Lokales

Bemüht euch um das Wohl der Stadt

Alle reden davon: "Die Poliker" lügen und betrügen. "Die Wirtschaftsmanager" versuchen nur ihre eigenen Taschen zu füllen. Sogar "die Schiedsrichter" sind bestechlich geworden. "Ich gehe nicht mehr zu nächsten Wahl", sagt einer. "Die machen ja doch nur was sie wollen. Und zwar auf Kosten der kleinen Leute", sagt ein anderer. Die Politik- und Parteiverdrossenheit ist größer denn je. Das bekommen alle Parteien zu spüren.

Vor 2500 Jahren fragten Menschen bei dem Propheten Jeremia an, was sie tun sollten. Die Politiker in ihrem Land hatten versagt, hatten nur ihre eigenen Taschen gefüllt und das Land in den Ruin geführt. Auf die Warnungen der biblischen Propheten hatte man nicht gehört. Und nun musste das ganze Volk Israel die Folgen einer schlechten Politik ertragen. Es ist interessant, was der Jeremia den Menschen seiner Zeit antwortete: "Bemüht euch um das Wohl der Stadt, denn wenn es ihr wohl geht, dann geht's auch euch wohl!"

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Mit "Stadt" war die damalige Gesellschaft gemeint. Der Jeremia macht den Menschen also Mut, sich einzumischen und sich zu beteiligen am gesellschaftlichen Leben und an der Politik. Der einzig sinnvolle Weg in schwierigen Zeiten ist nicht Resignation und Rückzug ins Private, sondern Eimischung und Engagement. Für protestantische Christen galt und gilt diese Aufgabe ganz besonders: die Welt gestalten und besser machen. Als Gottes Werkzeuge an seinem Reich mitzubauen und Gerechtigkeit, Frieden und Hoffnung hier und jetzt zu erstreben.

Je mehr mitmachen und sich einmischen, desto weniger haben Korruption und Betrug eine Chance. Je mehr Menschen Mut zum Widerspruch und Zivilcourage haben, desto sauberer wird die Politik. Je mehr Menschen sich in der Demokratie engagieren, desto weniger Chancen gibt es für radikale Gruppen.

Demokratie lebt von der Beteiligung der Bürger. Wenn immer weniger sich in die Politik einmischen und "das Maul aufmachen", ist die Demokratie bedroht. Und da wir den Himmel auf Erden noch nicht haben, gibt es nun mal nichts besseres als die Demokratie. Darum: Bemüht euch um das Wohl der Stadt, denn in ihrem Wohl liegt auch euer Wohl!

Helmut Sobko

Pfarrer in der

Evang. Kirchengemeinde

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