Lokales

"Bewegtes Gefüge" und "Passage"

KIRCHHEIM Unübersehbar vor dem Haupteingang des Kirchheimer Kreiskrankenhauses platziert, begegnet man Reinhard Scherers 1989 entstandener Stahlplastik "Bewegtes Gefüge". Im Gegenüber mit der fast

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FLORIAN STEGMAIER

zehn Meter hohen Skulptur fühlt man sich an Umberto Boccionis Forderung erinnert, demzufolge einer Plastik die Aufgabe und Eigenschaft zukommt, den sie umgebenden Raum einzuschließen und mitzuformen.

Der Eindruck, Reinhard Scherer habe hier ein Objekt fragmentarisch aufgebrochen und die Einzelteile in einen labilen, bewegungsreichen Kontext zueinander gesetzt, verhilft dem Werk zu einer spannenden Binnendynamik. Eine weitere Arbeit Scherers "Figur in Aktion" die in ihren Abmessungen zwar bescheidener, jedoch an Dynamik nicht ärmer ist, findet sich in der Innenstadt in der Metzgerstraße, Ecke Dreikönigsstraße. Der 1948 in Wangen im Allgäu geborene Reinhard Scherer war 1980 Stipendiat der Kunststiftung des Landes Baden-Württemberg, er lebt und arbeitet in Alfdorf-Pfahlbronn.

Nur wenige Meter entfernt, steht auf der Grünfläche an der Eugenstraße die "Passage" von Josef Nadj, eine virtuos gearbeitete Skulptur, die den Betrachter regelrecht zum Ertasten und Erfühlen des Materials einlädt. Deutlich ist dabei der Gegensatz zwischen der polierten, unter enormer Binnenspannung stehenden gewölbten Innenfläche und der naturbelassenen Oberfläche des Granitblocks. "Die sanften Wölbungen und Keh-lungen der Flächen", so der Künstler selbst, "lassen an Organisches denken, ohne dass sich die Gesamtform eindeutig im Sinn eines menschlichen Torsos klären ließe."

Foto: Jean-Luc Jacques