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Beim Weg in die Zukunft den demografischen Wandel fest im Blick

Mit Tatendrang und klaren Vorstellungen präsentierte Lenningens Bürgermeister Schlecht den Haushaltsplan 2007 in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Die Wählervereinigungen haben nun bis zum 16. Januar die Möglichkeit, sich mit dem Zahlenwerk auseinanderzusetzen.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Sorgte im vergangenen Jahr die "junge Dame Lenningen", die durch den Haushaltsplan führte, für Aufsehen, wandelte Bürgermeister Schlecht bei seiner halbstündigen Haushaltsrede heuer auf gewohnten Pfaden. "Wir müssen, bei allem finanziellen Verantwortungsbewusstsein, lernen, dass wir nicht nur Kosten sehen, wo wir Freiwilligkeit hören sondern dass wir dabei auch die langfristigen Chancen erkennen und eine Vision für unsere Gemeinde vor Augen haben", stimmte der Schultes die Gemeinderäte auf den Haushaltsplan ein und sprach von verhaltenem Optimismus.

Michael Schlecht befürchtet, dass das Ziel der Landesregierung, ab 2011 keine Neuverschuldung mehr betreiben zu wollen, zu noch weit größeren Eingriffen in die kommunalen Finanzen führen wird. Lenningen liegt mit einer Steuerkraftsumme von rund 660 Euro pro Einwohner weit unter dem Landesdurchschnitt, der bei 860 Euro steht. Allerdings hat Lenningen eine Rücklage von rund 10 Millionen Euro.

Der Haushaltsplanentwurf 2007 hat ein Gesamtvolumen von knapp 16 Millionen Euro, dabei entfallen auf den Verwaltungshaushalt knapp 12,5 Millionen Euro, auf den Vermögenshaushalt rund 3,5 Millionen Euro. "Zur Finanzierung des Vermögenshaushalts trägt neben einer Rücklagenentnahme in Höhe von rund 1,45 Millionen Euro eine Zuführungsrate von knapp 83 000 Euro bei. Diese Zuführungsrate könnte zwar grundsätzlich deutlich höher ausfallen. Ich schlage jedoch aufgrund der finanziellen Möglichkeiten im Jahr 2007 vor, der Gebäudeunterhaltung eine ausdrücklich hohe Priorität zukommen zu lassen", so Michael Schlecht. Über 900 000 Euro sollen zur Verfügung stehen für die Sanierung des Sporthallendachs, der Friedhofshallen in Brucken, Oberlenningen und Gutenberg sowie für Kindergärten und Schulgebäude.

"Mit Blick auf die demografische Entwicklung müssen wir zwar auch mit solider Vernunft aber vor allem mit Mut und Fantasie vorgehen, um das Miteinander der Generationen angenehmer gestalten zu können. Dazu zählt neben den Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten die Schaffung attraktiver Wohnmöglichkeiten sowie eine weiterentwickelte Infrastruktur", erklärte der Schultes. Die Gemeinde Lenningen investiert große Beträge in die Schulen, beispielsweise in den Ganztagsbereich oder die Erweiterung der Oberlenninger Grundschule.

"Wie organisieren wir das soziale Miteinander in den nächsten Jahren? Wie gehen wir damit um, dass wir immer älter werden und dies kurioserweise als Problem und nicht als Erfolg sehen?", gab Michael Schlecht zu bedenken. Es sei ein vielgepflegter Irrtum, dass ältere Mitbürger nicht mehr viel leisten könnten oder würden. "Das Gegenteil ist der Fall und das Lenninger Netz sowie andere Vereine beweisen dies", so seine Erfahrung. Mit dem Anspruch, eine familienfreundliche Kommune für Jung und Alt bleiben zu wollen, schlägt der Rathauschef vor, Mittel für eine "Zukunftswerkstatt familienfreundliche Kommune" bereitzustellen. "Ein wichtiger Punkt ist das gleichwertige Bemühen durch die Gemeinde. Den Anstrengungen im Kindergarten- und Schulbereich stehen daher die Bestrebungen bei der Seniorenbetreuung gegenüber", so der Schultes weiter.

Michael Schlecht betrat in seiner Rede auch neues Terrain: Er will eine Fachanalyse zum Mehrtages-Tourismus der Gemeinde erstellen lassen. "Vor allem mit Blick auf ein Biosphärengebiet Schwäbische Alb sind darin Chancen für Lenningen zu erkennen", so Michael Schlecht. Er ist der Ansicht, dass sanfter Tourismus Arbeitsplätze schaffen kann. "Mir geht es nicht darum, billigen Tourismus anzulocken, sondern das Potenzial unserer Gemeinde zu überprüfen", führte er weiter aus.

Um zum Wohle der Bürger den Aufgaben insbesondere bei der Landschafts- und Grünflächenpflege nachkommen zu können, möchte der Schultes die vakante Stelle beim Bauhof wieder besetzen.

Damit sich die Ortsmitte mit Leben füllt, regte Michael Schlecht an, beim Julius-von-Jan-Platz einen Kleinkinder-Spielplatz anzulegen. "In unmittelbarer Nachbarschaft zu Kirche, Gemeindehaus und neuer Senioren-Wohnanlage würde ein Spielplatz das Miteinander der Generationen gut versinnbildlichen", begründete er seine Überlegungen. Zudem schwebt ihm ein noch viel größeres Projekt vor: ein Spielplatz-Highlight im Buch in Unterlenningen für die gesamte Gemeinde. "Große Spielplätze werden gezielt von Familien angesteuert und somit zu einem Kommunikationstreffpunkt für viele", so Michael Schlecht. Da aus der Spielplatzfläche in der Breitensteinstraße eine Wohnbaufläche werden wird, soll mit dem Erlös der Bauplätze in Höhe von rund 150 000 Euro der "Super-Spielplatz" finanziert werden.

Den Wunsch einiger Vereine nach einer "Ballspielhalle" kann der Schultes gut nachvollziehen, gleichwohl stellt sich für ihn die Frage, ob aufgrund der demografischen Entwicklung ein solches Vorhaben sinnvoll ist. "Ich schlage daher zur Beratung über die Sportstättenentwicklung eine Klausur von Gemeinderat und Verwaltung mit Beteiligung von Vereins- und Schulvertretern vor", so Michael Schlecht.

Ihm ist es wichtig, rechtzeitig die Weichen für die Zukunft zu stellen, da sie sämtliche kommunale Bereiche betreffen Kindergärten, Schulen, Vereine, Wirtschaft, Miteinander. "Um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern, ist es vor allem notwendig, dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen und rechtzeitig auf veränderte Situationen reagieren", sagte der Schultes. Lenningen hebe sich diesbezüglich jetzt schon von vielen Städten und Gemeinden ab, gab er sich selbstbewusst.

Die Arbeit in diese Richtung hört nie auf. "Ich halte es nach wie vor für notwendig, dass wir weiterhin versuchen, die Ortskerne unserer Teilorte zu stärken und diese attraktiver und lebenswerter zu machen", gibt Bürgermeister Michael Schlecht die Richtung vor.