Lokales

Betriebe setzen auf Nachwuchssicherung

Die Agentur für Arbeit Göppingen sieht einen Silberstreif am Horizont des Ausbildungsmarktes

„Einen ersten vorsichtigen Blick“ wagte Bettina Münz, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Göppingen auf die Halbjahresbilanz zum Ausbildungsstellenmarkt 2007/08. Gleichzeitig wollte sie einen Anstoß geben, sich zu „bewegen“, und meinte damit sowohl Arbeitgeber als auch Lehrstellensuchende.

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Rudolf stäbler

Göppingen. Mit vorsichtigem Optimismus stellte Bettina Münz dabei fest, dass die anhaltend positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt auch auf den Ausbidungsmarkt durchschlägt. So zeichnet sich in diesem Jahr eine deutliche Zunahme bei den gemeldeten Ausbildungsstellen ab. Ende März waren mit 4592 Ausbildungsstellen der Berufsberatung 17,5 Prozent oder 684 Stellen mehr gemeldet als im März 2007. Dabei schnitt der Landkreis Esslingen (+19,5 Prozent) besser ab als der Landkreis Göppingen (+ 14,3 Prozent). Die Geschäftsführerin ist sich sicher, dass bei den Betrieben erkannt werde, dass eine Sicherung des Nachwuchses unbedingt notwendig ist.

Dem deutlich höheren Stand an Ausbildungsstellen standen 4329 Bewerber entgegen, das sind 1161 oder 21,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Landkreis Göppingen: -16,6 Prozent, Landkreis Esslingen: -24,0 Prozent. Bewerber sind die Jugendlichen, die die persönliche Vermittlung der Berufsberatung in Anspruch nehmen und über die notwendige Ausbildungsreife verfügen.

Mit als Grund für den Bewerberrückgang gilt, dass sehr viele Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden Schulen sich für einen weiterführenden Schulbesuch an beruflichen Vollzeitschulen interessieren, in der Hoffnung auf Verbesserung ihrer beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten. Der Rückgang ist auch mit auf die geringere Zahl der Schulabgänger im laufenden Schuljahr, insbesondere der Sekundarstufe 1, zurückzuführen. Zunehmend wurde bei der Agentur für Arbeit eine steigende Akzeptanz neuer berufsbildender Schulen wie etwa dem Berufseinstiegsjahr festgestellt. Dadurch, dass die Agentur im letzten Herbst wieder zusätzliche außerbetriebliche Ausbildungsplätze für benachteiligte Jugendliche und Altbewerber zur Verfügung gestellt hat, treten diese ebenfalls nicht mehr als Bewerber auf.

Doch Bettina Münz warnte in der Pressekonferenz vor zu viel Optimismus. Wenngleich sich das Verhältnis der Ausbildungsstellen zu Bewerbern zum Halbjahr weitaus günstiger darstelle (1,1 Stellen pro Bewerber) als im Herbst 2007 (0,74 Stellen pro Bewerber), bleibe dennoch abzuwarten, wie sich der Ausbildungsmarkt zum Ende des Berichtsjahres, also zum 30. September entwickle. Sie ist sich sicher, dass viele Jugendliche in den Sommerferien ihre Bewerbungsaktivitäten nochmals verstärken werden, wenn sie ein neues und in vielen Fällen erfahrungsgemäß auch besseres Abschlusszeugnis in den Händen halten. Der „Run“ auf die guten Bewerber wurde von den Arbeitgebern bereits gestartet, sind sich die Fachleute der Agentur einig.

Unter der Voraussetzung, dass der positive Trend anhält, könne prog­nostiziert werden, dass die Anzahl von 5000 gemeldeten Ausbildungsstellen in diesem Jahr erreicht oder sogar übertroffen wird. Gelinge dies, sei der Ausbildungsstellenmarkt als quantitativ ausgeglichen zu bezeichen. Geschäftsführerin Bettina Münz: „Ich sehe einen Silberstreif am Horizont des Ausbildungsmarktes.“

Trotz allem erfordern die demografischen Rahmenbedingungen eine Steigerung der Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Viele Unternehmen haben dies erkannt und bilden über den Eigenbedarf hinaus aus. Die Bundesagentur appelliert besonders an ausbildungsberechtigte Unternehmen, die bisher nicht ausbilden, Ausbildungsplätze zu schaffen, weil nur so der Fachkräftebedarf in der Zukunft gedeckt werden kann. Ausbildungsverbünde zwischen kooperierenden Unternehmen beziehungsweise Kommunen und Wirtschaftsunternehmen sind ein guter Weg zur Schaffung zusätzlicher und qualifizierter Ausbildungsmöglichkeiten.

Die Berufsberatung der Agentur arbeitet gemeinsam mit ihren Partnern wie zum Beispiel Industrie und Handelskammer und Kreishandwerkerschaft auf die Besetzung und Angebote für Ausbildungsstellen hin. Ausbildungsbetriebe die noch frei Stellen haben können diese unter der Hotline 0 18 01/66 44 66 melden.