Lokales

"Bildung von Null bis zum Berufseinstieg"

Die Stadt Kirchheim will mit ihrer "Bildungsoffensive 2010" das Kind in den Mittelpunkt stellen und sich gezielt um dessen Bildung kümmern und zwar "von Null bis zum Eintritt ins Berufsleben". Besonders wichtig sind dabei die Kindergärten, die Übergänge von einer Institution zur nächsten sowie die Ganztagsbetreuung.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Der Kirchheimer Gemeinderat hat der Bildungsoffensive und den acht dazugehörigen Handlungsfeldern gestern mit großer Mehrheit zugestimmt. Im Einzelnen geht es dabei um den Ausbau und die Weiterentwicklung von Ganztagesangeboten an den Kirchheimer Schulen, um eine Qualitätsoffensive in den Kindergärten, um die Förderung von Plätzen in der Tagespflege für Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren und um das Konzept "Kinder unsere Zukunft Kirchheim in Bewegung". Weitere Ziele der "Bildungsoffensive 2010" bestehen darin, allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft dieselben Bildungschancen zu geben, die Ferienbetreuung weiterzuentwickeln, die Erziehungskompetenzen bei den Eltern zu stärken und den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern, insbesondere durch Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen.

Anzeige

Um die einzelnen Maßnahmen besser koordinieren zu können, will die Stadt einen "Beirat Bildungsoffensive" ins Leben rufen, bei dem Vertreter von Kindergärten, Schulen, des Integrationsausschusses oder auch der Wirtschaft institutionsübergreifend ihre Erfahrungen und Kompetenzen einbringen können. In einem Pressegespräch vor der Gemeinderatssitzung bezeichnete Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Bildungsoffensive als ein "sehr ehrgeiziges Programm", das nicht zum Nulltarif zu haben sei. Es werde viel Geld kosten und vor allem auch regelmäßige Kosten mit sich bringen. Trotzdem müsse sich die Stadt Kirchheim mit der gesamtgesellschaftlichen Fragestellung des Komplexes "Bildung und Betreuung" auseinandersetzen: "Wir brauchen Angebote für junge Familien. Das ist ein wichtiger Standortfaktor."

Aber die Verwaltungschefin legt Wert auf die Feststellung, dass mit der generellen Zustimmung zur Bildungsoffensive noch keine Zustimmung zu den jeweiligen Ausgaben verbunden ist: "In jedem einzelnen Fall wird über die Finanzierung abgestimmt." So habe die Stadt auf Antrag der Freien Wähler im Gemeinderat die Kosten ermittelt, die entstehen würden, wenn der Betreuungsschlüssel von 1,7 auf 2 Fachkräfte pro Kindergartengruppe angehoben wird. Die Oberbürgermeisterin sprach gestern von einem sechsstelligen Betrag. Ob und in welchem Umfang der Stellenschlüssel nun tatsächlich verbessert werden soll, das bleibt eine Frage, die der Gemeinderat zu beantworten hat ganz unabhängig davon, dass diese Maßnahme nach den Grundsätzen der "Bildungsoffensive 2010" natürlich mehr als wünschenswert wäre.

Bettina Wilhelm, die Leiterin des Kirchheimer Geschäftskreises "Kultur und Soziales", betont gerade im Zusammenhang mit den Kindergärten und mit der Betreuung von Kleinkindern: "Bildung beginnt mit Null." Es gehe bei der Offensive also um mehr als "nur" um Betreuung von Kindern im Sinne einer bloßen Verwahrung. Unter diesem Aspekt will Bettina Wilhelm auch das Handlungsfeld "Ferienbetreuung" verstanden wissen. Einerseits hätten viele Eltern tatsächlich niemanden, der die Kinder während der Ferien betreut, andererseits aber sei auch die unterrichtsfreie Zeit eben eine "Bildungszeit".

An diesem Punkt soll auch die verstärkte Elternarbeit einsetzen: Dieser Teil der Bildungsoffensive will Eltern dazu ermutigen, sich stärker für die Bildung ihrer Kinder einzusetzen: "Häufig gibt es bei Eltern eine gewisse Unsicherheit in Erziehungsfragen. Zu viele Ratschläge machen die Eltern oft ratlos." Vor zwei Extremen warnt Bettina Wilhelm deshalb besonders. Einerseits gebe es Eltern, die sich viel zu wenig um die Kinder und Bildungsfragen kümmern, andererseits sollten Kinder aber auch davor bewahrt bleiben, dass sie als Jugendliche bereits unter dem Burnout-Syndrom leiden, weil zu viele Bildungsinhalte von außen auf sie eindringen, wodurch ihnen die Möglichkeiten zur freien Entfaltung genommen werden.

Alle Handlungsfelder der Bildungsoffensive könne die Verwaltung nicht gleichzeitig beackern, meinte Bettina Wilhelm gestern. In einem ersten Schritt solle es deshalb um die Qualitätsoffensive in den Kindergärten gehen, um gleiche Bedingungen an allen städtischen Kindergärten garantieren zu können. Um "Gleichmacherei" soll es sich dabei aber nicht handeln. Gleichermaßen wolle die Stadt keinen Aktionismus betreiben, sondern gezielt und systematisch vorgehen, um die vielen hilfreichen Bildungsangebote, die ja bereits bestehen wie Sprachförderung oder Hausaufgabenbetreuung sinnvoll zu vernetzen. Und so sollen eben auch Kindergarten und Schule oder Schule und Wirtschaft künftig noch enger zusammenarbeiten.