Lokales

„Bissingen 21“ an die Wand geworfen

Bürgermeister bringt 7,2 Millionen Etat 2008 ein – Gemeinderat verabschiedet ihn

Während „Stuttgart 21“ in Aktenschränken und auf Planertischen auf die Verwirklichung wartet, steht „Bissingen 21“ mit der Ortskernsanierung und anderen Investitionen in den Startlöchern.

richard umstadt

Bissingen. Jetzt endlich können die Zuschauer im Ratssaal dem Bürgermeister mühelos folgen. „Bissingen 21“ und die neue Powerpoint-Präsentation an der Leinwand machen‘s möglich. Grafiken, Zahlen, Fakten – verständlich und gut lesbar: Bissingens Verwaltungschef Wolfgang Kümmerle erläuterte in jüngster Gemeinderatssitzung mithilfe des Beamers den Haushalt 2008, der vom Volumen her mit 7,281 Millionen Euro 4,8 Prozent über dem des Vorjahres liegt. Davon nimmt der Verwaltungsetat knapp sechs Millionen ein und der Vermögenshaushalt 1,294 Millionen Euro.

Auch in diesem Jahr werden wieder mehr Gelder ins Gemeindesäckel fließen, worüber Bürgermeister und Bürgervertreter angesichts der investiven Brocken nicht traurig sind. Allein Grund- und Gewerbesteuer sollen rund 1,254 Millionen Euro bringen. Hinzu gesellen sich 1,585 Millionen Euro aus Einkommensteuern, 764 000 Euro Schlüsselzuweisungen vom Land sowie 871 000 Euro Gebühren und Entgelte.

2008 will die Gemeinde vor allem in „Bissingen 21“, die Ortskernsanierung II, investieren. 455 000 Euro sind dafür eingeplant, wobei hierin bereits die Kosten für die Buswendeplatte und den Haltepunkt am See eingerechnet wurden. Insgesamt 100 000 Euro will die Kommune an sanierungsfreudige Hausbesitzer im Rahmen der Ortskernsanierung auszahlen. 175 000 Euro sind für die Kanalisation in Ochsenwang vorgesehen, 150 000 Euro für die Umbauarbeiten in der Kelter, 130 000 Euro für die Sanierung der alten Schule in Ochsenwang, 51 000 Euro für kleinere Maßnahmen, 26 000 Euro schießt die Gemeinde dem Verband Region Stuttgart für die S-Bahn nach Kirchheim zu und 28 000 Euro investieren die Bissinger in Funkmelder und Geräte für die Feuerwehr. Darüber hi­naus stehen 179 000 Euro zur Tilgung von Krediten parat. Diese Investitionen wollen finanziert sein. Bürgermeister Kümmerle setzte hierfür Landes- und Kreiszuschüsse in Höhe von insgesamt 245 000 Euro sowie 25 000 Euro aus Erstattungen und 540 000 Euro aus Grundstücksverkäufen sowie die Investitionsrate in Höhe von 484 000 Euro ein.

In einem Ausblick auf die Jahre 2009 bis 2011 nannte Wolfgang Kümmerle die größten Brocken, die von der Seegemeinde geschultert werden müssen. So stehen im kommenden Jahr die Sanierung der Bissinger Turnhalle um rund 100 000 Euro an, das Dach des Kindergartens im Höfle muss für circa 50 000 Euro repariert werden, der zweite Abschnitt des Kelterumbaus wird mit 550 000 Euro zu Buche schlagen, die Gemeinde will für 167 000 Euro Grundstücke in Ochsenwang kaufen, 131 000 Euro wurden für die Erneuerung der Kanalisation im Bissinger Ortskern eingeplant und 370 000 Euro wurden für Tilgungen und Umschuldungen von Krediten vorgesehen.

2010 will die Seegemeinde um rund 180 000 Euro ein Feuerwehrauto für die Abteilung Ochsenwang kaufen, 100 000 Euro für private Zuschüsse ausgeben, 150 000 Euro für den Geh- und Radweg investieren entlang der vom Landkreis zu sanierenden K 1251 beziehungsweise Vorderen Straße und 196 000 Euro in die Hand nehmen, um Kredite zu tilgen. 2011 lässt die Gemeinde in zwei Ochsenwanger Straßen für 400 000 Euro die Kanalisaton erneuern. 120 000 Euro setzte die Kommune zur Tilgung von Krediten ein. Knapp 36 Prozent davon muss die Gemeinde mit Fremdmitteln finanzieren und Schulden aufnehmen. Zwei Drittel wollen die Bissinger mit Eigenmitteln über Erlöse von Grundstücksverkäufen, Investitionsraten und dem Griff in die Rücklage bewältigen.

Dem Ochsenwanger Ratsmitglied Joachim Maszurim war die Sache nicht ganz geheuer. „Jetzt bin ich seit 20 Jahren im Gemeinderat, aber eine solch hohe Pro-Kopf-Verschuldung hab ich noch nicht erlebt“, kam er ins Grübeln ob der vorliegenden Zahlen. Lag die Verschuldung pro Einwohner im Jahr 2002 noch bei 81 Euro, so setzte sie 2003 zum Sprung über die 500-Euro-Marke an und liegt nun bei 505 Euro pro Kopf. Auch Siegfried Nägele appellierte, die Schulden im Blick zu behalten, machte aber darauf aufmerksam, dass man die Zuschüsse der Kommune an private Hausbesitzer zur Verbesserung der innerörtlichen Bausubstanz nicht vergessen dürfe. „Eine bessere Infrastruktur lässt sich nun mal nicht ohne Geld bewerkstelligen“, meinte der Bürgermeister.

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