Lokales

Botschafter Gottes gehen "auf Tour"

In farbenfrohe Gewänder gehüllt, mit funkelnden Goldkronen versehen oder auch mit geschwärzten Gesichtern drängten sich gestern in der Stadtmitte dicht an dicht zahlreiche Mädchen und Jungen: Vor dem Kirchheimer Rathaus fand die festliche Aussendungsfeier der Sternsinger statt.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Dieser Tage werden kleine Gruppen von Königen in schmucken Kleidern das Bild in den Straßen der Städte und Gemeinden um die Teck prägen. Die Sternsinger besuchen allerorten zahlreiche Haushalte und schreiben den Segen mit weißer Kreide über die Türrahmen. Die Initialen Caspars, Melchiors und Balthasars stehen dabei für die lateinischen Worte "Christus mansionem benedicat". Zu deutsch: Christus segne dieses Haus.

Doch nicht nur der Segen ist Grund dafür, dass viele Bürgerinnen und Bürger den alljährlichen Besuch der Sternsinger sehnsüchtig erwarten. "Für manch einen einsamen Menschen wird es erst dann richtig Weihnachten, wenn ihr kommt", gab Pfarrer Franz Keil, der gemeinsam mit Pfarrer Winfried Hierlemann die Feier gestaltete, den engagierten Kindern mit auf den Weg.

Die Sternsinger seien als Boten oder auch Botschafter Gottes unterwegs. Ihre wichtigste Mission bestehe darin, den Segen in die einzelnen Haushalte zu bringen und die Kunde von der Geburt Jesu in die Häuser und Wohnungen zu tragen. Dabei wünschte ihnen der Pfarrer viel Freude und dankte für das Engagement für Kinder in Not, zu dem die Schüler sogar während der Weihnachtsferien bereit sind. Dass das Dasein als Sternsinger durchaus auch Spaß machen kann, bewiesen schon gestern die gut gelaunten Mädchen und Jungen, die die Pfarrer aufgeregt umringten.

Pastoralreferent Wolfgang Müller sorgte nicht nur mit der Gitarre für schmissige Akzente, sondern bestärkte die Kinder auch in ihrer wichtigen Aufgabe. Pfarrer Hierlemann betonte, dass der Weihrauch an Gottes Gegenwart erinnere und bat um den Segen für die Sternsinger und ihren Weihrauch.

Weihrauch kam gestern schon reichlich zum Einsatz, wodurch die feierliche Stimmung bei der Aussendung unterstrichen wurde. Die Sternsinger der Pfarreien Sankt Ulrich und Maria Königin und die Schar der Zuhörer stimmten einige Lieder an, die die Bläsergruppe Diemer begleitete. Pfarrer Keil zeigte sich erfreut darüber, dass die alljährliche Sternsingeraktion fast schon zu einer ökumenischen Aktion geworden sei. Er sei froh über die Teilnahme vieler evangelischer Kinder, betonte er.

Heuer lautet das Motto der Aktion "Sternsinger für Eine Welt". Dahinter steckt die Idee, sich für Not leidende Gleichaltrige überall auf dem Globus und eine gerechtere Welt einzusetzen. Bewusst wurde diesmal darauf verzichtet, ein Beispielland herauszugreifen.

Nicht nur in Kirchheim, auch in den umliegenden Städten und Gemeinden ziehen während mehrere Tage kleine Gruppen mit ihren Begleitern umher, die den Stern als Zeichen vor sich hertragen. Die hiesigen Sternsinger sind Teil der bundesweit 50. Sternsingeraktion, die als größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit gilt. Rund 500 000 Mädchen und Jungen sind in den kommenden Tagen in ganz Deutschland unterwegs, um den Segen zu allen Menschen zu bringen. Eine kleine Delegation wird traditionsgemäß am 4. Januar bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundeshauptstadt zu Gast sein.

Mit den Spenden, die die Sternsinger bei ihren Einsätzen sammeln, können Jahr für Jahr etwa 3000 Projekte in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt werden. Die meisten Projekte sind kleine, überschaubare Vorhaben, die jedoch nachhaltig zum Abbau ungerechter Strukturen beizutragen vermögen. Das gilt vor allem für die Bildungsprojekte, die einen besonderen Stellenwert genießen. Über 612 Millionen Euro wurden seit Beginn der Aktion zusammengetragen.

Noch gestern Abend, als die Dunkelheit bereits Einzug gehalten hatte und sich die Kälte ausbreitete, machten sich einige der Sternsinger umgehend an die Arbeit. Sie folgten dem Aufruf von Pfarrer Keil, sogleich "auf Tour" zu gehen. Wie üblich galt ihr erster Besuch den Patientinnen und Patienten des Kirchheimer Krankenhauses.