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"Berlin und Stuttgart haben es erfunden, wir müssen es machen"

BIANCA LÜTZ

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DETTINGEN "Berlin und Stuttgart haben es erfunden, wir müssen es machen", kommentierte Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann die Rolle der Kommunen bei der Kinderbetreuung und stellte im Gemeinderat den aktuellen Fahrplan der Großen Koalition zum Thema Krippenplätze vor. Unter anderem soll für jedes dritte Kind zwischen ein bis drei Jahren ein Betreuungsplatz geschaffen werden. Sinnvoll wäre dies aus Sicht des Rathauschefs jedoch allenfalls in großen Städten wie Stuttgart, in kleineren Gemeinden wie Dettingen dagegen nicht.

Derzeit gibt es in Dettingen sechs Plätze für unter Dreijährige im Kindergarten "Regenbogen". Ziel der Gemeinde Dettingen ist es, die U3-Plätze bis zum Jahr 2010 auf 13 bis 17 aufzustocken. Das würde einem Versorgungsgrad von acht bis 10 Prozent entsprechen. "Ich halte es für ein Problem, wenn Plätze geschaffen werden und der Bedarf nicht da ist", kritisierte Rainer Haußmann. Für die unnötigen Kosten aufkommen müssten letztlich die Steuerzahler.

Das gilt auch in einem anderen Punkt. "Ziel der großen Politik ist die absolute Wahlfreiheit für Eltern", legte der Schultes dar, wobei hinter der Finanzierung immer noch ein großes Fragezeichen stehe. Die Gemeinde muss für jedes potenzielle Kindergartenkind einen Platz vorhalten. Wenn Eltern ihren Sohn oder ihre Tochter dann aber stattdessen in den Wald- oder Waldorfkindergarten oder in eine andere freie Einrichtung schicken statt in einen öffentlichen Kindergarten, "haben wir am Bedarf vorbeigeplant", wie Haußmann feststellte.

Dazu kommt ein weiterer Faktor: Wenn ein Kind in einer anderen Kommune in den Kindergarten geht, muss eigentlich die Heimatgemeinde die Kosten dafür tragen. Wie Rainer Haußmann mitteilte, ist im Landkreis Esslingen eine Vereinbarung angedacht, auf gegenseitige Bezahlung zu verzichten: "Es ist schon viel gewonnen, wenn sich die Kommunen im Landkreis nicht gegenseitig Rechnungen schicken."

In Dettingen gibt es derzeit drei Kindergärten mit neun Gruppen. Träger sind die bürgerliche Gemeinde und die Evangelische Kirchengemeinde. Zurzeit stehen 221 Kindergartenplätze zur Verfügung, wie Bürgerbüro-Mitarbeiterin Nadine Heinel-Wölfle mitteilte. Der evangelische Kindergarten "Regenbogen" in der Hinteren Straße hat eine Kapazität von 131 Plätzen in fünf Gruppen. Im Pfarrhaussaal betreibt die Kommune die Kindergartengruppe "Mäuseloch". Ein Antrag auf Verlängerung des Mietvertrags mit der Kirchengemeinde ist schon gestellt. Im von der Gemeinde betriebenen Kindergarten "Starennest" auf dem Guckenrain hat sich die Anzahl der Gruppen von zwei auf drei erhöht. Die zusätzliche Kleingruppe wurde im September eröffnet, da die beiden regulären Gruppen voll belegt waren.

"Rund ein Drittel der Kinder hat Sprachprobleme", ging Rainer Haußmann auf Beobachtungen der Erzieherinnen ein. Im Kindergarten Hintere Straße gibt es bereits gezielte Sprachförderung von ausländischen Kindern. Darüber hinaus werden im Kindergarten "Regenbogen" und dem "Mäuseloch" jeweils ein besonders förderungsbedürftiges Kind im Rahmen der "Eingliederungshilfe für behinderte oder von Behinderung bedrohter Kinder" betreut. Die Maßnahme finanziert das Kreisjugendamt. Darüber hinaus gibt es als Betreuungsangebote in Dettingen noch zehn Tagesmütter sowie die Verlässliche Grundschule.

Der Bedarfsplaung stimmte der Gemeinderat ebenso geschlossen zu wie der Erhöhung der Kindergartengebühren zum 1. September. Zum einen passt die Geminde Dettingen nämlich wie von den Spitzenverbänden empfohlen die allgemeinen Gebühren an, unter anderem aufgrund der verlängerten Öffnungszeiten. Künftig zahlt beispielsweise eine Familie mit einem Kind unter 18 Jahren für einen Platz 81 statt 77 Euro. Zum anderen steigen auch die Zuschläge für die Betreuung unter Dreijähriger von 50 auf 100 Prozent, da für jedes U3-Kind zwei volle Plätze genehmigt werden müssen.

Als Ziel hatte die Gemeinde Dettingen bereits vor Jahren formuliert, 20 Prozent der Kindergarten-Betriebskosten über Elternbeiträge zu decken. "Wir sind bei 14 Prozent, also weit von den 20 entfernt", gab Rainer Haußmann zu bedenken. Eine Anpassung sei deshalb notwendig. "Wir brauchen Geld, um das Angebot zu finanzieren."

"Es gibt soziale Absicherungen", wies der Rathauschef darauf hin, dass Familien, die Probleme haben, die finanzielle Last zu schultern, steuerliche Förderungen und wirtschaftliche Hilfen beantragen können. Dazu gehören etwa Kindergeld und Elterngeld, Unterhalt, Wirtschaftliche Jugendhilfe und Härtefallanträge.