Lokales

Biergarten-Boykott in der Innenstadt

Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und Temperaturen um die zwanzig Grad locken nach draußen. Die Eis- und Straßencafé-Saison hat begonnen, und vor den Cafés und Bars in Nürtingen herrscht gähnende Leere: 13 Gastronomen protestieren mit einem Biergarten-Boykott gegen die von der Stadt verhängte Gebührenerhöhung für die Außenbewirtschaftung.

CATHERINE SIMON

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NÜRTINGEN In der vergangenen Woche hat der Nürtinger Gemeinderat neue Öffnungszeiten für Gartenwirtschaften gebilligt. Von 22.45 Uhr rückt die Sperrstunde sonntags bis donnerstags auf 23.30 Uhr; freitags und samstags sogar auf 24 Uhr. Studenten und Nachtschwärmer jubelten über die Liberalisierung der Öffnungszeiten, die Nürtingen einen Hauch von südlichem Flair und die Atmosphäre einer Studentenstadt bringen sollen.

13 Nürtinger Gastronomen dagegen jubeln nicht. Gleichzeitig sind nämlich die Sondernutzungsgebühren für die Außenbewirtschaftung angehoben worden. Im letzten Jahr ist die betreffende Satzung zum vierten Mal geändert worden. Die Gebühren werden von der Stadt erhoben, wenn ein Restaurant auf einem öffentlichen Platz oder einer Straße Tische und Stühle aufstellen möchte. Sie richtet sich nach der Restaurantgröße und der jeweiligen Lage.

Ab dem 1. März dürfen die Cafés und Bars Stühle vor ihr Lokal stellen und auf sonnenhungrige Gäste warten. Kurz davor müssen sie genau das beim Rathaus jedoch beantragen, und normalerweise ist die Genehmigung samt Rechnung innerhalb von zwei Tagen wieder da. Der Erste, der in diesem Jahr den Antrag gestellt hat, war Horst Bauer vom Café Zimmermann. Mit Schrecken musste er feststellen, dass die Gebühren um fast 20 Prozent erhöht wurden.

In Wendlingen müssen gar keine Gebühren gezahlt werden, in Kirchheim wurden die Gebühren halbiert und in Nürtingen erhöht. "Straßencafés bringen der Stadt doch nicht nur Geld ein, sondern sie sorgen für ein schönes Flair und beleben die Innenstadt", erklärt Horst Bauer: "Die Kosten für Energie und Material sind ebenso gestiegen wie die Berufsgenossenschafts- und Versicherungsbeiträge sowie die Steuern. Dazu kommen Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent." Der Kostendruck für Gastronomen ist seiner Meinung schon hoch genug. Und dazu käme noch die Erhöhung der Gebühren.

Aus diesem Grund wurde die Interessengemeinschaft der Straßencafébetreiber in der Nürtinger Innenstadt gegründet. Gemeinsam haben 13 Cafés, Pizzerien und Bars einen Brief an Oberbürgermeister Otmar Heirich geschickt, in dem sie darum bitten, die Preiserhöhung noch einmal zu überdenken.

"Eigentlich wollten wir diese Woche unser Straßencafé aufmachen. Die Kunden fragen auch immer wieder nach, warum es noch nicht offen ist, und so müssen wir ihnen erklären, dass wir noch auf die Entscheidung der Stadt warten , erklärt Horst Bauer. "Es geht nicht, dass es überall billiger ist als in Nürtingen. "Die Außenwirtschaft ist für uns auch kein reines Zusatzgeschäft. Wir haben zusätzliche Kosten für Personal und meist verlagert sich die Kundschaft einfach von innen nach außen", erklärt der Café-Betreiber.

Im Moment sind sich noch alle Mitglieder der Interessengemeinschaft einig, den Außenbetrieb vorerst ruhen zu lassen. Die Frage ist nur, wie lange sie das durchhalten können und was die Nürtinger Bürger davon halten. "Bis jetzt haben wir mit dem neuen Oberbürgermeister nur gute Erfahrungen gemacht", betont Horst Bauer. Daher hat die Interessengemeinschaft auch um einen Termin bei OB Heirich gebeten; sie hoffen, dass die Sache bald über den Tisch ist. Genau das hoffen viele Sonnenanbeter und eifrige Café-Gänger ganz bestimmt auch.