Lokales

Bildungspolitik und Nachhaltigkeit auf vielen Ebenen

Die heiße Phase des Landtagswahlkampfs hat für die Grünen begonnen. "Wir sind motiviert und streben ein gutes, zweistelliges Ergebnis an mit dem Ziel, die schwarz-gelbe Regierung abzulösen", sagte Winfried Kretschmann, Fraktionsvorsitzender der Bündnis-Grünen im Landtag und Kandidat im Wahlkreis Nürtingen, gestern bei einer Pressekonferenz im Umweltzentrum Plochingen.

IRIS HÄFNER

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PLOCHINGEN "Mit dem Sturz von Sozialminister Andreas Renner hat die CDU im Land die Liberalität im eigenen Lager gestoppt das sind gute Vorraussetzungen für uns", gibt sich Winfried Kretschmann, Urgestein der Grünen im Land, selbstbewusst, was den Landtagswahlkampf anbelangt. Seine Partei verstehe sich als liberal und ökologisch orientierte Kraft im Land, die eine werteorientierte Politik betreibe. "Wir machen kein Themen-Hopping und betreiben unseren Wahlkampf nicht je nach dem, was gerade ansteht", erklärte er.

Nachhaltigkeit sei schon immer ein ur-grünes Thema gewesen und dieser Begriff stehe nicht nur im Zusammenhang von Ökologie sondern auch von Finanzierung und sozialem Sicherungssystem. Die Grünen würden auch durchhalten, wenn ihnen der Wind kräftig ins Gesicht blase. "Wir wollen keinen Muslimen pauschal verurteilen, gleichzeitig geben wir auch keinen Islamrabatt Pressefreitheit gilt", stellte Winfried Kretschmann im Zusammenhang mit den Mohammed-Karikaturen klar. Prinzipiell gelte für seine Partei: In typisch baden-württembergischer Art sehr praktisch denken und keine Luftschlösser bauen.

Das oberste Ziel von Marianne Erdrich-Sommer ist ebenfalls klar definiert: Sie strebt den Wiedereinzug ins Landesparlament für den Wahlkreis Kirchheim an. "Viele aktuelle Themen, die diesen Wahlkreis betreffen, sind grüne Themen", erklärte die Wendlingerin, die als Stimmenkönigin im dortigen Gemeinderat ein Mandat inne hat. "Viele Bereiche, insbesondere das Lenninger Tal oder auch Neidlingen sind von schöner Natur umgeben. Wenn es gelingen soll, Ökonomie und Ökologie zu vereinen, braucht es eine politische Begleitung. Es muss möglich sein, Vogelschutz einzuhalten, ohne die Gemeinden ganz von ihrer Entwicklungsmöglichkeit abzukoppeln", erklärte Marianne Erdrich-Sommer.

Der Atomausstieg ist ein weiterer Bereich, der ihr am Herzen liegt. Wegen der Bedrohung durch diese Form der Energiegewinnung ist sie nach dem Atomunglück in Tschernobyl den Grünen beigetreten. "Ich habe gedacht, das Ding ist im Kasten. Doch nichts ist anscheinend sicher, wenn sich die großen Lobbyisten einbilden, etwas ändern zu müssen", ärgert sie sich über die neuerliche Diskussion, den Ausstieg aus der Atomenergie zu verzögern.

Bildungspolitik ist ein weiteres Schlagwort, an dem der Studiendirektorin an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen verständlicherweise viel liegt. Ein besonderes Augenmerk will sie den Realschulen schenken. "Wegen der Diskussion um G 8 und die Ganztagesschule, die meist bei den Hauptschulen angesiedelt ist, gehen die Realschulen fast unter der Klassenteiler liegt bei 33 Schülern. Dabei gibt es dort unter den Schülern ein ungeheures Potenzial an Energie und Leistungsfähigkeit, das die Mittelschicht und Facharbeiter hervorbringt", sagte Erdrich-Sommer.

In diesem Zusammenhang kritisierte sie auch das deutsche Schulsystem, das den Kindern vorgibt, schon nach der vierten Klasse die Weichen für das künftige Leben zu stellen. Sie plädiert für eine Basisschule. Individuelle Förderung und positive Persönlichkeitsentwicklung aller Schülerinnen und Schüler müssten im Mittelpunkt der Schule stehen. Dies erfordere eine neue Lernkultur, bei der die Heterogenität der Lernenden wertgeschätzt und genutzt wird. Dazu müssten sich Schulen aber auch verändern können. Genutzt werden könne hierbei die anstehende Pensionierungswelle der Lehrer bei gleichzeitigem Schülerrückgang, allerdings bei gleich hoher Lehrerzahl. "Kleinere Klassen bieten große Möglichkeiten und eine gute Bildungspolitik ist die beste Standortsicherung für Baden-Württemberg", ist sie überzeugt.

In das gleiche Horn blies auch Henning Schürig, Kandidat für den Wahlkreis Göppingen, zu dem in Zukunft auch Reichenbach gehört. "Es ist selten, dass es Baden-Württemberg reicht, der Einäugige unter den Blinden zu sein", sagte er im Zusammenhang mit der PISA-Studie. Der Student engagiert sich bei den Protesten gegen die Studiengebühren und setzt seinen Schwerpunkt ebenfalls auf die Bildungspolitik.

Wolfgang Latendorf ist der Kandidat für den Wahlkreis Esslingen. Politische Akzente setzt er bei den Themen Globalisierung, Seniorenpolitik, Wahlrecht, Gleichberechtigung und Migration/Integration. "Es geht nicht nur darum, dass ein Innovationsdruck ausgeübt wird, um effiziente Systeme zu produzieren oder Menschen zu qualifizieren, den Anforderungen gerecht zu werden. Es darf nicht die wachsende Zahl von Menschen vergessen werden, die auch als ,Verlierer' der Globalisierung ein Recht darauf haben, ihren Lebensunterhalt mit eigener Arbeit verdienen zu können", erklärte er.