Lokales

Betrügerische Immobiliengeschäfte

Banken in großem Stil geschädigt

Ein 39-jähriger Immobilienkaufmann aus Wernau sitzt zusammen mit zwei Kaufleuten und einem Steuerberater auf der Anklagebank der 13. Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts. Der 39-Jährige soll vor rund neun Jahren in einem betrügerischen Immobiliengeschäft mit überteuerten Eigentumswohnungen verschiedene Banken um 1,7 Millionen Euro betrogen haben.

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BERND WINCKLER

Wernau. Der Trick, schnell zu Bargeld zu kommen, ist bei dem sogenannten „Kick-back“-Verfahren im Immobilienbereich recht einfach: Neun Jahre nach der Wende, im Jahre 1998, sollen die Angeklagten in einer zuvor gegründeten Bürogemeinschaft in Erfurt preisgünstige Altbauwohnungen aufgekauft haben. Als Abnehmer für diese Immobilienobjekte wurden dann Interessenten gesucht, die man im Kreis hoch verschuldeter Familien in Süddeutschland und in der Schweiz fand. Den Angeklagten wird nun vorgeworfen, sie hätten den Interessenten die Wohnungen zu einem weitaus höheren Preis, meist um das Doppelte, verkauft, als sie selbst investiert hatten. Man ließ die Wohnungen durch Banken finanzieren, und habe, so die Anklage weiter, die Banken über die wahre finanzielle Situation der Käufer getäuscht, indem man die „Selbstauskünfte“ schlicht gefälscht hatte. Eigenkapital sei erfunden worden, Verbindlichkeiten und Schulden verschwiegen, sagt die Anklage.

Die Banken gewährten die Darlehen für 28 solcher Eigentumswohnungen und zahlten an den mitangeklagten Steuerberater, der auch die Kaufverträge beurkundete, jeweils die Gelder aus. Die Differenzen zwischen tatsächlichem Wert der Immobilie und der Überfinanzierung sollen die Beschuldigten dann für sich einbehalten haben. Schließlich hätten die Käufer die Darlehens-Tilgungen nicht aufbringen können. Die Banken mussten die Objekte zwangsversteigern. Dabei sei zumindest ein Gefährdungsschaden in Höhe von 1,7 Millionen Euro entstanden.

Die vier Angeklagten, die sich auf freiem Fuß befinden, wollen erst am nächsten Prozesstag, am Mittwoch, 21. Oktober, zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Die 13. Große Wirtschaftsstrafkammer hat Verhandlungs-Fortsetzungen bis Ende November terminiert.