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"Bilderbuch"-Broschüre ermöglicht Quellenstudium

Ein "Bilderbuch" haben Rosemarie Reichelt und Rainer Kilian zum 60. Jahrestag des Kriegsendes zusammengestellt. Darin sind keine überlangen "Aufsätze" zu finden, sondern viele Dokumente und Fotos aus der Zeit zwischen 1923 und 1946. Übergeordnete Themen sind der Nationalsozialismus und das Kriegsende in Kirchheim.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM "Das Buch ist vor allem für Schüler gedacht", sagt Rosemarie Reichelt zum Ansatz der Broschüre "60 Jahre Kriegsende Kommentierte Zeitzeugnisse zum Nationalsozialismus und Kriegsende". Finanzielle Unterstützung gab es für das 136 Seiten umfassende Werk aus dem Hause GO Druck Media Verlag unter anderem vom Kirchheimer Schul-, Kultur- und Sportamt sowie von der Fickerstiftung, "weil es auch Unterrichtsmaterial sein soll". 200 der 750 Exemplare sind für Kirchheimer Schulen reserviert.

Rainer Kilian nannte gestern bei einem Gespräch über den druckfrischen Geschichtsband einen der entscheidenden Vorteile dieser Broschüre: "Einzelne Dokumente, die sonst nur im Archiv liegen, werden erstmals öffentlich zugänglich gemacht." Vor zehn Jahren ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende waren viele dieser Zeitzeugnisse im Rahmen einer Ausstellung in der Kreissparkasse zu sehen. Die aktuelle Broschüre ist sozusagen der Katalog zur damaligen Ausstellung.

In Einzelfällen seien noch "ein paar Sachen" hinzugekommen, die 1995 noch nicht bekannt waren, bemerkt Rosemarie Reichelt. Andere Dokumente wiederum hätten nicht in die Broschüre aufgenommen werden können, "weil gar nicht alles unterzubringen war". Das Format entspricht demjenigen der Schriftenreihe des Stadtarchivs. Bei einigen schriftlichen Dokumenten war es folglich nicht ganz einfach, diese lesbar abzudrucken. Andererseits geht von den Reproduktionen der Briefe auf teilweise zerknittertem Papier ein nicht zu unterschätzender Hauch des Authentischen aus.

Thematisch reicht die Auswahl der Dokumente von den ersten Aufmärschen der Nazis im Jahre 1923 bis hin zur "Entnazifizierung", zum Wiederaufbau und der Aufnahme von Flüchtlingen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ähnlich wie in der derzeitigen Teckboten-Serie geht es Stadtarchivar Rainer Kilian nicht nur um das Ende, sondern auch um die Ursache für den Krieg, der spätestens mit der "Machtergreifung" 1933 programmiert war.

Diese Zusammenhänge aufzuzeigen und für nachwachsende Generationen zu bewahren, ist das Hauptanliegen der Broschüre. So schreibt Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker in der Vorbemerkung: "Damit steht weiterhin wichtiges Material zur Verfügung, das auch Jugendlichen eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ermöglicht." Die Lektüre der Quellen biete "sehr viel Nachdenkliches".

INFODie Broschüre "60 Jahre Kriegsende" kostet fünf Euro und wird am heutigen Freitag ab 19 Uhr in der Martinskirche am Rande der öffentlichen Gedenkveranstaltung zum Kriegsende in Kirchheim verkauft. Ab Montag ist sie im Stadtarchiv, in der Stadtbücherei, im Museum, bei der Stadtinfo, am Schalter des Teckboten sowie im Kirchheimer Buchhandel erhältlich.