Lokales

"Betrüger haben im Kreis eigentlich keine Chance"

Die Kriminalstatistik des Jahres 2004 präsentierte die Polizeidirektion Esslingen gestern in einem Pressegespräch. Kriminaldirektor Helmut Mauderer musste zwar von einem Anstieg der Straftaten berichten, konnte aber zugleich darauf hinweisen, dass auch die Aufklärungsquote gesteigert werden konnte.

RUDOLF STÄBLER

Anzeige

KREIS ESSLINGEN Einen Anstieg um 2900 Straftaten gegenüber dem vergangenen Jahr, auf nunmehr 25 719 Fälle in 2004, verzeichneten die Statistiker der Polizeidirektion Esslingen für den Landkreis. Dadurch entstand ein so genannter Kriminalitätsschaden von 94 Millionen Euro. Der deutliche Anstieg von 12,7 Prozent liegt nach den Erkenntnissen der Polizei vor allem an der Zunahme der Roheitsdelikte und der Vermögens- und Fälschungsdelikte. 15 100 der im Landkreis polizeilich registrierten Straftaten konnten allerdings aufgeklärt werden, was einer Steigerung der Aufklärungsquote gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent, auf jetzt 58,7 Prozent entspricht. Die Kriminalitätsbelastung pro 100 000 Einwohner im Landkreis lag im Jahr 2004 bei 5028 und damit erneut deutlich unter dem Landesdurchschnitt.

Kriminaldirektor Mauderer freute sich natürlich darüber, dass es seinen Beamten gelang, im Berichtsjahr 10 197 Tatverdächtige zu ermitteln, was einem Plus von 6,5% entspricht. Seit zwei Jahren erstmals wieder angestiegen ist dabei der Anteil tatverdächtiger Kinder, wogegen bei den Jugendlichen ein leichter Rückgang zu verzeichnen war. Weiter gesunken ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger auf nunmehr 34,4 Prozent. Dies bedeutet laut Bericht den niedrigsten Stand seit 15 Jahren.

Aufgeteilt ist die Kriminalitätsstatistik in die einzelnen Deliktbereiche. Im vergangenen Jahr kam es bei den sogenannten Straftaten gegen das Leben zu 21 versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten, was einer Steigerung von fünf Fällen gegenüber 2003 bedeutet. Mauderer konnte hierbei seine Beamten loben: "Die Aufklärungsquote in diesem sensib-len Bereich betrug 100 Prozent".

Bei den Sexualdelikten gab es mit 237 sechs Fälle mehr als 2003. 185 der entsprechenden Anzeigen konnten aufgeklärt werden. In diesem Deliktsbereich rechnet die Polizei jedoch mit einer hohen Dunkelziffer. Erfahrungsgemäß scheuen sowohl Geschädigte als auch Zeugen bei Sexualdelikten den Gang zu den Ermittlungsbehörden.

Stark zugenommen haben die Fälle im Bereich der Roheitsdelikte. Wurden 2003 noch 2008 Anzeigen wegen Körperverletzung sowie Delikten gegen die persönliche Freiheit erstattet, stieg die Anzahl der Fälle in 2004 auf 2383, was einer Steigerung von 18,7 Prozent entspricht. In 2200 Fällen gelang es Esslinger Beamten, Tatverdächtige zu den Anzeigen zu ermitteln. Rückläufig dagegen sind im Bereich der Roheitsdelikte Raubüberfälle.

Als traditionell bezeichnete der Kriminaldirektor, dass die Diebstahls-kriminalität den größten Anteil aller Straftaten ausmache. Immerhin liegt die Quote bei 37 Prozent. Einen minimalen Rückgang verzeichnete die Polizei bei den Ladendiebstählen. 2296 Anzeigen wegen dieses Delikts wurden polizeilich aufgenommen. 2078 aufgeklärte Anzeigen entsprechen einer Quote von 90,5 Prozent. Diese hohe Aufklärungsquote kommt allerdings dadurch zu Stande, da Ladendiebstähle in der Regel nur angezeigt werden, wenn die Täter dazu bekannt sind. Wieder etwas sicherer können sich Fahrradbesitzer fühlen. Gleich um 15,1 Prozent gab es weniger registrierte Fälle. Zugenommen haben dagegen die Kraftfahrzeugaufbrüche. Schlugen im Jahr 2003 die Täter 820 mal zu, waren es nunmehr 890 Aufbrüche, was einer Steigerung von 8,5 Prozent entspricht. Auf die verbesserten Diebstahlsicherungen der Hersteller führt die Polizei den Rückgang bei Diebstählen von Kraftwagen zurück. 35 entwendete Kfz bedeuten einen Rückgang von immerhin 32,7 Prozent.

