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Beim Segen für Ratzinger "so rot geworden wie sein Käpple"

"Papst Benedikt XVI." das klingt noch sehr gewöhnungsbedürftig. Und doch gibt es eine große Zahl an Kommentatoren, die glauben, den "Neuen" auf dem Stuhl Petri bereits genau einschätzen zu können. Einer, der ihn dagegen von mehreren privaten Begegnungen her kennt, ist der Weilheimer Pfarrer Hermann Ehrensperger.

ANDREAS VOLZ

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WEILHEIM Als junger Student hat Hermann Ehrensperger vor über 20 Jahren "ein Auswärtsjahr" in Rom verbracht. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Aber er habe es "geschafft, im ,Collegio teutonico' zu wohnen und das war der Schlüssel". Joseph Ratzinger war noch nicht lange zum Kurienkardinal berufen worden und hatte anfänglich ebenfalls im deutschen Kolleg gewohnt.

So bekam der Student Hermann Ehrensperger Kontakt zum damaligen Präfekten der Glaubenskongregation. Mit dessen Schwester und langjähriger Haushälterin, die mittlerweile verstorben ist, war Ehrensperger einmal in Rom unterwegs, um einen Staubsauger für Ratzingers neues Domizil zu kaufen. Aus dieser "barock-bayerischen Wohnung" wird der bisherige Kardinal als Benedikt XVI. in absehbarer Zeit in die päpstlichen Gemächer übersiedeln.

Im Juli 1987 hatte Hermann Ehrensperger seine eindrücklichste Begegnung mit dem heutigen Papst. Gleich nach der Priesterweihe war er damals "nach Rom gepilgert" und nahm an einer Messe mit dem Kurienkardinal teil. Zu seiner Überraschung bat ihn der hochrangige Geistliche danach um den Primizsegen. "Das ist was Besonderes: der erste Segen, den ein frisch geweihter Priester erteilt." Normalerweise geschehe das irgendwo in der Heimat, führt der Weilheimer Pfarrer weiter aus. Dann erzählt er, wie er dem Kardinal vor nahezu 18 Jahren die Hand auflegte: "Ich bin so rot geworden wie sein Käpple."

Auch nördlich der Alpen hat Ehrensperger den neuen Papst schon einmal getroffen in Regensburg bei dessen älterem Bruder Georg. Nach dem Knödelessen hat er den Kardinal nach Hause chauffiert, weil Benedikt XVI. noch nie einen Führerschein besessen hat.

Gestern hat Ehrensperger die Schaukästen vor der Weilheimer Franziskuskirche mit Bildern von seinen verschiedenen Ratzinger-Begegnungen "vollgepflastert". Aber auch inhaltlich hat er sich bereits mit dem beginnenden Pontifikat Benedikts XVI. befasst: "Ich bin erstaunt, wie schnell es gegangen ist, sich auf eine Zweidrittelmehrheit zu einigen. Aber es war halt kein anderer da. Er ist sicher der intelligenteste Kopf, den es gibt." Die häufig geäußerten Befürchtungen wegen der konservativen Kontinuität im Vatikan teilt Ehrensperger nicht: "Aus der Geschichte weiß man, dass alle Päpste sich geändert haben. Er ist jetzt nicht mehr Chef der Glaubenskongregation, sondern ein Papst für alle. Der Name Benedikt deutet darauf hin, dass er sich als Friedenspapst versteht."

Ganz realistisch schätzt der Weilheimer Pfarrer den neuen Papst tatsächlich als den "älteren Übergangspapst" ein, als der er schon vor der Wahl bezeichnet wurde. Dennoch glaubt Hermann Ehrensperger, dass Benedikt XVI. "den Laden innerhalb reformieren wird". Er werde "Ruhe reinbringen" und auch nach außen hin nicht so ein "Wirbelwind" sein wie Johannes Paul II. zu Beginn seiner Amtszeit.