Lokales

Bekanntschaft mit Afghanistan

Einwöchige Foto-Ausstellung im Schlossgymnasium zeigt die Facetten des Landes am Hindukusch

Armut, Anschläge und militärische Einsätze prägen hierzulande das Bild von Afghanistan. Eine von der Bundesregierung unterstützte Wanderausstellung will die „unbekannten Gesichter“ des Vielvölkerstaats zeigen. Die Aufnahmen des Fotojournalisten Helmut R. Schulze rücken die Menschen und das Land in den Vordergrund.

tobias Flegel

Kirchheim. Lächelnd blickt das Mädchen mit seinen hellbraunen Augen dem Betrachter ins Gesicht. Es wirkt fröhlich – obwohl es in einem der ärmsten und vielleicht gefährlichsten Länder der Welt lebt. Wie vielfältig die Gesichter ihrer Heimat Afghanistan sind, zeigen die Aufnahmen des Fotojournalisten Helmut R. Schulze, die bis Samstag im ersten Stock des Schlossgymnasiums zu sehen sind.

Mit scharfem Auge und durch mutigen Einsatz hat der 80-Jährige die Menschen und ihr Land eingefangen. Sieben Mal ist er seit 2002 nach Afghanistan gereist, hat mit einem nicht geländetauglichen Fahrzeug Flüsse auf Planken überquert und sich aus dem Helikopter gehängt, um seine Bilder zu schießen. Rund 10 000 Fotos sind dabei entstanden und davon hat Schulze die 130 besten ausgewählt. Unterstützt von der Bundesregierung sind die Aufnahmen seit Mai letzten Jahres in rund fünfzig Städten gezeigt worden. Ziel ist, das „unbekannte Bild“ eines Landes zu zeigen, das vom Krieg gezeichnet ist, dessen Bewohner aber die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht aufgeben.

Der Bundestagsabgeordnete Rainer Arnold hat sich dafür eingesetzt, dass die Wanderausstellung nach Kirchheim kommt. Schulzes Fotos sieht er als eine gute Möglichkeit, ein „einseitiges Bild“ von Afghanistan zu korrigieren. „Es herrscht dort nicht von Norden bis Süden Krieg“, sagte Arnold bei einem Pressegespräch vor der Ausstellungseröffnung. Der Osten und Süden des Landes stecke aber noch in einer schwierigen Situation. Eine wichtige Rolle spiele Afghanistan durch seine geografische Lage: „Wenn die Verhältnisse nicht stabilisiert werden, dann fällt die ganze Region in einen Strudel“, sagte Rainer Arnold.

Für den SPD-Politiker sind die Bilder ein wirksames Instrument, um Vorurteile abzubauen. „Afghanistan ist kein rückständiges Land.“ Die Menschen hätten die gleichen Bedürfnisse wie überall auf der Welt: „Es geht um Essen, ein Dach über dem Kopf und Sicherheit für die Kinder.“ Arnold weiß, wovon er spricht: Als verteidigungspolitischer Sprecher fliegt er ein bis zwei Mal pro Jahr an den Hindukusch.

Auch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker sieht Informationsbedarf beim Thema Afghanistan. Dass die Fotos ein anderes Bild von dem Land in die Schule tragen, freut sie. Deshalb habe sie Rainer Arnold sofort bei der Suche nach einem Ausstellungsort geholfen. „Wir verteidigen in Afghanistan die Freiheit, aber auch die Menschlichkeit“, sagte die Oberbürgermeisterin. Dass Deutschland diese Aufgabe mit übernehme, sei eine Frage der historischen Verantwortung.

Die Leiterin des Schlossgymnasiums, Lucia Heffner, betrachtet die Fotografien als Erweiterung zum Unterricht. Zwar befassen sich die Schüler in der Oberstufe mit Afghanistan, doch die Bilder würden das Thema auch noch visuell lebendig machen. Stolz ist Heffner darauf, dass die Ausstellung in ihrem Hause eine vorübergehende Heimat gefunden hat.

Kraft seiner Aufnahmen tritt Helmut R. Schulze als engagierter Anwalt von Afghanistan auf. „Dort geht es ums nackte Überleben“, berichtet der Fotojournalist. Wie würdevoll die Menschen trotz der wirtschaftlichen Not sind und wie schön ihr Land ist, machen seine Fotos deutlich. Vielleicht ändern sie auch die Vorstellungen im einen oder anderen Kopf.

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