Lokales

Bestellzahlen und Arbeitslosenquote: Weiter im Aufschwung

Nach dem Trendbericht zur konjunkturellen Lage im Landkreis Esslingen für das 3. Quartal 2006 zeigt sich der Herbst von seiner besten Seite: Die aktuelle Lage im Landkreis hat sich erneut verbessert. Über 90 Prozent aller befragten Unternehmen vermelden gute oder zufriedenstellende Geschäftszahlen.

KREIS ESSLINGEN Auf konstant hohem Niveau konnten Umsatz und Ertrag von knapp 30 beziehungsweise 48 Prozent gehalten werden. Bei einer Kapazitätsauslastung von 86 Prozent verbuchen 43 Prozent wachsende Auftragseingänge, die Hälfte berichtet von gleichbleibenden Bestellzahlen. Diese Ergebnisse sprechen für sich: In Verbindung mit einer stetig fallenden Arbeitslosenquote stehen damit alle Zeichen auf Aufschwung. Motoren dieser positiven Entwicklung sind vor allem die Industrie- und Dienstleistungsbranchen, wohingegen Handel und Bau weiter hinterherhinken.

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Während sich die Wirtschaft im Landkreis aktuell in der Boomphase sonnt, ziehen bereits erste Wolken am Horizont auf. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate sind zum zweiten Mal von den Entscheidern in den Unternehmen nach unten korrigiert worden. Internationale Einflüsse auf die Entscheidungen sind wohl hauptsächlich bei einer vermutenden Abschwächung der weltwirtschaftlichen Expansion sowie den nach wie vor hohen und schwer kalkulierbaren Rohstoffpreisen zu suchen. National dämpfen vor allem politische Risiken, wie die zahlreichen Reformbaustellen und die kommende Mehrwertsteuererhöhung, das Klima. Positiv anzumerken ist, dass trotz pessimistischen Zukunftsaussichten die Investitionsneigung der Unternehmen nicht merklich nachzugeben scheint. Knapp die Hälfte der Unternehmen hält an ihren Investitionsplänen fest, ein gutes Viertel will diese sogar noch übertreffen.

Ein Vergleich der Indikatoren Geschäftslage und -erwartung der Gesamtwirtschaft im Landkreis mit denen der Region Stuttgart zeigt ein ähnliches Bild: Aktuelle Geschäftslage bei beiden etwa 32 Prozent, erwartete Geschäftsentwicklung bei 23 beziehungsweise 19 Prozent. Erst beim genaueren Blick in die Branchen kommen Unterschiede zum Vorschein: Zum einen liegt die Industrie im Landkreis mit ihren Einschätzungen viel besser als der Regiondurchschnitt, zum anderen liegt der Handel mit seinen Einschätzungen über die Lage und Erwartung weit darunter.

Zugpferd der prosperierenden Wirtschaft ist und bleibt die Industrie, allen voran die Investitionsgüterindustrie. Sie prägt mit ihrer ungebrochenen Leistungskraft das wirtschaftliche Bild im Landkreis. Daran haben die steigenden Exportleistungen großen Anteil. Bemerkenswert ist jedoch, dass auch der Umsatz im Inland mit 65 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zugenommen hat. Trotz der hervorragenden Geschäftssituation ist der optimistische Blick in die Zukunft getrübt. Nachdem im letzten Quartal noch 46 Prozent an eine Fortsetzung des Wachstums glaubten, sind dies aktuell nur noch 37 Prozent. Zum Glück hat sich dieser Dämpfer noch nicht auf die Investitionsneigung ausgewirkt. Im Gegenteil, mit 39 Prozent planen sogar drei Prozent mehr Unternehmen höhere Summen als im Vorquartal zu investieren. Schwerpunkte bei den geplanten Investitionen sind Deckung des Ersatzbedarfs sowie Rationalisierung. Grundsätzlich bilden Rationalisierungsbestrebungen in Verbindung mit einem Stimmungswechsel bei den Erwartungen keinen fruchtbaren Boden für weitere Beschäftigungsverhältnisse. Trotzdem planen etwa 21 Prozent der Industrieunternehmen Neueinstellungen. Diesen stehen aber fast 22 Prozent gegenüber, die einen Stellenabbau überlegen.

Die Konjunkturindikatoren zur Geschäftslage und -erwartung beim Handel können die tatsächliche Situation dieser Branche nur schlecht verdeutlichen. Sie spiegeln die gegenläufige Entwicklung im Groß- und Einzelhandel nicht wider und zeichnen ein irreführendes Bild: Der Großhandel ist der Gewinner, der Einzelhandel der Verlierer der Branche. Über 90 Prozent aller befragten industrie- und konsumnahen Großhändlern geht es gut oder zufriedenstellend. Ebenso viele rechnen mit einer besseren oder zumindest gleichbleibenden Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten. Am stabilsten ist die Situation im industriehnahen Großhandel, da die Nachfrage aus den Unternehmen im In- und Ausland derzeit fast unerschöpflich scheint. Auch die Einzelhändler im Landkreis haben eine bessere Bewertung ihrer aktuellen Geschäftslage als noch im Vorquartal abgegeben. Ein Blick auf die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate zeigt jedoch, dass diesem Optimismus kein Bleiberecht gewährt wird: Fast 35 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, lediglich 17 Prozent erwarten eine Verbesserung. Die Vermutung liegt nahe, dass die Konsumenten bereits jetzt den Planungen über Käufe Taten folgen lassen, um der kommenden Mehrwertsteuererhöhung einen Streich zu spielen. Natürlich wirkt sich dies auf die künftigen Einschätzungen der Händler aus. Nach möglichen Vorzieheffekten im alten Jahr droht es im nächsten Jahr am Verkaufstresen sehr ruhig zu werden.

Ungebremst ist der Optimismus bei den Dienstleistern. Dem repräsentativen Durchschnitt der vielfältigen Branche geht es ohne Zweifel gut. Immerhin vermelden 44 Prozent eine gute, 48 Prozent eine befriedigende Geschäftslage. Knapp 53 Prozent konnten sogar Umsatzsteigerungen im Vergleich zum Vorquartal verbuchen. Umso wichtiger ist, dass sich die Umsatzentwicklung bei knapp 88 Prozent auch positiv auf die Erträge auswirkte. Die aktuelle Hochstimmung lässt sich allerdings nicht auf die Zukunft übertragen. Zwar vergrößert sich die Anzahl der Optimisten nochmals auf 36 Prozent, die Stimmen der Pessimisten werden mit knapp 19 Prozent aber zunehmend lauter. Risiken für eine gewohnt gute Geschäftsentwicklung werden vor allem bei der Kostenentwicklung sowie den kommenden Steuern- und Abgabenbelastungen gesehen.