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"Blechschaden" sorgt für stehende Ovationen

Zum Auftakt des Musikfests der Kreisblasmusiker, das der Notzinger Musikverein im Rahmen seiner Jubiläumsfeierlichkeiten ausrichtete, riss das Orchester "Blechschaden" die Zuhörer zu Beifallsstürmen hin.

PETER SCHUSTER

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NOTZINGEN "Blechschaden", das aus zwölf Mitgliedern der Münchner Philharmoniker besteht, setzt sich zusammen aus zehn Blasmusikern, einem Schlagzeuger sowie dem Dirigenten Bob Ross. Neben klassischen Stücken hat es auch Stücke aus dem Bereich der U-Musik im Repertoire.

Bereits mit dem ersten Stück "Also sprach Zarathustra" wurde deutlich, dass dies ein außergewöhnlicher Konzertabend werden würde. Die Musiker ersetzten die Paukenschläge, die normalerweise in dem Musikstück vorkommen, durch das rhythmische Aufstampfen mit ihren Füßen. Im Stück "Amazing Grace" zeigten die Musiker ihr ganzes Können. Sie brachten mit ihrem einzigartigen Klang, den sie durch ihre Blasinstrumente zu kreieren vermögen, die Intention des Gospels brillant und gefühlvoll zum Ausdruck. Auf höchstem musikalischem Niveau improvisierte Dany Bonvin, Posaunist in der Gruppe "Blechschaden", ein Solo für Posaune mit vielen Variationen über die Melodie "Blue bells of Scottland". An dieses Stück schloss sich ein Medley von mehreren klassischen Stücken wie der fünften Symphonie von Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozarts "Kleine Nachtmusik" an. Sie wurden in einer kurzen Form vorgetragen.

Zwischen den Musikstücken gab der Dirigent, Bob Ross, kurze Statements zum besten. Mit seinem trockenen schottischen Humor unterhielt er die Besucher des Konzerts. Seiner Ansicht nach heißt "die lange Urfassung" der Musikstücke deshalb Urfassung, weil die Leute "nach einer gewissen Zeit so oft auf die Uhr schauen". Rockmusik wie "We will rock you" oder "We are the champions" wurden von den Trompetern und anderen Blasmusikern so zu Gehör gebracht, dass auch Nichtliebhaber der Rockmusik sich dafür begeistern konnten. Den Abschluss der beiden Lieder bildete ein Schlagzeugsolo von Arnold Riedhammer, der demonstrierte, dass seine Schlagzeugkunst vor nichts Halt macht: Dem Musiker dienten selbst Mikrofonständer und Biertische. Bayerische Blasmusik und ein amerikanisches Musikstück mit einem Tuba-Solo von Tom Walsh rundeten den ersten Musikteil ab.

Nach einem klassischen Stück von Anton Dvorák spielte Matthias Fischer ein Euphonium-Solo über die Melodie von Elton Johns "Your Song". Zwischendurch betonte Bob Ross die geistige Verwandtschaft zwischen Schotten und Schwaben. "Immerhin hat der Schwabe Friedrich Schiller ein Stück über Maria Stuart geschrieben." Vielleicht lag es an solchen Assoziationen, dass der danach vorgetragene "Scotts March" einen besonders lang anhaltenden Beifall erhielt.

Dass dem Können der Blasmusiker der Münchner Philharmoniker offensichtlich keine Grenzen gesetzt sind, zeigten die Musiker, als sie mit auf Gartenschläuchen montierten Mundstücken, an dem anderen Ende der Schläuche Trichter aufgesetzt, ein Stück aus Giuseppe Verdis Oper "Aida" vortrugen, ohne dem Stil des Musikstücks Abbruch zu tun.

Vor allem der wunderbare Klang, den die Musiker über das hervorragend aufeinander abgestimmte Spiel der Einzelinstrumente und ausgefeilte Arrangements zustande bringen, sucht seinesgleichen. Die Zuhörer bedachten das Konzert von "Blechschaden" mit stehenden Ovationen; sie mussten die Musiker nach zwei Zugaben ziehen lassen, da es laut Aussage des Dirigenten Bob Ross ansonsten nur noch die Möglichkeit gebe, das Programm noch einmal von vorne zu hören. Viele im Saal hätten das durchaus begrüßt. Auch die Veranstalter waren begeistert: "Einen besseren Auftakt hätten wir uns nicht vorstellen können", so gratulierte Elmar Müller, Präsident der Kreisblasmusiker, dem Organisator des Konzerts, Georg Frank. Bürgermeister Jochen Flogaus resümierte, dass "dieser Abend schwer zu toppen sein wird". Das Kreisjugendblasorchester unter der Leitung von Wolfgang Wössner hatte als Vorprogramm von "Blechschaden" mit Stücken von Philip Sparke und Franco Cesarini ebenfalls sein hervorragendes Können unter Beweis gestellt.