Lokales

Bildung und Dialog

Bericht über Integrationsarbeit in Kirchheim

Sozialamtsleiter Roland Böhringer hat die Mitglieder des Kirchheimer Integrationsausschusses über „aktuelle Entwicklungen in der Integrationsarbeit“ informiert. Im Wesentlichen ging es dabei um Bildungsangebote für Jugendliche.

Andreas Volz

Kirchheim. Den Anfang machte ein Bildungsseminar, das die Arbeitsgruppe „Gemeinsam aktiv – besser integriert“ („Gabi“) im Oktober als Pilotprojekt starten möchte. Roland Böhringer zufolge geht es darum, Jugendlichen, die vor dem Schulabschluss stehen, eine zusätzliche Qualifizierung zu ermöglichen. Erdogan Budak erläuterte die Grundzüge dieses Integrations- und Bildungsseminars, das der Nürtinger Jugendmigrationsdienst anbietet: „Wir haben sechs bis sieben Themen, für die jeweils ein Fachmann da ist. Nach Abschluss der drei Tage erhalten die Jugendlichen ein Zertifikat. Wir hoffen auf guten Erfolg für das Pilotprojekt.“

Themen in diesem dreitägigen Seminar seien beispielsweise das Leben in Deutschland, die Kultur in Deutschland oder auch Regeln und Werte in Deutschland. Zunächst einmal ist der Jugendmigrationsdienst für die Finanzierung zuständig. Wenn sich das Seminar als erfolgreich erweist, werde der Integrationsausschuss sich wieder mit dem Thema und der Frage nach einer künftigen Finanzierung befassen, erläuterte Sozialamtsleiter Böhringer.

Das nächste Projekt setzt noch um einiges früher an – bei Kindern, die eher am Anfang ihrer Schullaufbahn stehen: Die Arbeitsgruppe „Sprache“ will sich der Förderung der Lesekompetenz annehmen. Willi Kamphausen sagte zum Grundproblem: „Wir gehen meistens davon aus, dass jedes Kind lesen kann. Das stimmt aber nicht.“ Deshalb wollen fünf Erwachsene im neuen Schuljahr damit beginnen, in Anlehnung an ein „Salzburger Modell“ drei Monate lang täglich eine Viertelstunde mit einem Kind zu lesen. Die Erwachsenen wechseln sich dabei ab, sodass jeder der ehrenamtlichen Vorleser an einem Tag in der Woche fünf Kinder betreut. „Es geht weder um Hausaufgaben- noch um Sprachhilfe“, sagte Willi Kamphausen und sprach auch die „Kirchheimer Variante“ an: dieses Projekt, das wegen der ehrenamtlichen Tätigkeit keine Kosten verursacht, in enger Absprache mit den Schulen anzugehen.

Über „Interkulturelle Jungenarbeit“ auf dem Schafhof berichtete der gelernte Jugend- und Heimerzieher Ahmet Aksu vom Jugendmigrationsdienst: „Wir haben eine Gruppe von sechs Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft, die Schwierigkeiten haben, in ihrer unmittelbaren Nähe Anschluss zu finden.“ Hier gehe es um sinnvolle, gemeinsame Freizeitaktivitäten, was von den Jugendlichen auch angenommen wird: „Seit drei Monaten sind alle regelmäßig dabei.“ Nur einer der Jungen sei wieder abgesprungen.

Während bei der interkulturellen Jungenarbeit bewusst weder Hausaufgaben noch andere schulische Inhalte auf dem Programm stehen, gibt es im Dettinger Weg seit wenigen Wochen ein gezieltes Sprach­kursangebot in Zusammenarbeit mit dem Jugendmigrationsdienst. Roland Böhringer: „Wir haben festgestellt, dass dort viele Aussiedler wohnen. Die brauchen Angebote, sind aber nur schwer zu mobilisieren. Deshalb bieten wir zusätzlich zum Sprachkurs auch russischsprachige Beratungstermine an.“

Schließlich ging Kirchheims Sozialamtsleiter noch kurz auf die Fotoausstellung „Miteinander leben – Interkultureller Dialog“ ein. Erste Tafeln waren bereits während der Sitzung des Integrationsausschusses im Rathaus zu sehen. Im Lauf des Jahres sollen diese Tafeln, auf denen Bilder von interkulturellen Angeboten unterschiedlichster Art zu sehen sind, noch erweitert werden. Die gesamte Ausstellung zum „Jahr des interkulturellen Dialogs“ wird im Kirchheimer Rathaus zu sehen sein. Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker betonte: „Wegen der Symbolkraft ist es wichtig, die Ausstellung hier zu zeigen.“

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