Lokales

"Brandstifter" zu Gunsten der Vereinskasse

Am Wochenende loderten in Lindorf, Ötlingen, Nabern und Holzmaden die Winter- oder Funkenfeuer. Dieser immer häufiger vorkommende Brauch in Kirchheim und Umgebung hat aber nichts mit dem Funkensonntag zu tun, einer alten Tradition am Ende der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM/HOLZMADEN Feuer zieht Menschen magisch an. Das war nicht nur in grauer Vorzeit so. Dieses Phänomen ist auch heute noch zu beobachten. So verfolgten am Samstagabend bei kaltem, aber trockenem Wetter, zahlreiche Holzmadener das Geschehen auf dem Festplatz vor der Gemeindehalle. Dort betätigte sich die Jugendfeuerwehr wie bereits in den vier vergangenen Jahren zuvor als "Brandstifter". Sie entzündete mit Fackeln einen Stoß von rund 160 Christbäumen. Diese hatte der Feuerwehr-Nachwuchs zuvor gegen einen geringen Betrag bei den Holzmadener Haushalten eingesammelt. Während die brennenden Fichten- und Tannenbäumchen im Feuer knisterten und knackten und die Funken in den nächtlichen Himmel stoben, beobachteten die Besucher vor allem die Kinder gebannt das Schauspiel. Die Jugendfeuerwehr stand dabei nicht nur Brandwache, sondern bewirtete in Eigenregie auch die Gäste mit dampfendem Glühwein und Punsch sowie knusprigen "Thüringer" Würsten vom Rost.

Auf die Idee, "ebbes d'raus zu macha", kam der Holzmadener Feuerwehrkommandant Volker Bertsch vor fünf Jahren, als die 14 Jung-Blauröcke wieder einmal um Heilig-Drei-König die Christbäume einsammelten, um ihre Jugendfeuerwehrkasse aufzubessern. "Das könnte man doch mit einem Festle verbinden," so der Vorschlag des Kommandanten, und siehe da, das Funkenfest fand in der Bevölkerung großen Anklang. Seither brennen in der Urweltgemeinde am Wochenende nach dem Erscheinungsfest die Christbäume.

So ein öffentliches Feuer ist weithin sichtbar und unter dem Vereinsnachwuchs muss es sich herumgesprochen haben, dass dieses Festle nicht nur ein toller Event ist, sondern für die ewig hungrige Vereinskasse auch lukrativ. Jedenfalls zündelt der Blaurock-Nachwuchs von Lindorf und Nabern ebenfalls mit Feuereifer und die Ötlinger Jungmusiker stehen dem in nichts nach.

Bereits zum dritten Mal veranstaltete die 15 Mann beziehungsweise Frau starke Lindorfer Jugendwehr ihr Winterfeuer beim Regenauffangbecken im Eichwiesen. "Die Gruppe wurde vor fünf Jahren gegründet," berichtet Abteilungskommandant Thomas Daginnus. "Das Winterfeuer füllt die Jugendkasse auf," freut er sich, "denn auch in Lindorf hat sich die Veranstaltung sehr gut etabliert."

Noch jung ist der Brauch in Nabern. Dort brannte das Funkenfeuer am Samstag zum zweiten Mal. Die Premiere vor einem Jahr war ein riesen Erfolg, erinnert sich der Naberner Abteilungskommandant Hubert Möhl. Rund 250 Christbäume sammelte damals die 22-köpfige Jugendfeuerwehr in der Gemeinde am Gießnaubach. Der Erlös der flammenden Aktion wurde für das Jugendzeltlager und die Weihnachtsfeier verwendet.

Eine neue Geldquelle aufzutun, das motivierte auch die Jugend des Ötlinger Musikvereins Christbäume einzusammeln und ein Funkenfeuer zu organisieren, erzählt Zweiter Vorsitzender Helmut Oster. "Wir waren selbst überrascht, wie gut besucht diese neue Veranstaltung war." Über 300 dürre Bäumchen brannten in diesem Jahr. Helmut Oster: "Die jungen Musiker sind mit Begeisterung dabei."

Freilich sind die Bezeichnungen Winterfeuer und Funkenfest etwas irreführend, denn beide haben weder mit dem Wintersonnwendfeuer am 21. Dezember noch mit dem Funkensonntag am jeweiligen Sonntag nach Aschermittwoch in diesem Jahr der 5. März etwas zu tun. Im Südwesten des Landes, in den traditionell schwäbisch-alemannischen Fasnetsgebieten, wird am Funkensonntag die Fasnet beendet und der Winter, in manchen Gegenden auch die Hex', verbrannt. Dabei sind nicht nur die Narrenzünfte, sondern im Schwarzwald und im Oberschwäbischen auch die Dorfgemeinschaften zugange. Früher war es Brauch, dass sich die jungen, noch unverheirateten Männer und Frauen um den Funken kümmerten. Dazu gingen die älteren Schüler drei bis vier Wochen vor dem Funkensonntag in die Wälder, um genügend Reisig für den Holzstoß zu sammeln. Heute werden dafür auch Christbäume, Hecken- und Baumschnitt und alte Paletten verwendet.

In vielen Holzstößen hängt am Funkensonntag an der Funkenstange die Hex', hergestellt aus alten, mit Stroh ausgestopften Klamotten. Noch bevor das Feuer entzündet wird, kommt es vielerorts unter den Jugendlichen zu Wetten, ob die Hex' abbrennt oder nicht.

Verbrannte sie nicht, so wurde dies früher als böses Omen gesehen.