Lokales

"Besser als ihr Ruf"

Der Nürtinger Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich (CDU) wehrt sich entschieden, die Hauptschule geradezu "rituell schlecht zu reden". Hennrich: "Die Hauptschule, zumindest in Baden-Württemberg, ist besser als ihr Ruf."

NÜRTINGEN Von der guten Arbeit, die an den Hauptschulen geleistet wird, konnte sich Hennrich vor kurzem bei einem Besuch der Nürtinger Ersbergschule überzeugen, die zugleich als bisher einzige Nürtinger Ganztagesschule arbeitet. Im Gespräch mit Rektor Jürgen Kienzle sowie Schülern einer siebten Klasse wurde Hennrich klar: "Unter schwierigen Bedingungen leisten die Lehrer gute Arbeit." Schlechte oder schlecht motivierte Schüler gebe es an jeder Schule, auch an den Gymnasien. Wesentlich sei, dass sich der Schule auch eine berufliche Perspektive anschließe.

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Hennrich will keineswegs die Probleme, die insbesondere in den Großstädten auftreten, wegreden. "Dort herrschen massive Integrationsprobleme. Mangelnde Deutschkenntnisse, ein Elternhaus, das schulische Leistungen ignoriert oder gar bestraft und schlechte Aussichten auf einen Ausbildungsplatz seien die Hauptursachen für Gewaltprobleme. Gerade ein Ausbildungsplatz sei die notwendige Voraussetzung, um sich für das ganze Leben eine berufliche Perspektive und damit ein eigenständiges Auskommen zu erarbeiten.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete lobte in diesem Zusammenhang das Handwerk und den Mittelstand, die jungen Menschen auch ohne Musterzeugnis immer wieder Chancen für einen geeigneten Arbeitsplatz geben. Exemplarisch nannte Hennrich die Initiative des BDS-Kreisverbandes Esslingen mit der Tandem- und Verbundausbildung, wo gerade auch für Jugendliche für geringere Qualifikation eine Chance auf einen Ausbildungsplatz besteht. Nur so sei zu verhindern, "dass massive soziale Probleme bei uns auf uns zukommen", prognostiziert der Abgeordnete.

Wer Gewaltprobleme der Berliner Art auch bei uns verhindern will, müsse alles dafür tun, dass die Wirtschaft mehr ausbildet und mehr ausbilden kann. Hier seien die Politik und die Tarifvertragsparteien gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Ohne einen Schul- und anschließend einen Ausbildungsabschluss seien die jungen Menschen der Perspektivlosigkeit ausgeliefert, betont Hennrich.

pm