Lokales

Brauchtumspflege und Erntedank

Das letzte Augustwochenende im Jahr gehört den Egerländern. Jetzt bereits zum 54. Mal laden die vor 60 Jahren aus dem Sudetenland vertriebenen Egerländer und deren Nachkömmlinge ein zum traditionellen Vinzenzifest nach Wendlingen. Bundesweit ist dieses Fest in der Patenstadt der Egerländer im Land einzigartig. Wie in der alten Heimat auch, feiern Egerländer in ihrer neuen Heimat gemeinsam mit vielen Menschen Brauchtum und Erntedank.

CHRISTA ANSEL

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WENDLINGEN Das 54. Vinzenzifest findet in diesem Jahr vom 26. bis 29. August statt. Organisiert wurde dafür ein buntes und fröhliches Festprogramm, das wieder tausende von Besuchern nach Wendlingen locken wird.

Auch Traditionen bleiben nicht ohne Veränderung. Manche bisher gewohnten Programmpunkte zum Vinzenzifest sind gestrafft, andere verlagert worden im Bemühen, es den vielen tausend Gästen, die in jedem Jahr zu diesem Brauchtums- und Erntedankfest der Egerländer nach Wendlingen kommen, so angenehm wie möglich zu machen.

Gestern wurde im Wendlinger Rathaus das umfangreiche Festprogramm für das 54. Vinzenzifest vorgestellt. Eine ungewollte Veränderung erfährt das Fest in diesem Jahr allerdings durch die Absagen der landespolitischen Prominenz, die entweder im Urlaub sind oder aber beim Parteitag der CDU in Dortmund so kurz vor den Neuwahlen zur Pflicht gerufen wurden. Die Egerländer nehmen diesen Umstand mit Gelassenheit.

Auch wenn das 54. Vinzenzifest erst am Samstag offiziell eröffnet wird, starten bereits am Freitag erste Programmpunkte. In der evangelischen Johanneskirche in der Stadtmitte wird eingeladen zu einem Volksmusikkonzert mit dem Stuttgarter Saitenspiel, der Egerländer Bauernmusik und einem Bläsertrio des Südwestdeutschen Gauverbandes. Zeitgleich starten die Original Oberpfälzer Musikanten, die seit 22 Jahren zum Vinzenzifest nach Wendlingen kommen, mit ihrem Musikprogramm im Festzelt am Schäferhauser See. Gegen 21 Uhr wird Wendlingens Bürgermeister Frank Ziegler, zugleich auch Vorsitzender des Egerländer Patenschaftsrates, das Bierfass im Festzelt anstechen, bevor dann um 22 Uhr ein Großfeuerwerk am Schäferhauser See den Himmel über Wendlingen erstrahlen lässt.

Bis dahin wird Festwirt Manfred Franzke dann auch die Probleme beim Aufbau des Festzeltes gemeistert haben. Der überreiche Regen am Sonntag und Montag hat den Aufbau des Zeltes und des angrenzenden großen Biergartens erschwert. Ansonsten bleibt im Festzelt alles so, wie es die Gäste aus dem letzten Jahr kennen. Angebot und Preise haben sich bewährt. Die Egerland-Jugend wird das Angebot mit einem Barbetrieb abends ab 21 Uhr vor allem für die jungen Leute ergänzen.

Traditionell eröffnet wird der Samstag mit der Festsitzung des Patenschaftsrates und des Heimatausschusses. In diesem Jahr tagen beide im Haus der Feuerwehr, weil der traditionelle Standort, das Gemeindezentrum Sankt Georg, derzeit saniert wird. Albrecht Schläger, einstiger bayrischer Landtagsabgeordneter und jetziger Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen aus Hohenberg an der Eger, wird dabei sprechen über "Die deutsch-tschechischen Beziehungen im vereinten Europa Beispiele aus dem heutigen Egerland". Zahlreiche Gäste werden zu dieser Festsitzung erwartet.

Eingebunden in diese Festsitzung ist in diesem Jahr erstmals die Eröffnung des Vinzenzifestes, das in den Vorjahren immer nachmittags vor dem Rathaus stattgefunden hat. Mit dabei Wendlingens Bürgermeister und die beiden Organisatoren des Vinzenzifestes, Horst Rödl von der Egerländer Gmoi Wendlingen, und Albert Reich, Landesvorsteher der Egerländer Gmoin.

Neu am Samstagnachmittag ist das Kinderprogramm im Festzelt. Engagiert wurden dafür "Joe + Josy", die mit den jungen Gästen zaubern, singen, spielen, einfach viel Spaß haben werden. Ab 16 Uhr spielen im Festzelt dann wieder die Original Oberpfälzer Musikanten, die nach 21 Uhr vor allem für junge Leute Musik machen und einladen zur Party-Time. Dazwischen, um 19 Uhr, erwartet die Gäste der Volkstumsabend mit vielen Trachtengruppen im Festzelt, unter anderem mit einer Gruppe des Bayrisch-Schwäbischen Gauverbandes aus Augsburg.

Der Sonntag dann ist der Publikumsmagnet. Bereits ab 8 Uhr gibt es an rund 250 Ständen des Vinzenzimarktes in der Schäferhauser Straße die ausgefallensten Angebote. Traditionell geht es am Sonntag ab 9.15 Uhr zu, wenn sich vor Sankt Kolumban die vielen Trachtenträger und Geistlichen aufstellen zur Vinzenziprozession in Richtung Rathaus. Diese Prozession mit der Reliquie des heiligen Vinzenz kann genauso wie der sich auf dem Saint-Leu-la-Foret-Platz anschließende Festgottesdienst nur im Freien stattfinden, wenn das Wetter mitspielt. Den Festgottesdienst gestalten die Pfarrer Paul Magino und Monsignore Josef Malus aus Budweis. Um 10.30 Uhr schließen sich vor dem Rathaus Volkstanzdarbietungen an. Um 11 Uhr gibt es im Rathaus einen Empfang für alle Gäste, bei dem Bürgermeister Ziegler über 60 Jahre Vertreibung der Egerländer referieren wird. Zeitgleich gibt es im Festzelt ein Frühschoppenkonzert. Um 13.30 Uhr dann startet in der Goethestraße der große Festumzug, der sich über die Unterboihinger Straße am Rathaus vorbei zum Festplatz schlängeln wird. Horst Rödl konnte dafür rund 40 Gruppen engagieren. Krönender Abschluss des Sonntags ist ab 19 Uhr im Festzelt der Auftritt der Föhrenberger Blasmusik mit Elke & Thomas von der Schwäbischen Alb. Der Montag wird begleitet vom Seniorennachmittag der Stadt im Festzelt. Am Abend spielt zur Unterhaltung der Musikverein Unterboihingen. Eingeladen sind zum Abschluss des Vinzenzifestes ehemalige Aktive der Egerländer Gmoin. Neben Festzelt und Biergarten wird am Schäferhauser See ein Vergnügungspark aufgebaut.