Lokales

Besonderheiten entlang des Weges

Wege-Konzept im Truppenübungsplatz für Besucher

Im ehemaligen Truppenübungsplatz bei Münsingen soll ein touristisch attraktives und naturverträgliches Wege-Konzept etabliert werden.

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Münsingen. Seit April 2006 ist der ehemalige Truppenübungsplatz nach 110-jähriger militärischer Nutzung für die Öffentlichkeit freigegeben. Auf rund 45 Kilometern überwiegend befestigter Wege können Wanderer, Inliner und Radler quer durch den Platz gelangen und die einzigartige Museumslandschaft genießen. Durch die Nutzung als militärisches Gebiet blieb der Platz verschont von Flurbereinigung und Bebauung, weder Stromleitungen noch Straßen durchschneiden die 6 700 Hektar große Fläche. In diesem einzigartigen Gebiet wird es nun ein naturverträgliches Wege-Konzept geben.

Zahlreiche Gäste wünschen sich, dass weitere Wege geöffnet werden, um die eigentlichen Besonderheiten des Platzes aus der Nähe betrachten zu können. Dies sei jedoch wegen der Gefahr durch Blindgänger nicht machbar, auch Aspekte des Naturschutzes würden gegen eine weitere Wegeöffnung sprechen, so die Meinung der Verantwortlichen.

„Allerdings sind eben diese als fehlend reklamierten Besonderheiten fast immer von den bereits freigegebenen Wegen aus gut sichtbar und erlebbar – vorausgesetzt die Besucher wissen, wonach sie schauen oder worauf sie achten können“, so Hausherr Dr. Dietmar Götze vom Bundesforst und „Platz-Biologin“ Lydia Nittel. Dies ist der Hintergrund für den beim Biosphärengebiet Schwäbische Alb gestellten Antrag „Optimierung der Besucherlenkung auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz“ des Bundesforstes. In der vergangenen Sitzung des Plenum/Biosphärengebiet-Beirats wurde dieser Antrag vom Gremium positiv beschieden.

Im Vorfeld hat der Bundesforst mit der Stadt Münsingen, den Naturschutzvereinen und dem Biosphärengebiet-Team rund 40 touristisch interessante Punkte entlang der freigegebenen Wege zusammengetragen. Darunter finden sich beispielsweise Steinhaufen, auf denen der vom Aussterben bedrohte Steinschmätzer beobachtet werden kann, Panzerspuren, die, vom Regen gefüllt, einen Lebensraum für seltene Amphibien darstellen oder auch historische oder militär-historische Details wie die alten Friedhöfe „Hörnle“ und „Gänsewag“, die alte Römerstraße oder traditionsreiche Verbindungswege. „Vielleicht könnte sogar ein ehemaliges Maschinenhaus wieder funktionstüchtig hergestellt werden, um den Besuchern einen Eindruck aus Militärzeiten zu vermitteln“, blickt Götze in die Zukunft.

Diese ausgewählten Punkte sollen jetzt in ein Gesamtkonzept zur weiteren Entwicklung der Besucherlenkung auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz einfließen. „Was kann man entlang der freigegebenen Wege in der umgebenden Natur entdecken? Wie kann man Ruhe und Stille sowie ein positives Erleben der Landschaft vermitteln?“. Diese Fragen stellt sich Lydia Nittel.

Das „Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz“ aus Bühl sowie das „Umweltforschungsinstitut Tübingen“ sollen das Konzept unter Beteiligung der umliegenden Kommunen, Vertretern des amtlichen und privaten Naturschutzes, der Biosphärengebietsverwaltung und der touristischen Akteure sowie des Eigentümers ausarbeiten.

Großen Wert legt Dietmar Götze einerseits darauf, die Authentizität des Platzes zu wahren, andererseits die Attraktivität der interessanten Sehenswürdigkeiten entlang des aus­gewiesenen Wegenetzes, die bislang von vielen Gästen gar nicht wahrgenommen werden, zu erhöhen. Berücksichtigt werden muss dabei auch die Naturverträglichkeit, da es niemand nützt, wenn die seltenen Steinschmätzer wegen vieler Störun­gen nicht mehr brüten. Nicht zuletzt möchte der Bundesforst auch Einnahmemöglichkeiten ausfindig machen, um die dauerhaften Kosten der Wegeunterhaltung zu finanzieren. Hier denkt Götze beispielsweise an Eintrittsgelder zur Bunkerbesichtigung.

Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter www.biosphaerengebiet-alb.de oder www.muensingen.de. pm