Lokales

"Bildungspolitischer Bankrott"

KIRCHHEIM Nach einem Schreiben des Amtes für Schule und Bildung des Landkreises Esslingen an alle Schulleiter der Grund- und Hauptschulen im Kreis wird sich im kommenden Schuljahr die Lehrerversorgung deutlich verschlechtern. In diesem Zusammenhang ermuntert der Leiter des Amtes die Schulleiter, diesen Lehrermangel durch die Kürzung der Unterrichtszeit von 45 auf 40 Minuten "konstruktiv" anzugehen. Er beruft sich dabei auf die Verwaltungsvorschrift "Eigenständigkeit der Schulen und Unterrichtsversorgung". Angesichts dieses Vorschlags schlagen die Wogen der Empörung bei den Lehrkräften und Eltern hoch.

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Diese Empörung teilt die Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer: "Es ist geradezu zynisch, wenn als bildungspolitisches Konzept dazu aufgerufen wird, die Unterrichtsstunden auf 40 Minuten zu kürzen. Das ist eine bildungspolitische Bankrotterklärung". Mit solch absurden Vorschlägen würden die Bemühungen der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schulleitungen, die mit überdurchschnittlichem Engagement und großem Einsatz die Qualität der Bildung in Baden-Württemberg trotz aller Schwierigkeiten aufrecht erhalten, geradezu verhöhnt.

"Ein solcher Unsinn kommt heraus, wenn man die Bildung in die Landratsämter eingliedert. Dieser Vorschlag erscheint letzten Endes als eine Sumpfblüte der missglückten Verwaltungsreform", so das Urteil der Abgeordneten. Vielleicht sei der Vorschlag auch ironisch gemeint gewesen. Im Gegenzug schlägt Carla Bregenzer dem Leiter des Amts für Schule und Bildung daher vor, die Arbeitsstunden der Beamten in seinem Amt von 60 auf 70 Minuten zu erhöhen. Jeder Beamte würde damit knapp sieben zusätzliche Stunden erwirtschaften. Diese könnten dann an den Schulen mit dem größten Bedarf im Ergänzungsbereich im Unterricht eingesetzt werden. "Jeder Beamte wäre damit für knapp neun Unterrichtsstunden pro Woche an einer Schule einsetzbar. Das würde den Schulen erheblich weiterhelfen", so Carla Bregenzer ironisch.

Mit einer Kleinen Anfrage wendet sich die Bildungsexpertin in diesem Zusammenhang an die Landesregierung und fragt nach, was der Grund für die angekündigte spürbare Verschlechterung bei der Lehrerversorgung im Bereich der Grund- und Hauptschulen im Landkreis Esslingen sei. Sie will auch wissen, wie sich diese Verschlechterung mit der notwendigen Aufwertung der Hauptschulen vertrage. Weiter fragt sie an, warum im Landkreis Esslingen die Zuweisung von Lehrerstunden für den Ergänzungsbereich deutlich gekürzt werden müsse und mit welchen Lehrerstunden dann die für die Schulen notwendige Profilbildung vorgenommen werden solle.

Carla Bregenzer befürchtet in diesem Zusammenhang, dass die große Zahl der nicht besetzten und umgewidmeten Stellen dazu führen werde, dass außer dem Pflichtbereich und einer minimalen Krankheitsvertretung nichts mehr geht. "Die Kürzung im Ergänzungsbereich bedeutet für die Schulen, dass wichtige und mit Engagement und Kompetenz aufgebaute und erfüllte Bereiche wie Förderstunden und AGs zunichte gemacht werden. Gerade diese Angebote sind es, die das Schulleben ausmachen und über das reine Lernen hinaus prägen", resümiert Carla Bregenzer.

pm