Lokales

Besonderer Blick auf die Situation Älterer

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Göppingen mit den beiden Landkreisen Göppingen und Esslingen ist auch im Juni weiter deutlich zurückgegangen: im vergangenen Monat waren 22 464 Menschen ohne Arbeit. Dies bedeutet einen Rückgang im Vergleich zum Mai um 465 Personen oder 2,0 Prozent.

GÖPPINGEN Auch in diesem Monat verbessert sich durch diesen steten Rückgang die Arbeitslosenquote, die bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen nun bei 5,6 Prozent liegt; im Mai lag sie noch um 0,1 Prozentpunkte höher bei 5,7 Prozent.

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Auch im Vergleich zum Vorjahr ist der Rückgang bemerkenswert, wenn man den Vergleichsmonat Juni 2005 betrachtet: damals waren 1154 arbeitslose Menschen oder 4,9 Prozent mehr gemeldet. Im Juni 2005 lag die Arbeitslosenquote bei 5,9 Prozent.

11 622 Personen, knapp die Hälfte der gemeldeten arbeitslosen Menschen, gehören zum Rechtskreis Sozialgesetzbuch II (SGB II). Mit einem Rückgang um 97 Personen sind 4056 Menschen bei den Job-Centern des Landkreises Göppingen arbeitslos registriert (im Mai waren es 4 153). Bei den Job-Centern des Landkreises Esslingen werden, ebenfalls mit einem geringen Rückgang um elf Personen, 7 566 Menschen gezählt.

Die Arbeitslosenquote, berechnet auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen, des Landkreises Göppingen verringert sich im Vergleich zum Vormonat auf 6,3 Prozent. In der Hauptagentur in Göppingen liegt sie unverändert bei 6,3 und der Geschäftsstelle in Geislingen bei 6,6. Die Quote bei den Geschäftsstellen des Landkreises Esslingen (Esslingen: 5,7 Prozent; Kirchheim: 5,3; Leinfelden-Echterdingen: 4,1 und Nürtingen: 5,1 liegt bei 5,2 Prozent. Mit Ausnahme des Hauptamtes in Göppingen, in der die Quote unverändert blieb, haben sich damit in allen Geschäftsstellen die Arbeitslosenquoten verbessert.

Mit 454 offenen Stellen weniger (minus 21,0 Prozent gegenüber dem Vormonat) wurden deutlich weniger Stellen gemeldet als im Monat Mai. Allerdings lag die Zahl der Stellenzugänge in den Frühlingsmonaten bis Mai in etwa auf dem Niveau der Juni-Zugänge, sodass dieser Einbruch an Stellenzugängen nicht zu negativ bewertet werden darf. Von den Betrieben und Verwaltungen in den beiden Landkreisen Göppingen und Esslingen wurden im Juni 1705 Stellen gemeldet. Im Vormonat waren es 2159 zu besetzende Arbeitsplätze gewesen. Den deutlichsten Rückgang an gemeldeten freien Arbeitsstellen lässt sich im Dienstleistungsbereich und bei den Fertigungsberufen erkennen. An ungeförderten Stellen also freie Arbeitsplätze ohne Einbeziehung geförderter Stellen wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM), von Personal-Service-Agenturen (PSA) angebotene Arbeitsplätze oder Arbeitsgelegenheiten nach dem Sozialgesetzbuch II stehen dem Arbeitsmarkt im gesamten Agenturbezirk 4058 gemeldete Arbeitsplatzangebote für die Vermittlung zur Verfügung. Hinzu kommen weitere 155 geförderte Stellenangebote, darunter 130 so genannte Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs).

Die anhaltend bessere Wetterlage wirkt sich auch auf die Zahl der Kurzarbeiter aus, die im Mai (die Kurzarbeiterzahlen werden um einen Monat zeitversetzt veröffentlicht) gemeldet waren: im Bezirk der Agentur für Arbeit Göppingen gab es 1723 Kurzarbeiter, 1210 (41,3 Prozent) weniger als im April. 124 Betriebe (19 weniger als noch im Vormonat) hatten Kurzarbeit angemeldet. Gegenüber Mai 2005 waren jetzt 609 oder 26,1 Prozent und damit deutlich weniger Männer und Frauen in Kurzarbeit. Seit 2002 ist der niedrigste Stand an Kurzarbeitern und kurzarbeitenden Betrieben in einem Mai erreicht.

