Lokales

Beredte Zeugnisse der Mangelverwaltung

Unter dem Titel "Ein schweres Jahr 1945 in den Kreisen Esslingen und Nürtingen" zeigt das Landratsamt Esslingen eine vom Kreisarchiv erarbeitete Ausstellung.

ESSLINGEN Das Jahr 1945 brachte das Ende eines schrecklichen Krieges und eines verbrecherischen Regimes. Für viele bedeutete es tiefe Verzweiflung, für andere neue Hoffnung. Für alle gemeinsam war das Jahr 1945 aber "ein schweres Jahr", wie es der damalige Esslinger Landrat Fritz Landenberger rückblickend Anfang 1946 feststellte. Vom 1. Juni bis zum 8. Juli erinnert jetzt eine vom Kreisarchiv Esslingen erarbeitete Ausstellung unter dem Titel "Ein schweres Jahr 1945 in den Landkreisen Esslingen und Nürtingen" an die Zeit vor 60 Jahren hier vor Ort in den damaligen Kreisen.

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Erstmals wird mit der Ausstellung das Gebiet des heutigen Landkreises Esslingen während der unmittelbaren Nachkriegszeit als Ganzes in den Blick genommen. Die Ausstellung beleuchtet eindringlich die ungeheuren Alltagsschwierigkeiten, die als Hypotheken von Krieg und Nationalsozialismus vor dem Neuanfang standen. Überall musste der Mangel verwaltet werden: Nahrung, Brennstoff, Wohnraum.

Als letzte noch funktionsfähige Behörden hatten die Landratsämter und Bürgermeisterämter die Versorgung und Unterbringung der Bevölkerung sicherzustellen und zugleich die Vorgaben der Besatzer umzusetzen. Die Amerikaner setzten neue Landräte ein: In Esslingen den Augenarzt Dr. Fritz Landenberger, in Nürtingen den Juristen Karl Eberhardt.

Die Altkreise waren zunächst zwischen Amerikanern und Franzosen aufgeteilt. Im Juli 1945 wurden sie zusammen der amerikanischen Verwaltung unterstellt. Dokumente und Plakate, eindrückliche Fotoaufnahmen und typische Gegenstände illustrieren beispielhaft, vor welche He-rausforderungen die Landratsämter und die Landräte gestellt wurden.

Thematisiert wird auch, wie sich das Gedenken an das Jahr 1945 in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt und gewandelt hat. Zu sehen sind sowohl Stücke aus den Beständen des Kreisarchivs wie beispielsweise Notgeld aus dem Kreis Nürtingen, Plakate der Militärregierung, die erste Proklamation der Militärregierung an das deutsche Volk, alte Straßenschilder, alte Zeitungen oder ein Zünder zur Brückensprengung.

In der Ausstellung werden auch Leihgaben anderer Archive, Bibliotheken, Museen oder auch vom Kampfmittelbeseitigungsdienst wie beispielsweise eine gut erhaltene 250 Pfund schwere Sprengbombe gezeigt.

Zur Ausstellungseröffnung mit Landrat Heinz Eininger am Mittwoch, 1. Juni, um 19 Uhr im Landratsamt sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen. Zu sehen ist die Ausstellung von Mittwoch, 1. Juni, bis Freitag, 8. Juli, im Eingangsbereich des Landratsamts zu den Öffnungszeiten von Montag bis Mittwoch, 7.30 bis 15 Uhr, Donnerstag, 7.30 bis 18 Uhr und Freitag, 7.30 bis 12 Uhr.

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