheufele. "Danach können wir aber die Belastbarkeit testen und sehen, wer wie lange durchhält." Die Bedeutung des Durchhaltens betont auch Jugenddorfleiter Harald Gerharth: Ob in der Werkstatt oder beim gemeinsamen Leben es gelte eben durchzuhalten, sich auch kritisieren lassen zu können und nicht gleich davonzulaufen. Einer der Gründe, warum es im Wohnheim keine Einzelzimmer gibt, besteht deshalb darin, dass die Jugendlichen lernen, sich mit bestimmten Situationen einfach auseinandersetzen zu müssen.

Mit einer Lage, die zunehmend schwieriger wird, müssen aber auch die Verantwortlichen selbst zurechtkommen. "2003 hatten wir einen gewaltigen Einbruch", berichtet Harald Gerharth, "die BvB-Maßnahmen wurden uns von 65 Teilnehmern auf unter 30 gekürzt. Das hat damals zu Entlassungen geführt." Gerharth geht es aber auch ganz wesentlich um die Verantwortung, die Politik und Gesellschaft gerade für Menschen mit Behinderungen haben. Die Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten durch die Agentur für Arbeit sollten folglich nicht noch weiter zurückgefahren werden, fordert er nachdrücklich.

Um sich noch stärker für die Bildung und Ausbildung Jugendlicher einsetzen zu können, ist das Christliche Jugenddorfwerk Partner des UN-Kinderhilfswerks bei der Unicef-Kampagne "Deine Mark macht Schule". Dabei sollen möglichst viele der über 14 MilliardenD-Mark, die fünf Jahre nach Einführung des Euro immer noch nicht umgetauscht wurden, gespendet werden. Die Hälfte der Gesamtsumme fließt über Unicef an weltweite Bildungsprojekte. Die andere Hälfte setzt das Christliche Jugenddorfwerk für deutsche Schulen, Ausbildungsbetriebe und für die Deutsche Schulsportstiftung ein. Zu gewinnen gibt es für die Spender einzigartige Preise, durch die sie Prominente aus Politik, Sport, Unterhaltung treffen und begleiten können. Weitere Informationen zur Kampagne sind im Internet unter der Adresse www.deine-mark.de erhältlich.