Lokales

Beschwerden erkennen und frühzeitig reagieren

Die zwei Herzspezialisten Klaus Kleinbach und Norbert Smetak beleuchteten in ihren Vorträgen unter anderem die Ursachen, Merkmale und Behandlungsmöglichkeiten von Herzklappenerkrankungen. Rund 180 Besucher lauschten den Medi-zinern, die auf Einladung von AOK, IKK, der Deutschen Herzstiftung sowie der Selbsthilfegruppe Herzkranker Menschen (SOHM) erschienen waren.

TANJA LIEBMANN

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KIRCHHEIM Die Zahlen sprechen für sich: 16 000 Menschen sind im vergangenen Jahr an ihren Herzklappen operiert worden. Viele von ihnen gehören jetzt zu den rund 200 000 Menschen, die in Deutschland mit einer neuen Herzklappe leben. Treffen kann dieses Schicksal jeden: Herzklappenerkrankungen sind in allen Altersgruppen möglich, und das Informationsbedürfnis der Betroffenen ist groß. Was kann man tun? Wie groß sind die Gefahren? Welche Beschwerden müssen hellhörig machen? Auf diese und andere Fragen haben zwei Herzspezialisten im Großen Saal der Kirchheimer Stadthalle Antworten gegeben.

Als Einführung in den Abend erläuterte der Mediziner Klaus Kleinbach, was ablaufen muss, damit der Blutfluss durchs Herz funktioniert. Mit Hilfe von Schaubildern verdeutlichte er die Lage der rechten und der linken Herzkammer sowie der rechten und linken Vorkammer. Vier Klappen, so Kleinbach, würden zu diesen Kammern gehören: "Sie wirken wie Ventile und sorgen dafür, dass das Blut in die richtige Richtung läuft."

Nach den Worten des Kardiologen funktioniert dieser Blutfluss bei manchen Menschen nicht einwandfrei, "denn an Herzklappen können jederzeit Defekte auftreten". Möglich sei zum Beispiel, dass die Ventile nicht mehr richtig schließen. Man spreche dann von einer Schließunfähigkeit, der so genannten Insuffizienz. Auch für das Wort Stenose hatte der 47-Jährige eine Übersetzung parat: Der Fachbegriff stehe für ein verengtes Gefäß und beschreibe mitunter das Phänomen, dass sich die Öffnungen an den Herzklappen auf Grund von Kalkablagerungen verengen und somit nicht mehr ausreichend Blut durch die Herzkammern durchlassen können.

Patienten, die einen dieser Fehler oder gar eine Kombination aus beiden hätten, büßen laut Kleinbach meist an körperlicher Leistungsfähigkeit ein. Darüber hinaus litten sie nicht selten unter Kurzatmigkeit, Luftnot, Brustenge, Herzrhythmusstörungen, Schwindelgefühlen oder Beinschwellungen. Kleinbach empfahl seinen Zuhörern, diese Beschwerden ernst zu nehmen und die eigene Leistungsfähigkeit kritisch im Auge zu behalten. Wichtig sei es, frühzeitig zu reagieren. "Schieben Sie den Arztbesuch nicht zu lange hinaus", riet der Mediziner und wies darauf hin, dass sich bei einer Verengung an der so genannten Aortenklappe erst spät Beschwerden zeigten. Würden diese spür- oder sichtbar, steige die Gefahr drastisch an, dass es tödliche Komplikationen geben könne.

Mit Fotos und Videosequenzen erläuterte Kleinbach, mit welchen verschiedenartigen Untersuchungsmethoden ein Arzt in der Lage ist, die Schwere eines Herzfehlers herauszufinden. Der Mediziner machte zudem deutlich, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Beschwerden zu lindern. Unter anderem sprach er Medikamente an, wobei er betonte: "Die Beseitigung von Herzklappenfehlern ist nur durch einen medizinischen Eingriff möglich."

An diesem Punkt knüpfte im zweiten Referat des Abends der Kardiologe Norbert Smetak an. Prägnant zusammengefasst gab er den Zuhörern einen Überblick über alle operativen und nicht-operativen Verfahren, mit denen Mediziner heutzutage angeborene oder erworbene Herzklappenfehler beseitigen können. Auch er wies darauf hin, dass Betroffene das Hinausschieben des Arztbesuches oder eines Eingriffes vermeiden sollten: "Wer zu spät reagiert, erhöht das Risiko, sein Herz dauerhaft zu schädigen."

Detailliert und mit amüsanten Einschüben ging der 46-Jährige auf das Thema Herklappenersatz ein. Er unterschied dabei mechanische von biologischen Prothesen und klärte das Publikum über die Vor- und Nachteile der beiden Ersatzklappenarten auf. Smetak sagte unter anderem, dass bei mechanischen Prothesen eine lebenslange Gerinnungshemmung notwendig sei. Bioprothesen hätten hingegen den Nachteil, dass sie nur beschränkt haltbar seien. Als Faustregel gab er an: "Je jünger der Patient, desto schneller die Degeneration der Klappe." Für die Nachsorge nach einem Eingriff am Herzen riet Smetak zu regelmäßigen ärztlichen Kontrollen. Bei Patienten mit Herzklappenfehlern sei es außerdem wichtig, mit einer Antibiotikatherapie der Entzündung der Herzklappen vorzubeugen. "Achten Sie auch auf regelmäßige Bewegung", ergänzte der Referent, der vor Übergewicht warnte und seinen Gästen Ausdauersport wie Laufen, Nordic-Walking, Radfahren, Wandern und Schwimmen ans Herz legte. Außerdem empfahl er, dem Rauchen zu entsagen und sich sowohl gesund als auch abwechslungsreich zu ernähren.

Weitere Informationen zum Thema Herzklappenerkrankungen erhalten Interessierte bei Dieter Wagner, Beauftragter der Deutschen Herzstiftung. Er ist Leiter der Kirchheimer Selbsthilfegruppe Herzkranker Menschen (SOHM) und telefonisch erreichbar unter der Nummer 0 71 57/6 45 05. Hinweise gibt es außerdem im Internet unter www.sohmev.de oder www.herzstiftung.de.