Lokales

Bewegung als "Medikament des Jahrhunderts"

Wenn es um Abnehmen, Bewegung und Gesundheit geht, scheinen die Teckboten-Leser rundum gut informiert zu sein. Nur wenige hatten bei der Telefonaktion, die die AOK und der Teckbote im Rahmen von "PfundsFit" anboten, Fragen an die Experten. Informationsbedarf gab es vor allem im Bereich Sport.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM

IO:12010601.JP_An den Telefonen saßen die Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Anneliese Albrecht und der Sport-Pädagoge Friedemann Serr von der AOK Kirchheim-Nürtingen sowie Dr. Thomas Löffler, Internist und Spezialist für Sport- und Ernährungswissenschaft. Die Anrufer bei der Aktion interessierten sich in erster Linie für den Bereich Sport: "Ich spiele Volleyball und Fußball, nehme aber trotzdem nicht ab", klagte ein Mann darüber, dass bei ihm trotz sportlicher Aktivität die Pfunde nicht purzeln wollen.

"Da stellt sich natürlich die Frage, wann man Fett verbrennt und wann nicht", sagte Friedemann Serr. "Beim Volleyball zum Beispiel bewegt sich der Sportler meist nur für kurze Zeit, dann steht er auch mal wieder für eine Weile auf dem Feld herum." Auf diese Weise verbrenne der Körper nur wenig Fett. Viel besser geeignet seien dagegen Ausdauersportarten wie etwa Jogging, Walking oder Radfahren. Serrs Empfehlung an den Anrufer lautete daher auch: "Zusätzlich Ausdauersport betreiben."

Zu viel des Konditionstrainings allerdings ist auch nicht gut, wie Dr. Thomas Löffler betonte: "Drei Mal die Woche eine halbe Stunde genügt am Anfang." Wer bereits ein Jahr nach Trainingsbeginn einen Marathon laufe, plage sich später häufig mit Gelenks- und Sehnenbeschwerden herum. "Herz und Kreislauf gewöhnen sich nämlich schneller an die Belastung als der Muskel- und Sehnenapparat."

Wer wie der Anrufer trotz Sports seine überflüssigen Pfunde nicht los wird, sollte Anneliese Albrecht zufolge einmal genau hinschauen, was er isst und trinkt. "Zahlreiche Menschen nehmen nämlich zu viele versteckte Fette zu sich", weiß die Ernährungswissenschaftlerin. So viel Sport, dass sich ein Gewichtsverlust trotz hohen Fettkonsums einstelle, könnten Betroffene gar nicht betreiben. Wer sein Gewicht also reduzieren möchte, sollte laut Albrecht genau hinschauen und nach dem Sport möglichst auch auf das Bier verzichten: Mit zwei Hefeweizen sei der Kalorienverlust durch die Bewegung längst wieder zunichte gemacht.

Eine ältere Anruferin, die eine größere Knie-Operation hinter sich hat, erkundigte sich nach ihren Möglichkeiten, Sport zu treiben. Den Experten zufolge sind hier vor allem Nordic Walking und Radfahren oder Aqua Jogging als besonders gelenkschonende und entlastende Sportarten gefragt. Wer mit normalen Gruppen nicht mithalten kann, sollte sich zunächst einmal Einzelunterricht gönnen, der speziell auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Dass eine gewisse Zurückhaltung beim Thema Übergewicht sich nicht auf die Telefonaktion beschränkte, sondern durchaus auch im Praxisalltag üblich ist, bestätigte Dr. Thomas Löffler. "Die meisten übergewichtigen Menschen wollen gar nicht darüber sprechen", berichtete der Kirchheimer Internist. Dabei könnte ihm zufolge das Risiko von Folgekrankheiten wie Bluthochdruck, Gicht, Arthrose und Diabetes durch eine Gewichtsabnahme entscheidend gesenkt werden. Allerdings sollten bei Diäten jedoch auf keinen Fall Medikamente an erster Stelle stehen, sondern richtige Ernährung, Entspannung und Bewegung, denn: "Bewegung ist das Medikament des Jahrhunderts", so Löffler. Diese Erkenntnisse ließen sich in der Bevölkerung jedoch leider nur schwer durchsetzen.