Lokales

"Bildung als Quelle des Wohlstands"

Im Rahmen der Goldenen Oktobertage präsentierte der Kirchheimer BDS nach fünfjährigem Bestehen seine erste Leistungsschau in und um die Sporthalle Stadtmitte. Zwei Tage stellten sich bei der "High-Teck"-Messe 40 Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen vor. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch die Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg, Annette Schavan.

RUDOLF STÄBLER

Anzeige

KIRCHHEIM Wolf-Rainer Bosch, der Vorsitzende des Kirchheimer Bundes der Selbstständigen (BDS), freute sich über den prominenten Gast in der Aula der Alleenschule, "der dem Ganzen noch einen besonderen Glanz verleihe." Die Ministerin passte sich in ihrer Rede dann auch dem Thema der zweitägigen Ausstellung an und bezeichnete die "Bildung als die Quelle des Wohlstandes." Bosch betonte in seiner kurzen Ansprache, dass mit dieser ersten Leistungsschau für ihn und alle Mitglieder ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen sei. Gezeigt wurde eine Leistungsschau mit 40 Betrieben aus den unterschiedlichsten Branchen. Der "Hausherr" vergaß in seiner Eröffnungsrede nicht, sich bei Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker für deren tatkräftige Unterstützung zu bedanken. "Ohne Sie wäre das Ganze wohl nicht auf die Füße zu stellen gewesen", betonte Bosch. Nach langer Suche für die Ausstellungsfläche ist nur die Sporthalle Stadtmitte übrig geblieben. Da diese Lösung für die Sportvereine mit erheblichen Einbußen verbunden ist, sprang Frau Matt-Heidecker ein, indem sie bei den Vereinen um Verständnis geworben hatte. Abschließend blickte Bosch auch gleich noch in die Zukunft. Der BDS-Vorsitzende kann sich durchaus eine Wiederholung dieser Leistungsschau "High-Teck" vorstellen.

Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker gab den Dank in ihrem Grußwort gleich wieder an den BDS zurück. Das Wachstum und Werden in der Stadt spiegle sich im Bund der Selbstständigen wider. Seit seiner Gründung im Jahr 1999 habe sich der Verein mit viel Engagement in die Stadt eingebracht. Als einen weiteren Höhepunkt in der Arbeit des BDS bezeichnete sie diese Leistungsschau. "Ihre Veranstaltung zeugt von viel Selbstbewusstsein." Ziel des Vereins sei es immer gewesen, sich nicht an der allgemeinen "Mießmacherei" zu beteiligen, sondern das Selbstvertrauen zu fördern. Die Oberbürgermeisterin erinnerte auch daran, dass der Mittelstand zu zwei Dritteln die Wirtschaft trage. "Mit ihnen zusammen ist es mir um die Stadt Kirchheim nicht bange" waren ihre aufmundernden Schlussworte.

Die Präsidentin des BDS-Landesverbandes Dorothea Störr-Ritter sprach in ihrem Grußwort von einem Novum in Kirchheim. Damit meinte sie allerdings nicht die Ausstellung, sondern die Besetzung des Podiums. Drei Frauen und ein Mann waren da vertreten und sie sah darin die Chance, allen deutlich zu machen, dass auch Frauen etwas vom Mittelstand verstehen würden. Und gerade vom Mittelstand sei der Wohlstand in Baden-Württemberg gekommen, "der ist nämlich nicht vom Himmel gefallen, der wurde hart erarbeitet." Die Selbstständigen hätten die Zeichen der Zeit erkannt und seien auch bereit weiterzukämpfen und ihre Leistung zu zeigen. "Und wir Selbstständigen kümmern uns auch um die Ausbildung der Jugendlichen", gab sie das Stichwort für Kultusministerin Annette Schavan.

Diese hatte ihre Eröffnungsrede unter den Leitsatz "Bildung als Quelle des Wohlstands" gestellt. Baden-Württemberg spiegle die Geschichte eines Erfolgs wider, getragen durch einen starken Mittelstand und die Handwerksbetriebe. "Aber jetzt stehen wir in der Krise und ich sehe viel Ratlosigkeit, zumal diese Krise auch große Konsequenzen für das soziale Netz hat." Klare und deutliche Sätze erwarte sie jetzt von der Politik und forderte auch die Selbstständigen auf, jetzt sehr genau nach Stärken und Schwächen zu sehen. Und neue Chancen eröffnen könne man nur durch Lernen, stellte die Ministerin heraus. Es müsse sich ein Bildungshunger entwickeln, wobei sie klar herausstellte, dass Bildung nicht erst in der Schule beginne. Bereits die Eltern müssten den Kindern die Lust am Lernen vermitteln. Sie warnte danach zur Lernhilfe immer gleich nach dem Staat zu rufen, eine Förderung sei schon, wenn die Erwachsenen wieder viel mit ihren Kindern sprechen würden. "Soziale Herkunft und schulische Bildung hängen oft sehr eng zusammen" berichtete sie aus ihrer Erfahrung.

Für Annette Schavan müssen jetzt die "zweiten Gründerjahre" kommen, um wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung erreichen zu können. Die Kräfte in der Volkswirtschaft müssten sich frei entfalten können und nicht gebunden werden, "dadurch wird nur die Kraftentfaltung verhindert." Leidenschaftlich sprach sich Schavan für die Selbstständigkeit und eine Gründungsstimmung aus, Säule dafür sei aber vor allem die gute berufliche Bildung. So sprach sie sich für ein Einfrieren der Ausbildungsvergütungen für fünf Jahre aus, um dann zu sehen, was dies finanziell bringe, um dafür eventuell neue Lehrstellen zu schaffen. "Die Leute verdienen immer mehr und haben immer weniger in der Tasche" so ihre Beobachtung. Ziel ihrer Politik sei es auch, eine immer engere Verbindung zwischen Schule und Betrieb herzustellen. Am Schluss hatte die Ministerin dann doch noch ein Bonbon für die aufmerksam lauschenden Festgäste: "Baden-Württemberg hat die niedrigste Quote bei der Jugendarbeitslosigkeit in Europa."

Dass der Kirchheimer BDS durchaus leistungsfähig ist, davon konnten sich die zahlreichen Festgäste und sonstigen Besucher bei einem anschließenden Rundgang überzeugen. 40 Firmen stellten sich vor, warben für ihre Produkte und auch dabei gab es schon Chancen für Ausbildungswillige. Angebote für angehende Lehrlinge gab es fast an allen Ständen.