Lokales

„Brand“ im Gasthof Schlatterhöhe

Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen proben bei ihrer Hauptübung den Ernstfall

Ein Feuerwehrmann füllt einen Sack mit Wasser. Bei der Übung musste das Wasser vom Hydranten in den Behälter umgeleitet werden,
Ein Feuerwehrmann füllt einen Sack mit Wasser. Bei der Übung musste das Wasser vom Hydranten in den Behälter umgeleitet werden, da der Druck in der Überlandleitung mit 15 bar zu groß gewesen wäre, um das Wasser direkt in die Schläuche zu pumpen. Foto: Daniela Haußmann

Lenningen. Mit Blaulicht und heulender Sirene rücken die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen am vergangenen Samstag zu ihrer alljährlichen Hauptübung aus.

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Dicke Rauchschwaden dringen aus dem ehemaligen Stall des Gasthofs Schlatterhöhe bei Schopfloch, als die Floriansjünger eintreffen. In Windeseile rollen sie ihre Schläuche aus und schließen sie an die Verteiler an.

Die Atemschutzgeräteträger Martin Winkelmann und Frieder Hentschel werfen sich ihre Pressluftatmer über die Schultern und rennen zum Stall. Vorsichtig öffnen sie die hölzerne Türe einen Spalt und geben mit dem Strahlrohr einige Wasserstöße an die Decke ab, um die Temperatur im Inneren des Raumes abzusenken. Auf diese Weise wird eine Rauchgasdurchzündung verhindert, also das plötzliche Durchzünden und Abbrennen von Pyrolysegasen, die entstehen, wenn Stoffe wie Holz, Plastik oder Gummi so weit erhitzt werden, dass sie brennbare Gase absondern.

Als Martin Winkelmann und Frieder Hentschel in den Stall vordringen können sie, genau wie im Ernstfall, nicht einmal die Hand vor Augen sehen. Aus diesem Grund gehen die beiden Männer in die Hocke und arbeiten sich mit abgespreiztem Bein im Uhrzeiger an den Wänden entlang durch den Raum. „Wenn so gut wie nichts zu sehen ist wird das Bein zur Personensuche eingesetzt“, erklärt Winkelmann. Während ihre Kameraden bereits die ersten eingeschlossenen Personen ins Freie tragen und der Bergwacht Stuttgart Bereitschaft Schopfloch zur weiteren medizinischen Versorgung übergeben, arbeiten sich die beiden Atemschutzgeräteträger weiter durch den Stall, wo sie den Brand erfolgreich bekämpfen.

Kein leichtes Unterfangen, wie Gerhard Bächtle bemerkt. Der Kommandant der Abteilung Gutenberg erklärt, dass der Gasthof Schlatterhöhe ein hervorragendes Objekt ist, um den Einsatz in landwirtschaftlichen Gebäuden zu proben. „Einerseits sind die Verhältnisse beengt, weil Maschinen und viele Gegenstände in den Objekten untergebracht sind“, so Bächtle. „Andererseits gibt es in diesen Gebäuden viel Material, das die Ausbreitung eines Brandes begünstigt.“ Das zeigt sich bei der Begehung. „Nicht nur der Stall und die Scheune bestehen aus Holz, es wird auch Brennholz und Stroh gelagert“, berichtet Gerhard Bächtle. „Dort, wo landwirtschaftliche Maschinen stehen, gibt es oftmals auch Kanister, in denen Kraftstoff lagert und dergleichen mehr.“ Deshalb sei ein schneller Vorstoß nötig, bei dem die Kräfte optimal eingesetzt und gebündelt werden. Gerade mit Blick auf die Menschenrettung sei dies wichtig, denn schließlich handle es sich bei dem Übungsgebäude um einen Gasthof, in dem es auch Hotelzimmer gebe.

Auf der Landstraße 1 212 Richtung Schopfloch sichern die Kameraden die Wasserversorgung. Sie stellen einen Wassersack mit einem Fassungsvermögen von 3 000 Litern auf. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen, Michael Eberle, erklärt, dass die Überlandleitung, mit der die Wasserversorgung bei der Simulation sichergestellt wird, einen Druck von 15 bar aufweist. „Auf einer innerörtlichen Leitung lastet ein Druck von etwa fünf bar. Dieser Vergleich zeigt, welche Kräfte hier wirken“, betont Eberle. „Deshalb leiten wir das Wasser vom Hydranten zuerst in den Sack und pumpen es von dort mit Tragkraftspritzen in die Schläuche.“

Nachdem die Abteilung Lenningen mit ihrem Löschfahrzeug LF 20/16 eintrifft, das mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, stoßen weitere Feuerwehrleute in das Gebäude vor. „Im Ernstfall würden wir die Wärmebildkamera mitnehmen, da mit ihr Personen, die sich in einem brennenden Haus befinden, schneller aufgefunden und gerettet werden können“, erzählt Gerhard Bächtle. „Mit ihr können auch Glutnester schnell und effektiv gefunden und bekämpft werden.“

Unterdessen verhindern einige Feuerwehrleute auf der Vorderseite des Gebäudes entlang der Bundesstraße 465 mit einer Riegelstellung, dass das Feuer auf das Hauptgebäude übergreift. Durch eine Riegelstellung wird die Wärmeabstrahlung verringert und Funkenflug unterbunden. Genau wie im Ernstfall sorgen die Floriansjünger auf diese Weise auch dafür, dass ein Gastank, der sich im Außenbereich des Gasthofs befindet, sich nicht erhitzt und explodiert.

Bei der Übung am vergangenen Samstag stürzt einer der Feuerwehrmänner. Er wird sofort von der Bergwacht medizinisch versorgt. Michael Eberle weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die medizinischen Rettungskräfte nicht nur der Versorgung von Personen dienen, die aus brennenden Gebäuden gerettet werden, sondern auch zur Sicherung der Feuerwehrleute vor Ort im Einsatz sind. Jürgen Burkhardt zeigt sich von der Hauptübung beeindruckt. Der stellvertretende Kreisbrandmeister betont, dass die Lenninger Wehr erneut ihre hohe Schlagkraft unter Beweis gestellt hat. Auch Bürgermeister Michael Schlecht lobt die Floriansjünger. Die Feuerwehrleute hätten erneut ihren hohen Ausbildungsstand unter Beweis gestellt und die Herausforderungen, die ihnen das Übungsobjekt stellte, hervorragend gemeistert.