Lokales

Bewährtes Lebenselixier

Er gilt als des Schwaben Nationalgetränk und bewährtes Lebenselixier schlechthin: Der eigene "Moscht". Was die Streuobstwiesen zwischen Teck und Käppele im vergangenen Jahr in flüssiger Form hergaben, unterlag der Prüfung bei der 9. Mostprämierung des Obst- und Gartenbauvereins in der Dettinger Schlossberghalle.

DETTINGEN Stolze 48 heimische Erzeugnisse aus dem Fass beanspruchten alle Sinne der sieben Juroren. Der überwiegende Teil der meist guten oder zufriedenstellenden vergorenen Säfte landete verkostungsüblich im so genannten Spuckeimer. Doch ab und zu bekam auch die lechzende Kehle einen ordentlichen Schluck vom verdienten Nass ab. Zuvor kamen allerdings das Aussehen und die Blume ins Visier. Die versierten Dettinger Mostverkoster durften viele Merkmale berücksichtigen: Farbe, Konsistenz, Stärke, Struktur, Körper, Nachhaltigkeit, Duft und den gesamten Geschmackskomplex gab es zu analysieren. Aromakreislauf nennt es der Fachmann wissend.

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Die Jury mehr oder weniger mit dem Metier vertraut war anfangs zwar etwas wortkarg, fand aber im Verlauf der Degustation passende Worte. Der sensorische Marathonlauf über 48 Mostetappen lockerte die Sinne und auch die Zunge. Mostprämieren ist eine ernstzunehmende und durchaus schwierige Angelegenheit. Während die Zuschauer mit pelziger Zunge auf dem Trockenen saßen, konnte anhand der Gesichtsmimik der sieben Bewerter einigermaßen eingeschätzt werden, wohin der Degustationsdaumen zeigt. Spätestes als Probe Nummer 23 das Glas füllte und den Gaumen beflügelte (bei der Bewertung Platz 2), ging ein glückseliges Raunen durch die Runde. Beim Endspurt waren leuchtende Augen, rosige Wangen und Kopfnicken angesagt. Moste, die offensichtlich allgemein überzeugten.

"Mosttrinker sind fröhliche Menschen", meinte der Vorsitzende Walter Hettenbach bei der Prämierung der edelsten heimischen Erzeugnisse. Doch ein Wermutstropfen sei unbestreitbar. Die Pflege der örtlichen Gütle werde immer schwieriger und der Preis für das Mostobst liege am Boden. Jury-Mitglied Dr. Hagmann lobte im Resümee die hohe Qualität der Dettinger Moste. "Ich hätte glatt 14 Proben für den ersten Platz nominiert", versicherte der geschulte Sensoriker als ausgewiesener Fachmann, denn Geruch, Geschmack und spritzige Säure hätten harmoniert. Auch das breite Mittelfeld habe ihn überzeugt.

Die Sieger der 9. Dettinger Mostprämierung: 1. Wolfgang Kiedaisch, 2. Gabriele Kast, 3. Gottlob Hummel, 4. Ernst Gökeler, 5. Stefan Ott. Das "trinkfeste" Jurorenteam bildeten: Altbürgermeister Günter Fischer, Lebensmittel-Ingenieur Dr. Hagmann, Bürgermeister Rainer Haußmann, MdB Michael Hennrich, Kellermeister Fritz Thumm, Edelmostbrenner Erich Sigel sowie Rudolf Thaler, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Bissingen.

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