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Bekommt Nürtingen ein privates Gymnasium?

Ein Trägerverein, der kurz vor der Gründung steht, will ab Sommer 2007 das schulische Angebot in Nürtingen um ein privates Gymnasium erweitern. Die Weichen sind bereits gestellt: Das Kultusministerium hat grünes Licht für die Konzeption signalisiert. Schulleiter wird ein erfahrener Pädagoge: Karl Ulrich Kazenwadel, bis zu seiner Pensionierung Rektor am Nürtinger Hölderlin-Gymnasium.

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NÜRTINGEN Kazenwadel bringt nicht nur über 30 Jahre Erfahrung im staatlichen Schuldienst mit, er war auch in Stuttgart am Aufbau eines privaten Gymnasiums beteiligt. Das Bildungsangebot in der Stadt, in der er als Rektor viele Jahre wirkte, zu erweitern, sieht der agile Pädagoge als neue Herausforderung. Ziel des Gymnasiums, so Kazenwadel, soll es sein, "gymnasial begabte und geeignete Kinder angemessen zu fordern und zu fördern. Sie durch individuelle Zuwendung ihre besonderen Stärken erkennen und entwickeln zu lassen und sie im Geiste der christlich-humanistischen Kultur zu erziehen." Offenheit, Toleranz und Humanitas sind wichtige Aspekte der schulischen Erziehung. Und Selbstständigkeit und Verantwortung werden als Sekundärtugenden eingeübt.

Grundlage und Standard der Arbeit soll der Bildungsplan und der Stundenplan für Baden-Württemberg in seiner jeweils gültigen Fassung sein. Darüber hinaus will das private Gymnasium ein reichhaltiges, den Interessen der Schüler angepasstes Wahlangebot machen. Eine Vernetzung des Unterrichts soll ebenso erfolgen wie projektbezogenes Arbeiten. "Ziel ist, den Kindern eine umfassende Allgemeinbildung zu vermitteln." Der Kooperation mit der örtlichen Industrie sowie mit allen mit der Bildung junger Menschen befassten Institutionen räumt Kazenwadel einen hohen Stellenwert ein.

Starten will das private Gymnasium Nürtingen mit den Klassen fünf bis acht. Jährlich kommt dann eine weitere Klassenstufe hinzu, sodass im Jahr 2012 die erste Klasse zum Abitur geführt wird. Das Gymnasium ist als Ganztagesschule vorgesehen, mit Unterricht beziehungsweise schulischen Angeboten von 8 bis 17 Uhr.

In den Klassen fünf bis sieben, so Kazenwadels Konzept, soll die Lese- und Schreibfähigkeit ganz besonders gefördert werden. Darauf aufbauend werden in den höheren Klassen Logik und Rhetorik hinzukommen. Auch auf Orthografie und gute Rechenfähigkeit wird besonderer Wert gelegt, so Kazenwadel in seiner Konzeption, die er Ende Dezember dem zuständigen Mitarbeiter im Kultusministerium vorgelegt hat. Einwendungen wurden nicht erhoben.

Auch die Musikalität und Kreativität der Kinder sollen explizit gefördert werden. Als Wahlpflichtfach möchte Kazenwadel das Fach "Kulturkunde" einrichten. "Den Schülern wollen wir die Grundlagen der europäischen christlich-humanistischen Kultur vermitteln, damit sie verstehen, mit diesen Werten umzugehen." Aufgeschlossenheit und Toleranz für andere Kulturen sollen dabei entwickelt werden. "Aufgrund praktischer Erfahrungen wird ein Lehrplan erstellt, nach dessen Genehmigung durch das Regierungspräsidium das Fach versetzungserheblich wird", umreißt Kazenwadel seine Vorstellung. Es ist auch daran gedacht, Hochbegabte durch individuelle Maßnahmen zu fordern und fördern. Zu verstehen sind darunter attraktive Zusatzangebote, angemessene Methodik und Unterrichtsgestaltung. Kazenwadel dazu: "Die Ausarbeitung des Ausbildungsplanes der Hochbegabten erfordert eine sehr hohe Flexibilität und enge Kooperation mit den Eltern." Eine Teilnahme am Projekt "Sympatheia" in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche hält der Schulleiter für wünschenswert. Eine Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Hochbegabte in Schwäbisch-Gmünd, mit dem Studienseminar Stuttgart 1 sowie mit der VHS Nürtingen ist ebenfalls geplant. "In der Oberstufe ist eine Kooperation mit der Hochschule Nürtingen-Geislingen möglich", schreibt Kazenwadel in seiner Konzeption.

Doch nicht nur die besonders begabten Kinder sollen an der privaten Schule aufgenommen werden. In vertretbarer Zahl will man auch Kindern mit Lernschwierigkeiten (ADS, Konzentrationsschwierigkeiten oder Problemen mit der deutschen Sprache) eine Chance geben. In Zusammenarbeit mit Psychotherapeuten oder anderen Fachleuten will man auch diesen Kindern einen gymnasialen Abschluss ermöglichen.

Da es zwischen Stuttgart und Tübingen bisher kein privates Gymnasium gibt, möchte der Trägerverein, der den Namen "Gesellschaft zur Förderung des privaten Gymnasiums Nürtingen" führen wird, hier eine Lücke schließen. Das Gymnasium will Familien im Raum Nürtingen/Kirchheim, Reutlingen, Esslingen/Filder, dem Filstal und der Alb ansprechen.

Mit der Höhe des Schulgeldes orientiert man sich an anderen privaten Gymnasien im Land. Auch die materiellen Verhältnisse der Eltern sollen Berücksichtigung finden. Im Gespräch ist eine soziale Staffelung und auch über Stipendien wird nachgedacht. Da man in den ersten drei Jahren ohne staatliche Unterstützung auskommen muss, wird der Trägerverein die Kosten für den Schulbetrieb aufbringen müssen. Auf jeden Fall erwünscht ist eine aktive Elternarbeit.

Und wo wird das Gymnasium in Nürtingen angesiedelt? Im Auge hat der Trägerverein ein Gebäude in Bahnhofsnähe. Einen Mietvertrag gebe es noch nicht, so Joachim Wohlhaupter, und so lange wolle man sich noch bedeckt halten. Der Jurist hat die Satzung des Vereins ausgearbeitet und wird Geschäftsführer des Trägervereins. In organisatorischen Fragen unterstützend tätig ist auch Sonngard Leopold, langjährige Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaften, die von der Idee fasziniert ist. Leopold ist auch Ansprechpartner für interessierte Eltern. Pädagogen, die an einer Mitarbeit interessiert sind, können sich an Karl-Ulrich Kazenwadel wenden. Einen Teil des Lehrerkollegiums hat der Schulleiter bereits beisammen, weitere engagierte, kreative und erfahrene Pädagogen sind willkommen.

Weitere Informationen über den Trägerverein und das private Gymnasium Nürtingen erhalten Interessenten unter der Telefonnummer 01 73 / 9 54 25 53.