Mit dem Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente konnte auch im Juni für zahlreiche Personen im Bezirk der Agentur für Arbeit die Arbeitslosigkeit beendet oder verhindert werden. Insgesamt waren in diesem Monat 5158 arbeitslose Menschen Teilnehmer von Maßnahmen der arbeitsmarktpolitischen Instrumente. Schwerpunkt bildet wie im Vormonat die Förderung der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit, durch die im Juni 2155 Menschen beim Aufbau einer eigenen Existenz unterstützt wurden. Intensiv wurde auch das Instrument der Trainingsmaßnahmen eingesetzt, durch das zum einen die Eignung für eine berufliche Tätigkeit festgestellt werden kann und Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, aber auch die Selbstsuche oder die Vermittlung von Arbeitslosen unterstützt wird. Insgesamt nahmen 518 Menschen an einer solchen Trainingsmaßnahme teil. Von den Teilnehmern an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik stammten aus dem Rechtskreis Sozialgesetzbuch II im Juni 1653 Frauen und Männer.

Anders als im Mai 2006, in dem alle Personengruppen von dem Rückgang der Arbeitslosigkeit profitieren konnten, ist bei der Personengruppe der Langzeitarbeitslosen, die ein Jahr und länger ohne Arbeit sind, mit 0,5 Prozent wieder eine leichte Zunahme festzustellen. Mit insgesamt 7376 ist rund ein Drittel aller Arbeitslosen langzeitarbeitslos. Auch bei der Personengruppe der Schwerbehinderten ist mit 2,7 Prozent oder 29 Menschen eine leichte Zunahme festzustellen. Erfreulich ist aber, dass sich der Rückgang bei den Jüngeren unter 25 Jahren weiter fortsetzt. Im Juni ist mit 190 jungen Menschen oder 8,2 Prozent weniger der deutlichste Rückgang erkennbar. Dennoch ist die weitere Reduzierung der 2123 Jüngeren erklärtes Ziel der Agentur und der Job-Center. Auch bei den Jugendlichen unter 20 Jahren sind jetzt mit 327 Menschen weniger bei der Agentur gemeldet; im Vormonat waren es noch 335.

Im Agenturbezirk Göppingen sind derzeit etwa 6000 Personen arbeitslos gemeldet, die älter als 50 Jahre sind. Fast genau die Hälfte davon ist über 55 Jahre alt. Dazu kämen weitere rund 2600 Personen im Alter von mindestens 58 Jahren, die zwar noch Arbeitslosengeld beziehen, aber allein deswegen nicht mehr arbeitslos gemeldet sind, weil sie den Ý 428 des Dritten Sozialgesetzbuches nutzen und damit ihre Arbeitsbereitschaft bis zum Eintritt in die Altersrente nicht mehr aufrecht erhalten und sich nicht mehr der Vermittlung in einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Für diese rund 8600 ältere Menschen blieb und bleibt den Vermittlungsfachkräften häufig nichts anderes übrig, als die geringen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt aufzuzeigen und auszuschöpfen. Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Einstellungshürde überproportional. Allzu häufig wird es schon mit 45 Jahren schwer, die Hürde zu nehmen. Wenn zum Alter noch geringe berufliche Qualifikation kommt, ist die Messlatte kaum noch zu überspringen. Im Agenturbezirk Göppingen ist das mehr als jeder zweite arbeitslose ältere Mensch, knapp 3100 Personen. Im Vergleich dazu: bei den Älteren, die noch eine Beschäftigung haben, ist es nur jeder fünfte. Sind Ältere einmal arbeitslos geworden, ist das Risiko, arbeitslos zu bleiben, im Durchschnitt höher als bei jüngeren Arbeitnehmern. Mit einem neuen Projekt "Weiterbildung geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen" (WeGebAU) versucht die Agentur für Arbeit Göppingen, dieser Entwicklung entgegen zu wirken. 100 ältere Arbeitslose mit geringen beruflichen Perspektiven will die Agentur mit starker finanzieller Subvention in den Arbeitsmarkt integrieren. Wenige Ältere, deren Chancen auf eine Integration sehr schlecht sind, erhalten einen Scheck bis zur Höhe von 20 000 Euro ausgehändigt, der von dem Arbeitgeber eingelöst werden kann, der diesen schwer vermittelbaren arbeitslosen Menschen einstellt.

aa