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Breitbandausbau im Blick

Für den Kreishaushalt wurden 100 000 Euro für kreisweite Erhebung nach einheitlichen Bewertungsstandards bewilligt

Breitband - Internet
Symbolfoto

Schnelles Internet mit hohen Übertragungsraten von Daten nimmt einen immer größeren Stellenwert in der wirtschaftlichen Entwicklung ein. Den Ausbau der sogenannten Breitbandversorgung hatten im Zuge der Beratungen zum Kreisetat Anträge der CDU, der Republikaner, der SPD und der Verwaltung selbst im Blick.

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Kreis Esslingen. Es gibt verschiedene Wege, eine Breitbandversorgung anzubieten. Der bisher häufig beschrittene ist es, die bereits für das Telefonnetz verlegten Kupferleitungen zu nutzen. Doch das ist nur über eine relativ kurze Wegstrecke erfolgversprechend. Über weitere Strecken sind Lichtwellenleiter, sogenannte Glasfaserkabel, wesentlich leistungsfähiger. Vielerorts müssen sie aber erst noch kostenaufwendig verlegt werden.

Die CDU im Kreistag regte eine kreisweite Bestandsanalyse an, auch die SPD wollte Näheres zur Breitbandversorgung im Kreis wissen. Die Analyse soll einen Überblick verschaffen, wie weit der Ausbau bereits vorangeschritten ist beziehungsweise welche Möglichkeiten zu einem Ausbau gegeben sind. Für diese Bestandsaufnahme seien im Kreishaushalt Finanzmittel bereitzustellen. Ulrich Deuschle von den Republikanern beantragte ein Gutachten zu diesem Thema mit dem Ziel, eine Breitbandkabelgesellschaft auf Kreisebene zu gründen.

Landrat Heinz Eininger erinnerte, dass er schon vor rund sechs Jahren auf die Notwendigkeit eines Ausbaus, seinerzeit auch im Zusammenhang mit der Klinikplanung, hingewiesen habe. Damals habe es jedoch geheißen, die Region Stuttgart sei gut aufgestellt.

Tatsächlich aber schreiten die Entwicklungen rasant voran. Hatte man zunächst begonnen, die Gewerbegebiete mit schnellem Internet zu versorgen, so wird dies zunehmend wichtig auch für Freiberufler. Und selbst für Privathaushalte wird der Glasfaseranschluss immer interessanter, zumal die Elektronik- und Unterhaltungsindustrie immer mehr Geräte auf den Markt bringt – wie zum Beispiel die nächste Generation digitaler Fernseher – für deren Nutzung ein möglichst leistungsfähiger Internetanschluss Voraussetzung sein wird. Man habe das Thema in der Kreisverbandssitzung des baden-württembergischen Gemeindetags eingebracht, berichtete Eininger. Dort habe man sich darauf geeinigt, den aktuellen Ausbauzustand abzufragen, der Landkreis habe im November seine 44 Kreiskommunen dazu um Stellungnahmen gebeten. Außerdem wurde eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Kreisverwaltung und Bürgermeistern im Kreis Esslingen gegründet.

Landrat Eininger gab zu bedenken, dass von den 33 Rückmeldungen aus den Kommunen nur sieben von einer eigenen Bestandsanalyse berichten. Zu berücksichtigen ist auch, dass für eine Beurteilung einheitliche technische Kriterien angelegt werden sollten. Damit seien viele Kommunen aber überfordert. Auch die Kreisverwaltung habe für die Koordination eines weiteren Breitbandausbaus nicht das erforderliche Personal. Die Verwaltung schlug deshalb vor, einen externen Dienstleister mit einer Bestandsaufnahme zu beauftragen, es gebe mehrere Anbieter und auch Kompetenzen im Hochschulbereich.

In der Region gebe es Erfahrungen mit Bestandsanalysen im Rems-Murr-Kreis und in den Landkreisen Böblingen und Göppingen. Daran orientiert sei von einem Kostenaufwand für den Kreis Esslingen in Höhe von rund 100 000 Euro auszugehen. Die Verwaltung beantragte, diesen Betrag für den Haushalt bereitzustellen, was denn auch einstimmig bewilligt wurde.

Laut Pressesprecher Peter Keck wolle man sich außerdem um Fördermittel bemühen, die in Aussicht stünden, falls in entsprechend vielen Kreisgemeinden eine ungenügende Versorgung gegeben sein sollte. Auch die EU will Förderprogramme ausbauen, Kommissionspräsident Juncker sprach jüngst von 13 Milliarden Euro in den nächsten Jahren.

Die Beauftragung einer Ist-Analyse wird der Kreis laut Keck demnächst öffentlich bekannt machen, ausgeschrieben werden soll sie dann noch im ersten Halbjahr 2015. Die Ausschreibung werde von der Arbeitsgruppe vorbereitet, auch in Absprache mit der Region. Diese strebt einheitliche, kreisübergreifende Ausbaustandards an.

Auch lässt die Region derzeit untersuchen, mit welcher Organisationsstruktur der Netzausbau bewerkstelligt werden könnte. Es gibt Beispiele von kommunalen Gesellschaften, aber auch von Zweckverbänden oder die Übertragung an private Unternehmen. In Nürtingen beispielsweise wird der Ausbau des Glasfasernetzes von den eigenen Stadtwerken vorangetrieben.