Lokales

Besuche gegen Einsamkeit

Dass Menschen "wunderlich" werden, hat oft seine Ursache in psychischen Erkrankungen. Gerade im Alter führt dieses "Anderssein" zu Einsamkeit. Deshalb hat die Arbeitsgemeinschaft der acht evangelischen Krankenpflegevereine in Esslingen zusammen mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst für Alte Menschen (SOFA) des Landkreises einen neuen Besuchsdienst ins Leben gerufen.

KREIS ESSLINGEN Erstmals kooperieren diese Dienste. FUGE (Freiwillige unterstützen gerontopsychiatrisch erkrankte Esslingerinnen und Esslinger) wendet sich älteren Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu.

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Dass die Zahl dieser Menschen zunimmt, weiß Hartwig von Kutzschenbach, Leiter von SOFA. Gesellschaftliche Veränderungen andererseits bewirkten, dass die Familie weitaus weniger Unterstützung geben könne als früher und die professionellen Helfer mehr und mehr gefragt sind. "Wir können nur noch schwere Fälle langfristig begleiten", betont er die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements. Dafür werden jetzt ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht.

Bei den Krankenpflegevereinen kommen die mehr als 100 Männer und Frauen, die regelmäßig ältere Menschen besuchen, aber zunehmend an Grenzen, wenn die von ihnen betreuten Menschen psychische Auffälligkeiten zeigen. "Wir brauchen in solchen Fällen mehr Unterstützung", hat Barbara Schmid, Einsatzleiterin von FUGE, bemerkt. Künftig werden die Krankenpflegevereine ihre Kenntnisse aus den Besuchsdiensten sowie in der Begleitung von ehrenamtlichen Mitarbeitern in den neuen Besuchsdienst einbringen und die Einsatzleitung finanzieren, während SOFA sein Know-how im psychiatrischen Bereich beisteuert, so Roland Geltz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Krankenpflegevereine.

In regelmäßigen Schulungen, Fallbesprechungen und Supervisionen lernen die Mitarbeiter mit den Auswirkungen psychischer Erkrankungen umzugehen. Hartwig von Kutzschenbach ist die fachkundige Begleitung der Ehrenamtlichen wichtig, "damit keine Überlastung entsteht". Die Ehrenamtlichen allerdings können leisten, wofür den professionellen Helfern kaum noch Zeit bleibt, nämlich langfristige Beziehungen aufzubauen.

urh