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"Blick in die Kugel"

Das Kompostwerk in Kirchheim soll nach der betriebswirtschaftlichen Rechnung mindestens bis 2020 laufen. Wie es danach aussieht, kommt dem berühmten "Blick in die Kugel" gleich, sagt Rolf Hahn, Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) des Landkreises Esslingen. In diesem Jahr noch wird die Fotovoltaikanlage auf der Rotte- und Lagerhalle in Betrieb gehen.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Es waren lausige Zeiten für die Betreiber des Kompostwerks in Kirchheim, als die Anlage im Frühjahr 1996 den Probebetrieb aufnahm. "Wir hatten damals in den beiden ersten Jahren viel zu kämpfen," erinnert sich der AWB-Geschäftsführer Rolf Hahn, wobei er damit nicht nur Geruchsbelästigungen, sondern auch technische Probleme meint.

Im Herbst 1999 nahm das Kompostwerk den Regelbetrieb auf. Es verarbeitet seither jährlich insgesamt 60 000 Tonnen organische Abfälle, den sogenannten Biomüll aus den Landkreisen Esslingen und Böblingen sowie der Stadt Stuttgart, zu Biokompost. Rolf Hahn ist stolz darauf, dass das Werk in Kirchheim seit Beginn des Regelbetriebs unter Volllast fährt und Jahr für Jahr Qualitätskompost produziert. "Das geht nur mit einer guten Mannschaft," lobt der AWB-Geschäftsführer seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kompostwerk.

Pro Jahr griffen Anwohner nur noch zwei bis drei Mal zum Telefonhörer, um sich über unangenehme Gerüche aus der Anlage zu beschweren. "Jedem dieser Anrufe wird nachgegangen und oft stellt es sich dabei heraus, dass das Kompostwerk nicht der vermutete Übeltäter ist," sagt Rolf Hahn.

Gesellschafter der Kompostwerk GmbH sind der Landkreis Esslingen zu 80 Prozent und der Landkreis Böblingen zu 20 Prozent.

Das Werk wurde zu 100 Prozent auf Pump, das heißt, über Kredite finanziert. "Bei planmäßiger Tilgung wird es ab 2020 schuldenfrei sein," wirft der Geschäftsführer einen Blick in die Zahlen. Zum 1. Januar 2006 hatte die Kompostwerk GmbH noch 19,158 Millionen Euro Schulden. Dabei unterstellt die betriebswirtschaftliche Seite dem Kompostwerk eine Lebensdauer, die mindestens dem Zeitraum entspricht, der für die Tilgung der Schulden benötigt wird. Trotz der hohen Schulden sieht Hahn einen Lichtblick: Die Zinslast nimmt jährlich ab, was sich wiederum auf die Verarbeitungskosten positiv auswirkt, denn auch diese sinken. Freilich nimmt auf der anderen Seite der Reparaturaufwand zu, je älter das Kompostwerk in Kirchheim wird. Der AWB-Geschäftsführer ist sich aber sicher, "dass das mit 2020 hinhaut." Die Gebäudesubstanz sei in einem sehr guten Zustand, "die hält mindestens 50 Jahre," ist Rolf Hahn überzeugt. Außerdem verweist er auf die 20-jährige Laufzeit der Fotovoltaikanlage auf den Dächern der Rotte- und der Lagerhalle bis 2026. "Wir wollen dieses Jahr noch in Betrieb gehen."

Was die Maschinen- und Fördertechnik anbelangt, so müsse diese immer wieder erneuert werden. Dennoch ist sich der AWB-Geschäftsführer "aus heutiger Sicht" sicher, dass das Kompostwerk in Kirchheim auch noch in 20 Jahren in seiner Funktion erhalten bleibt.

"Die Biomüllkompostierung ist auch in der Zukunft sehr sinnvoll und die technische Entwicklung bleibt nicht stehen." Rolf Hahn denkt neben dem Verkauf des Qualitätskompostes etwa auch an das Vergären des organischen Abfalls, um daraus Gas und Strom zu gewinnen.