Lokales

Blaue Mauer bleibt der Alb vorbehalten

Debatte um den Anstrich des neuen Anbaus an der Grundschule Oberlenningen

Blau oder nicht blau – das war die große Frage in Sachen Außenanstrich des Anbaus der Grundschule in Oberlenningen im Gemeinderat. Nach langer Diskussion gab es einen überraschenden Kompromiss.

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iris häfner

Lenningen. Die Grundschule war das alles beherrschende Thema der Gemeinderatsitzung. Schon in der Einwohnerfragestunde bedauerte eine Lehrerin den Einbau einer Feuerschutzmauer im alten Gebäude. Wie „die Faust aufs Auge“ würde sich diese in die Optik im Treppenhaus einfügen. Inge Kodera hatte bereits in der vorherigen Sitzung auf den ästhetisch fragwürdigen Eingriff hingewiesen.

Zwischenzeitlich hat sich der Bauausschuss mit diesem Thema befasst und dem Gemeinderat vorgeschlagen, die im Zuge des Umbaus gerade erst eingebaute Wand wieder he­rauszureißen und stattdessen für zusätzliche Kosten von knapp 14 000 Euro eine Wand aus Sicherheitsglas einzubauen. Bürgermeister Michael Schlecht hätte zwar gut und gerne darauf verzichten können, die eindeutige Mehrheit des Gremiums – es gab nur eine Enthaltung – sprach sich jedoch für Glas aus. Kurt Hiller zeigte sich irritiert über die neue Brandschutzforderung: „Das heißt, in der Vergangenheit interessierte die Sicherheit der Kinder niemanden und jetzt, da sowieso ein Fluchtweg über das neue Gebäude besteht, muss die Wand rein.“ Wenig angetan vom Ist-Zustand ist auch Dieter Beuttel. „Der Gang wird durch das Fenster wieder heller und das Geländer, das dem Gebäude Charakter verleiht, ist wieder zu sehen“, sagte er.

Die Diskussion bezüglich des Anstrichs gestaltete sich – dem Anlass entsprechend – wesentlich bunter. „Wir haben ein bisschen ein Problem“, war sich Michael Schlecht bewusst. Einerseits sollte der Charakter des altehrwürdigen Schulgebäudes erhalten bleiben, andererseits sich nach Ansicht des Schultes der moderne Anbau deutlich absetzen. Er plädierte daher für einen tiefblauen Anstrich. Mit diesem Vorschlag konnte sich jedoch nur Jürgen Rau anfreunden. Zwar waren sich alle Räte einig, das moderne Gebäude auch farblich vom alten abzusetzen, jedoch moderat. „Man muss die Umgebung mit einbeziehen, das hängt alles zusammen“, gab Inge Kodera zu bedenken. Karl Boßler fehlte der richtige Pepp. „Bei keiner Variante gibt es ein Aha-Erlebnis“, sagte er. Sowohl Falk Kazmaier als auch Peter Schneider war das Blau zu dunkel und Armin Dietz war sich nicht sicher, ob man diese spezielle Farbe in seiner Mächtigkeit noch in zehn Jahren sehen kann. Gerade von der Hohen Steige aus gesehen, würde sich dem Betrachter eine hohe, blaue Mauer präsentieren. Sein Vorschlag, den Wolfgang Tröscher weiter ausführte, fand schließlich die Zustimmung der meisten Gemeinderats. Das alte Gebäude bleibt im bestehenden Ockerton und der Sockel soll hellgrau gestrichen werden. Dieses Grau erhält das neue Gebäude als Anstrich. Der Schultes kam dann doch noch zu seiner Wunschfarbe, wenn auch in weit abgespeckter Form: Der Zwischenbau erhält „einen passenden Blauton“.

Bei der Abstimmung sprachen sich sieben Gemeinderäte für Variante eins aus – es war die dezenteste Farbwahl. Der Neubau hätte demnach ein modernes, hartes Weiß erhalten. Elf Räte, einschließlich Michael Schlecht, waren für die blauen Übergang mit grauer Hauptfarbe am Neubau. Somit bleibt die blaue Mauer – wie im berühmten Gedicht von Eduard Mörike beschrieben – weiterhin auch in Lenningen der Albkante vorbehalten.