Lokales

Betrieb als Gesamtorganismus

„Schmeck die Teck“: Biolandwirt Arnim Kächele liegt eine gesunde Bodenkultur in intakter Landschaft am Herzen

Die heimische Kulturlandschaft zu erhalten und daraus gesunde, hochwertige Lebensmittel anzubieten, dies hat sich der Verein „Schmeck die Teck“ auf seine Fahnen geschrieben. In einer lockeren Serie stellt der Teckbote seine Mitglieder vor. Heute: der Bioland Wiesenhof der Familie Kächele in Unterlenningen.

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richard umstadt

Lenningen. Fototermin am Albtrauf: „Komm, komm“, locken Renate und Arnim Kächele ihre Kühe. Die Braunscheckigen grasen im hintersten Winkel der Weide an der Hochwangsteige und sollen mit aufs Familienfoto kommen. „Komm, komm“. Die Tiere erkennen die vertrauten Stimmen, heben ihre behörnten Schädel und trotten he­ran.

Rinder sind das Kapital des Biolandhofes. Ihre Milch spült das Geld in die Kasse, ist die Haupteinnahmequelle. 50 Kühe besitzt die Familie Kächele, einen Zuchtbullen und 45 Jungrinder. Mit großen Agrarmaschinen wie im Norden und Osten der Republik ist hier in den extremen Hanglagen der Schwäbischen Alb nichts auszurichten. „Das ist für die Landwirtschaft eine der schwierigsten Ecken in ganz Baden-Württemberg“, sagt Arnim Kächele. Seine Wiesen sind übers ganze Tal verstreut von Brucken bis zur Grabenstetter Steige und manche liegen auch auf der Höhe in Richtung Engelhof. Auf 26 Hektar der insgesamt 70 Hektar großen Grünlandfläche stehen rund 1 200 Apfel-, Birnen- und Mirabellenbäumen. Daraus lassen die Kächeles in Neckartailfingen ihren eigenen Biolandsaft pressen. Freilich ist das nur möglich, weil die ganze Familie im Herbst bei der Obstlese zusammenhilft.

Der Apfel- und Birnensaft sowie der gemischte Apfel-Birnensaft ist ebenso in dem kleinen Hofladen von Renate Kächele zu haben wie Obst, Kartoffeln, Getreide, Mehl, Gemüse, Milch und Molkereiprodukte der Allgäuland Käsereien in Tübingen. Direkt und regional vermarktet haben die Kächeles ihre Bioland-Erzeugnisse bereits bevor sie 2004 dem Verein „Schmeck die Teck“ beitraten. Ihr Getreide lassen sie in der Mühle Sting mahlen, über den Biolandhof Gruel beliefern sie den Scholderbeck, auch die Bäckerei Bohnacker in Oberlenningen verarbeitet von ihnen Getreide und ihre Rinder und Kälber lassen sie von der Metzgerei Scheu + Weber in Owen schlachten. „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass unsere Kulturlandschaft erhalten wird und die Menschen sich darin wohlfühlen“, sagt Arnim Kächele, dem eine intakte Natur mit einer breiten Fauna und Flora am Herzen liegt. Deshalb befreit er auch eigenhändig den Sulzburghang immer wieder von Buschwerk. „Ich will den typischen Charakter des dortigen Halbtrockenrasens erhalten, damit wieder Blumen wachsen“, begründet der engagierte Biobauer sein Handeln in und für die Umwelt.

Arnim Kächele sieht seinen Betrieb als Gesamtorganismus. Als studierter Biolandwirt achtet er verstärkt auf einen gesunden Boden in einer intakten Landschaft. Deshalb hat er fünf Hektar seines rund 40 Hektar großen Ackerlandes Biotopen wie Hecken und Feuchtgebieten vorbehalten. Auf den restlichen 35 Hektar baut er Dinkel, Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Ackerbohnen, Kartoffeln und hauptsächlich Kleegras an.

Schon als Student an der Nürtinger Fachhochschule interessierte sich Arnim Kächele sehr für die Erhaltung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit. „Der Boden ist das Kernstück der Landwirtschaft“, lautet denn auch Kächeles Credo. Zu dieser Einstellung gelangte der Landwirtschaftsmeister während seiner Studentenzeit Anfang der 1980er, als der Bioland-Geschäftsführer Peter Grosch an der FH referierte und er an Treffen der Bioland- und Demetergruppen teilnahm. Den Wiesenhof, der gleich unterhalb der Sulzburg in den Spitzwiesen liegt, stellte Arnim Kächele 1987 vom konventionellen auf den Biolandbetrieb um. Wie viele andere Biolandbauern auch, wurde er damals belächelt. Inzwischen änderte sich die Einstellung zu dem ehemaligen Exoten, der seinen Kunden vor allem eines vermitteln will: „Sie unterstützen mit ihrem Einkauf im Hofladen nicht nur die Existenz der heimischen Landwirte, sondern auch den Erhalt dieser Wohlfühl-Landschaft am Albtrauf“.

Der Verein „Schmeck die Teck“ wurde am 4. April 2001 gegründet und zählt rund 20 Mitglieder. Vorsitzender ist Klaus Lang aus Ohmden, Geschäftsführerin Anne Rahm aus Köngen. Über sie sind weitere Informationen über den Verein zu erhalten unter der Telefonnummer 070 24/86 82 75 oder per Internet unter der Adresse Schmeckdieteck@web.de. Infos über den Bioland Wiesenhof sind unter 0 70 26/24 28 zu erhalten. Der Hofladen hat dienstags von 18 bis 19 Uhr, donnerstags von 16 bis 17.30 Uhr und samstags von 9.30 bis 12 Uhr geöffnet.