Lokales

Besuch bei Hahn und Henne

Dem Alltag entfliehen dazu sind Ausflüge erlaubt und geboten. So fuhren die Neidlinger Landfrauen Richtung Schwarzwald, genossen das Kinzigtal und dabei das Erwachen der Natur.

NEIDLINGEN Eine liebliche Landschaft mit Tälern, die sich immer wieder öffnen, Wiesen mit goldgelben Blumen und am Waldesrand ebensolchen Ginstersträuchern. Augen und Sinne holten sich unvergessliche Eindrücke und erstes Ziel war Zell am Harmersbach, die ehemals kleinste Reichsstadt des Habsburger Kaiserreiches.

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Der Besuch der seit 1794 dort ansässigen Zeller Keramik faszinierte die Landfrauen. Bei kompetenten Führungen durch das Werk ließen diese sich die Geschichte des traditionsreichen Hauses, die richtige Mischung der Steingutmasse, die Topfqualität sichert, erläutern, um anschließend den jeweiligen Produktwerdegang der Rohfertigung, der Drehform- und der Gießformgebung sowie der Veredelung kennen zu lernen. Aus der einst dreistelligen Mit-arbeiterzahl ist heute eine zweistellige geworden und nur noch ein einziger Auszubildender erlernt derzeit die Berufe des Keramikdrehers und -gießers.

Arbeitstäglich erhalten 600 Tassen in Akkordarbeit von einer Arbeiterin ihren Henkel und auf die gleiche Anzahl Tassen werden die Motive gemalt. Seit über 100 Jahren ist das "Hahn und Henne-Motiv" der Zeller Keramik als Geschirr-Dekor äußerst beliebt. Vielleicht weil die beiden Tiere geradewegs mit bäuerlicher Idylle assoziiert werden und gar vom fröhlichen Landleben künden? Dabei war es 1898 ein Werks-Dekormaler, der anlässlich der Geburt seiner Tochter Hahn und Henne auf Teller und Tassen malte und damit unbewusst die Romantik des zeitlosen Motivs gestaltete. Zweifelsohne spielt dieses Paar die dominante Rolle in der umfangreichen Produktpalette. Nach diesem Besuch wird das schon aus eigener Kindheit wohlbekannte Markenzeichen wohl mit anderen Augen gesehen.

Wenige Kilometer entfernt von Zell begibt man sich beim Besuch im Puppenmuseum im Kurort Nordrach auf eine Zeitreise, die ebenfalls zu einem Erlebnis für die Sinne wird und das bodenständige Leben der Schwarzwälder präsentiert. Gaby Spitzmüller, die persönlich die Gruppe durch die Ausstellung mit rund 30 Themen führte, hat fast alle der 2000 Pullen und Teddys selbst gefertigt. Hier lernt der Besucher den Werdegang einer Puppe kennen und spürt dabei, wie sich jemand mit den unverwechselbaren Eigenheiten der Menschen und der Landschaft im Kinzigtal intensiv beschäftigt hat.

Eine ganz neue Attraktion im Museum wurde geschaffen mit der Schuhmode über sechs Jahrhunderte. Sie spiegelt einen Streifzug durch die Kulturgeschichte der Schuhmode wider. Kaufläden, Puppenstuben und -küchen, Holz- und Blechspielzeug garantieren beim Rundgang, dass bei den Besucherinnen viel an eigenem Erleben und Spielen von einst lebendig wird. Spruch-Stickereien ergänzen die liebenswerten Zeugnisse alter Lebensweisheiten. Hier fällt es leicht, ein Stück Lebensfreude und Erinnerungen mitzunehmen. In der historischen Altstadt von Gengenbach, ebenfalls einer ehemaligen Reichsstadt, gab es altehrwürdige Gebäude zu bestaunen. In einem guten Miteinander und bei frohem Singen auf der Heimfahrt klang der gelungene Ausflugstag aus, für den sich Elsbeth Linsenmayer bei Ulrike Braun und Annegret Stolz für die Vorbereitung bedankte.

rr