Bei den Wohnungseinbrüchen, hier liegt der Schwerpunkt im Filderraum, gab es einen satten Anstieg von 44,7 Prozent. Bei diesem Deliktfeld liegt die Aufklärung gerade mal bei 14,4 Prozent. Bei den Einbrüchen verursachten die Täter zudem noch einen Sachschaden von fast 835 000 Euro.

Geradezu drastisch zugenommen haben die Fallzahlen im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte (Betrug, Veruntreuung, Unterschlagung, Urkundenfälschung sowie Insolvenzstraftaten). Eine Steigerung um 46,8 Prozent bedeute, so Kriminaldirektor Mauderer, ein Novum in diesem Deliktsbereich. 5712 Anzeigen wurden im Erfassungszeitraum auf den Dienststellen der Polizei im Landkreis aufgenommen. Die Statistiker registrierten Anstiege in allen Bereichen. Insbesonders Beförderungserschleichung in Verkehrsbe-trieben, Abrechnungsbetrügereien sowie Unterschlagungen und Urkundenfälschungen hatten stark zugenommen. Ein Grund, so wird in Polizeikreisen vermutet, sei wohl die momentan schlechte wirtschaftliche Lage. Die hohe Aufklärungsquote von 83,3 Prozent zeugt von der enormen Leistung der Sachbearbeiter, stellte Mauderer in der Pressekonferenz heraus. "Ein Betrüger hat bei uns eigentlich keine Chance."

Auch im Bereich der Rauschgiftkriminalität kam es in 2004 zu einer Zunahme der Ermittlungsverfahren. Beamte der Esslinger Direktion leiteten im abgelaufenen Jahr 1176 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz ein. Dies bedeutet eine Zunahme von immerhin 23,5 Prozent. Auch hier kann man bei der PD Esslingen auf eine erfreuliche Aufklärungsquote von 97,1 Prozent hinweisen. Grund hierfür ist die erneute Verstärkung der Fahndungs- und Ermittlungstätigkeit der Beamten des Zentralen Rauschgiftdezernats sowie der Rauschgiftfahndungstrupps der einzelnen Reviere. So gelang es auch erneut, die Entstehung einer offenen Rauschgiftszene im Kreis Esslingen zu verhindern. Auf Grund der bei den Ermittlungen gewonnenen Erkenntnisse stellen die Drogenfahnder einen Trend zu weichen Drogen fest. Zurzeit werden von den Abnehmern hauptsächlich Marihuana und Haschisch konsumiert. Die Beamten konnten Drogen im Gesamtwert von rund 150 000 Euro sicherstellen. Zusätzlich konnte bei Tatverdächtigen Dealergeld in Höhe von fast 35 000 Euro gefunden werden. Traurige Bilanz der Drogensucht: Im Kreis verstarben zehn Männer, der jüngste war 19, der älteste 45 Jahre alt.

Seit mehreren Jahren sind bei der PD Esslingen zwei Finanzermittler tätig. Ihre Aufgabe ist es, bei Tatverdächtigen Geld, Fahrzeuge, Schmuck oder andere Wertgegenstände sicherzustellen, die aus Straftaten stammen. 2004 konnten die beiden Kriminalbeamten eine Summe von über 546 000 Euro abschöpfen.

Immer mehr an Bedeutung gewinnt bei der Polizei im Land der Bereich der Kriminalprävention. Bereits seit mehreren Jahren engagiert sich die PD Esslingen gemeinsam mit vielen kommunalen und privaten Partnern mit mehreren äußerst erfolgreichen Projekten auf diesem Gebiet. So gab es 2004 insgesamt 116 Veranstaltungen und damit wurden 23 700 Besucher erreicht. Präventionsmodelle können jederzeit aus dem Internet auf der Homepage der Polizeidirektion Esslingen entnommen werden. Die Adresse hierfür lautet: www.polizei-esslingen.de