Lokales

Blick über den Tellerrand

Naturschutzzentrum Schopflocher Alb stellte Jahresprogramm vor

Die Umbaumaßnahmen am ­Naturschutzzentrum Schopf­locher Alb beeinflussen auch das Jahresprogramm 2010: Es finden vermehrt Veranstaltungen „on tour“ statt.

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Iris Häfner

Lenningen. „Wir haben zwei Schwerpunkte: Biosphärengebiet und Streuobstwiesen“, erklärte Dr. Wolfgang Wohnhas, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb, gestern bei der Programmpräsentation. Mit von der Partie war auch Matthias Berg, Erster Landesbeamter und stellvertretender Vorstand der Stiftung Naturschutzzentrum. Er stellte kurz die Bauplanung vor. Der Anbau, dessen Fassade von Gabionen geprägt ist, schiebt sich wie eine Steinscholle nach vorne. „Der Altbau, der aus den 60er-Jahren stammt, wird ökologisch vorbildlich vom Dach über die Fenster bis zur Heizungsanlage umgebaut“, so Matthias Berg.

Das Haus am einstigen Steinbruch Lauster sieht Wolfgang Wohnhas als Informationszentrum für das Biosphärengebiet, das er als ein einzigartiges Modellprojekt bezeichnete, weil es Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellt. So gibt es heuer zum ersten Mal Busexkursionen speziell für Bewohner des Biosphärengebiets in andere Teilregionen, beispielsweise im Oktober zu „Linsen und Landschaft um Lauterach“. Im Gegenzug kommen die Uracher zu „Natur und Landschaft am Albtrauf“. Hier stehen das Schopflocher Moor und der einstige Marmorsteinbruch im Mittelpunkt. „So lernt man sich gegenseitig besser kennen und weiß, was in den anderen Teilen vor sich geht“, sieht Wolfgang Wohnhas der engeren Zusammenarbeit positiv entgegen.

„Der kleine Grenzverkehr klappt jetzt“, freut sich auch Volunteer Dieter Ruoff über diesen Aspekt des Biosphärengebiets. Er bietet gemeinsam mit dem Böhringer Heimatforscher Ernst Strähle die Wanderung „Zu Burgbrünnele und Ruine Sperbers­eck“ an.

Weiter über den Tellerrand hinaus geht es bei anderen Führungen. „Wir wollen uns mal den Vulkanismus im Hegau anschauen oder uns über die Wiedervernässung des Pfrunger Ried informieren“, führte der Geschäftsführer aus. Ihm geht‘s auch darum, mögliche Vergleiche ziehen und von den Erfahrungen dort lernen zu können.

Es gibt Führungen zu Projekten im Biosphärengebiet, beispielsweise zu den Albbüffeln. Der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen ist Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen, etwa zum Thema Schäferei und Schafhaltung oder zu Wildbienen. Volunteer Rainer Enkelmann ist „Unterwegs auf dem Hengener Dolinenweg“ und die Vogelwelt am Teckberg können Interessierte ebenfalls bei einer Wanderung näher kennenlernen.

„Die Streuobstwiesen sind ein klassisches Naturschutzthema. Der Landkreis Esslingen hat 10 000 Hek­tar dieses wertvollen Lebensraums zu bieten“, so Wolfgang Wohnhas. Wegen der seltenen Vogelarten hat dieses Habitat europaweit Bedeutung und die Sonderausstellung „Vogelschutz in Streuobstwiesen des Mittleren Albvorlandes und des Mittleren Remstales“ vom 3. Juni bis 29. August trägt dem Rechnung. Die Ausstellung „Die Alb – Wasser und Kalk“ ist schon auf Wanderschaft, kaum, dass sie in Schopfloch abgebaut ist. „Diese Sonderausstellung ist für das ganze Jahr ausgebucht, aktuell ist sie in Pfullingen zu sehen“, erzählte Wolfgang Wohnhas. Wegen der Bauarbeiten gibt es derzeit im Naturschutzzentrum keine Bilder zu bewundern. Das ändert sich jedoch ab dem 6. April. „Sittigs Tierleben – Fotos wider den tierischen Ernst“ ist dann bis zum 30. Mai zu sehen. „Quasi was Lustiges als Trostpflaster für die Besucher, die Dreck und Bauschutt trotzen“, so der Geschäftsführer.

Einen großen Stellenwert haben Kinder und Jugendliche im Naturschutzzentrum. Mit Lupen, Experimenten oder Rollenspielen sind sie den Geheimnissen der Natur auf der Spur. Der „geprüfte Opa“ und Volunteer Philipp Felten geht mit Gruppen zur Moorhexe oder zum Riesen Heim. Neu gibt es nun in 14-tägigem Rhythmus immer mittwochs Naturerlebnis-Nachmittage für Kinder, die Anita Kronmiller und Silke Malmsheimer anbieten. Beide absolvieren ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Naturschutzzentrum. Die Klassiker Sommerferienprogramm, naturkundliche Führungen für Schulklassen und das grüne Klassenzimmer sind weiterhin fester Bestandteil.